Abenteuer
Wieder auf Kurs
"Ich lebe noch! Der Wind in Spitzen mit 60 Knoten, zehn Meter hohen Wellen und Hagelschauern trieb mich zur subantarktischen Insel Crozet." Das schrieb Bernt Lüchtenborg gestern in sein Online-Logbuch, nachdem er zwei Tage zuvor von einer Kollision und Wassereinbruch im Schiff berichtet hatte.
Weiter ist nachzulesen: "In Lee einer kleinen Ankerbucht erkenne ich vom Schiff aus schneebedeckte Steine, brechende Seen, Seelöwen, brütende Albatrosse und eine riesige Kolonie Königspinguine. Kein Baum, nichts. Als Insel der Seligkeit nicht wirklich als Urlaubsort zu empfehlen. Als Basis eines kurzen Glücks taugte es eingeschränkt: Konnte meine Wunden lecken, mich um Horizons kümmern. Batterien und Kabelanschlüsse trocknen. Rigg, Terminals und Püttinge prüfen. Scheint alles okay."
Sorge bereitet dem angehenden Doppelweltumsegler das klemmende Ruder seiner Yacht, die noch dazu täglich zirka 60 Liter Wasser macht. Lüchtenborg vermutet als Ursache einen kleineren Riss in irgendeiner Schweißnaht, der infolge der Kollision entstanden sein könnte.
Zum Schluss seines Tagesreports notiert er: "Heftige Gedanken toben in meinem Innern. Getränkt durch den Cocktail der Verzweifelung spüre ich die Mattigkeit, die rissigen Hände, die schmerzenden Rippen und wie mein Wille langsam schwindet. Betrachte das Meer und es antwortet mir: "Du bist der Hölle entronnen. Sei froh, davongekommen zu sein!""
Am Ende teilt er fast schon wie nebenbei mit: "Bin wieder auf Kurs."
Bernt Lüchtenborgs Doppel-Weltumsegelungsprojekt im Internet unter
www.sail2horizons.de










