Versicherung

Holländer kündigen deutschen Kunden

Die niederländische Unigarant beendet zum 1. März sämtliche Bootsversicherungsverträge deutscher Yachteigner. Angeblich seien die zu teuer

Pascal Schürmann am 12.02.2016
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Deutsche Yacht mit holländischer Gastlandflagge auf dem IJsselmeer. Deutsche Segler sind generell im Nachbarland willkommen – nur nicht als Kunden bei allen Versicherungen

Im Kündigungsschreiben der Unigarant, das den betroffenen Eignern in den vergangenen Wochen zuging, heißt es, es werde zu kostspielig, Wassersportversicherungen im Ausland anzubieten. Zwecks einer neuen Versicherung fürs Schiff möge man sich an seinen Makler wenden.

Einige hundert Betroffene, die ihre Policen einst direkt, also ohne den Weg über einen Makler, bei der Unigarant abgeschlossen hatten, bekamen zeitgleich mit der Kündigung Post vom niederländischen Yachtversicherungsmakler Eerdmans. Der hat den Bestand der Direktversicherten von Unigarant übernommen und ihnen eine neue Versicherung zu den alten Bedingungen angeboten. Wer darauf einging beziehungsweise dem nicht widersprach, wurde über Eerdmans bei einer anderen niederländischen Assekuranz versichert, der Europeesche Yachtverzekeringen.

Vom Regen in die Traufe?

Aus holländischen Maklerkreisen war jedoch rasch zu hören, dass sich, dem Beispiel der Unigarant folgend, offenbar auch die Europeesche von ihren ausländischen Kunden trennen will. Auf Nachfrage der YACHT bestätigte das ein Sprecher des Versicherers allerdings nur zum Teil. Man habe in der Tat in einem Schreiben an die Versicherungsmakler deutlich gemacht, dass die Europeesche keine ausländischen Bootseigner mehr als Kunden akzeptiere. Hiervon ausgenommen seien aber deutsche und belgische Segler.

Robert L. L. Raaman vom Yachtversicherungsmakler Datacombinatie in Brielle bei Rotterdam hat seine Kunden, die über ihn bei der Unigarant versichert waren, trotzdem lieber bei anderen Versicherungsunternehmen untergebracht. Unter anderem bei der Allianz. Die sei momentan verlässlicher als die niederländischen Assekuranzgesellschaften.

Weshalb ein deutscher Kunde teurer als ein niederländischer Kunde sein soll, erschließt sich Raaman nicht. Ob man die Versicherungssteuer je nach Kunde in Holland oder in Deutschland abführe, sei einerlei. Daran könne es nicht liegen. Dass deutsche Segler häufiger für die Versicherungen kostspielige Schäden verursachen, ist gleichfalls nirgends belegt.

Ausländer passen nicht ins Unternehmenskonzept

Die Unigarant, die übrigens eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des ANWB ist, dem Pendant zum deutschen ADAC, begründet gegenüber der YACHT die Kündigungswelle denn auch nicht mehr mit zu hohen Kosten. Vielmehr heißt es plötzlich nur noch, deutsche Kunden passten nicht länger in die Unternehmensstrategie. Mehr wolle man dazu nicht sagen. 

Wie viele deutsche – und auch andere ausländische – Bootseigner, vornehmlich Belgier von diesem überraschenden Strategiewechsel betroffen sind, auch darüber wollte die Unigarant keine Auskunft geben. Die Zahl dürfte Schätzungen zufolge aber an die Tausend heranreichen. 

Wer selbst nach einer geeigneten Bootsversicherung für sein Schiff suchen will, findet im YACHT-online-Versicherungsspezial viele nützliche Informationen und auch ein Online-Formular, mit dessen Hilfe Angebote von mehreren Bootsversicherungsanbietern per Mausklick kostenlos und unverbindlich angefordert werden können.

Pascal Schürmann am 12.02.2016

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