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Windhose verwüstet Yachthafen in Kressbronn-Gohren
Gegen 1 Uhr in der Nacht zum Freitag zog ein Wirbelsturm über das Wassersportzentrum Kressbronn-Gohren. Die Wasserschutzpolizei teilte mit, dass der Sturm einen Schaden von mindestens einer Million Euro verursacht hat.
"Mir kam eine Jolle auf der Straße entgegen", schilderte Thomas Burger vom Landrats- und Schifffahrtsamt in Friedrichshafen seine Beobachtungen vom nächsten Morgen. Auf einem Streifen von rund 40 bis 50 Meter Breite und 400 Meter Länge, so Burger, habe die Windhose Yachten umhergeworfen und Stege auseinander gerissen. "Kräftige Alu-Dalben sind abgeknickt wie Streichhölzer", berichtete Burger.
Diese Angaben bestätigt Eberhard Magg von der Firma Speedwave aus dem Wassersportzentrum. "Boote sind gedreht und anschließend förmlich in die Luft gehoben worden", berichtet Magg gegenüber der YACHT. Auf dem eigenen Trockenlager-Platz seien zehn Yachten im Domino-Effekt umgekippt, so der Speedwave-Geschäftsführer. Im Hafen, berichtet er weiter, seien zwei Stege zerstört worden. Während man den einen davon noch reparieren könne, sei der andere wohl nicht mehr zu retten.
Dadurch fehlen im Wassersportzentrum mehr als 120 Liegeplätze für Yachten. Dies ist umso mehr ein Problem, da Kressbronn-Gohren für viele Wassersportler, die aufgrund des historischen niedrigen Pegels des Bodensees ihre Schiffe nicht in den heimatlichen Hafen bringen konnten, als Ausweichmöglichkeit galt.
Viele der betroffenen Schiffseigner wussten bis zu diesem Wochenende noch gar nichts von dem Unglück, da sie im Urlaub waren. Eberhard Magg: "Die kommen jetzt nach und nach hierher und sehen die zum Teil erheblichen Schäden an ihren Schiffen." Der Großteil an Schäden seien solche am Gelcoat, weil die Schiffe von dem kleinen Tornado gegeneinander gedrückt worden seien, erklärt Magg. Ebenso seien viele Relingsstützen gerissen. Alles in allem, meint er jedoch, sei die ganze Sache noch glimpflich ausgegangen. Personen sind bei dem Unwetter zumindest nicht zu schaden gekommen.
Auf dem nur wenige hundert Meter entfernten Campingplatz hatte eine Familie jedoch einen wachsamen Schutzengel. Ein vom Tornado entwurzelter Baum war auf deren Vorzelt gestürzt. Dabei hatte ihr Enkelkind nur einen Meter von der Einschlagstelle entfernt geschlafen.
Nach dem Wetterphänomen Tornado müssen die Segler am Bodensee nun wieder mit den normalen Kapriolen dieses Sommers kämpfen, der in die Annalen eingehen wird: Heißester Tag, wärmste Nacht, Rekord-Niedrigstände und wohltemperierte Flüsse und Seen - das Hoch "Michaela" heizte Deutschland in den vergangenen Wochen mächtig ein.
Im saarländischen Perl-Nennig erfasste der Wetterdienst Meteomedia (Jörg Kachelmann) am 8. August eine in Deutschland nie zuvor gemessene Hitze: 40,3 Grad und damit 0,1 Grad mehr als der bisherige, 1983 im bayerischen Gärmersdorf gemessene, Spitzenwert wurde registriert. Auch in den Nächten sorgte "Michaela" für tropische Temperaturen. In der Nacht zum 13. August maß der Deutsche Wetterdienst in Rheinland-Pfalz mit 27,6 Grad ebenfalls einen neuen deutschen Spitzenwert.
Mit der Hitze blieben die Niederschläge aus. Der Wasserstand des Bodensees ging Ende August bis auf 2,83 Meter zurück - ein neuer Rekord in der zweihundert jährigen Geschichte der Wasserstandsmessungen. Die Wassertemperatur stieg auf 26 Grad. Auch dies ein neuer Spitzenwert. Normalerweise bietet der Bodensee zu dieser Jahreszeit Werte von 3,95 Meter und 20,5 Grad.
"Viele Schiffseigner können ihre Heimathäfen nicht mehr ansteuern und müssen sich nun Alternativen suchen", erklärt Eberhard Magg von der Firma Speedwave. Daran ändern auch die Regenfälle vom letzten August-Wochenende nichts. "Die haben uns gerade mal drei Zentimeter gebracht", erklärt Thomas Burger. Was die Bodenseeregion bräuchte, so Burger, seien vier Wochen Regen am Stück.










