Manöverkunde

Besser anlegen – 15 Tipps für Anfänger und Profis

Anlegen vor Zuschauern bedeutet meist Stress für die Crew. Mit diesen Manöver-Tipps von YACHT-Autor Lars Bolle kann nichts mehr schiefgehen

Felix Keßler am 19.10.2017
YACHT

1. Die Eigenschaften der Yacht kennenlernen

Auch wenn die Abläufe bekannt sind und schon dutzendfach geübt: Ein Anflug von Aufregung vor dem Anlegen erfasst auch erfahrene Skipper. Denn: Kein Anlegemanöver ist wie das andere – und keine Yacht ist wie die andere. Besonders Charterer haben es schwer, mit dem ungewohnten Boot auf Anhieb sicher umzugehen. Und trotzdem will man sich vor den vielen gaffenden Zuschauern im hochsommerlichen Hafenkino nicht blamieren. Dass ihre gesamte Crew nur aus Segel-Laien bestand, kauft Ihnen hinterher ohnehin niemand ab.

Nehmen Sie sich daher Zeit, die Eigenschaften der Yacht kennenzulernen. Je genauer Sie über Stoppwege, Rückwärtsfahrt und Wendekreise Bescheid wissen, desto einfacher können Sie Längen und Distanzen im Hafen einschätzen. So erspart man sich Stress und riskante Experimente im Hafenbecken.  YACHT-Experte Lars Bolle, Autor von "Hafenmanöver Schritt für Schritt"


Wichtig dabei: Bereits kleine Unterschiede bei Windstärke und -richtung beeinflussen das Verhalten der Yacht deutlich. Bei modernen Yachten macht sich dies umso stärker bemerkbar. Der Grund: Heutzutage stehen den hohen Aufbauten, die viel Angriffsfläche für den Wind bieten, nur schmale Anhänge und wenig Fläche unter Wasser gegenüber. Das macht sie insgesamt wendiger und agiler und hat bessere Segeleigenschaften zur Folge. Doch während ein klassischer Langkieler bei einer leichten Brise noch auf der Stelle dümpelt, treibt ein schnittiger Performance-Cruiser bereits mit einiger Geschwindigkeit auf die Mole zu.

2. Mittelspring nutzen 

Die Mittelspring ist bei den meisten Yachten der Festmacher, mit dem sich am leichtesten manövrieren lässt. Der Drehpunkt liegt in der Mitte des Schiffs, und mit Ruderlage und Schub voraus lässt sich auch sehr gut ein Vertreiben vermeiden. Außerdem verlängert dieser Anschlagpunkt den Bremsweg in kurzen Boxen um die Hälfte der Bootslänge. Ein Crewmitglied bringt die Mittelspring auf Wantenhöhe aus, sie ist zum Steuermann geführt, dieser kann so mit der Spring abbremsen. Durch Regulieren der Schubstärke und Ruderlage kann der Steuermann den Bug in Luv halten und die Yacht gleichzeitig dosiert an den Steg führen.

3. Ausreichend Festmacher anschlagen

Auf Slip belegen

Belegen Sie vorn und hinten auf beiden Seiten die Klampen auf Slip, auch wenn Sie sich schon eine Seite zum Längsseits-Gehen ausgesucht haben. Mit einem durch die Klampe gezogenen Achtknoten können Sie die Länge des Festmachers problemlos von Bord aus regulieren. Die Doppelbelegung erspart Hektik bei einer kurzfristigen Planänderung, später werden die Festmacher ohnehin als Spring gebraucht.

4. Fokus auf die Luvleinen

Der Versuch, mit kleiner Crew beim Einfahren in die Box trotz Seitenwind gleich alle vier Festmacher zu belegen, ist riskant – zu groß ist die Gefahr, beim Verfehlen der Luvpfähle seitlich in die Nachbarn hineinzudriften. Konzentrieren Sie sich daher auf die beiden Luvleinen, so liegt die Yacht trotz Seitenwind zunächst stabil. Die Leeleinen können Sie später noch in aller Ruhe, etwa mit dem Dingi, ausbringen. Das "Luvleinen-Prinzip" gilt übrigens auch für’s Rückwärts-Anlegen mit Anker bzw. Muring und zwei Heckleinen.


5. Zeigen statt Brüllen

Manöver - Handzeichen

Lautes Geschrei zwischen Skipper und Crew wirkt unprofessionell und sorgt für Stress an Bord. Gelassener und obendrein ohne akustische Missverständnisse kommuniziert es sich mit Handzeichen. Mit den Fingern lässt sich der Abstand zur Pier angeben, vorher abgesprochene Zeichen signalisieren dem Skipper, was außerhalb seines Sichtfeldes passiert (z.B., ob Festmacher bereits belegt sind).

6. Einsatz einer Manöverleine

Haben Sie die Box verpasst? Macht nichts, nicht alle Manöver klappen auf Anhieb. Um Zeit zu gewinnen und zu verhindern, dass die Yacht abtreibt, bietet sich der Einsatz einer Manöverleine an. Wie auf dieser Abbildung zu sehen, wird sie etwa als Vorleine an einem der Pfähle in der Nähe des Liegeplatzes festgemacht. Mit Einsatz von Gashebel und Ruder lässt sich die Yacht nun in Stellung bringen. Gleichzeitig wird die Vorleine kontrolliert gefiert, bis die Höhe der Box erreicht ist. Nun läuft die Yacht etwa zur Hälfte in die Box ein, bis die Achterleinen angebracht werden können. Die Manöverleine wird gelöst, und die Yacht schiebt sich vollständig in die Box, bis die Vorleine am Steg fixiert werden kann.
So wird aus einem verkorksten Manöver ein professionell wirkender Anleger.

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Felix Keßler am 19.10.2017

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