Blauwasser
"Wanderer III"-Crew wird geehrt
"Ich habe seit Jahren kaum etwas geschrieben, kaum jemanden getroffen, besitze kein Network und kenne praktisch niemanden im CCA", sagte Matzen hocherfreut gegenüber YACHT online. Zu Recht. Darf er sich nun doch in einem Atemzug mit Namen wie Francis Chichester, David Lewis, Robin Knox-Johnston, Bernard Moitessier bis hin zu Susan und Eric Hiscock nennen.
Letztere verbindet sogar noch mehr mit dem Flensburger und seiner Frau. Denn den Hiscocks gehörte Matzens Schiff, die nur 30 Fuß lange Holzyacht "Wanderer III", als sie 1955 die Medaille bekamen. Damit ist die Laurent-Giles-Konstruktion erst das zweite Boot in der Geschichte der "Blue Water Medal", dem diese Trophäe zweimal zuerkannt wurde.
"When it rains – it pours!", erzählt Matzen weiter. "Der zweithöchste Preis im Segelsport, vom britischen Ocean Cruising Club vergeben, geht in diesem Jahr auch an uns!" Matzen lebt und segelt mit seiner Frau Kicki Ericson seit 1989 auf dem Schiff. Das Paar bereist die Erde außerhalb der ausgetretenen Pfade und berichtet unregelmäßig über Reisen in die hohen Breiten in Magazinen wie "National Geographic" und der YACHT oder – ganz selten – auch im Fernsehen.
Matzen wurde 1956 geboren und ließ sich zum Holzbootsbauer ausbilden. Im Jahr 1981 erstand er unter großen Opfern „Wanderer III”, die 1952 gebaut wurde. Sein erster Törn führte ihn in den hohen Norden und zu den Lofoten, bevor er den Atlantik überquerte, um die Karibik zu erkunden. Im Jahr 1989 traf er dort Ericson, die zwar einen schwedischen Pass besitzt, aber 1964 in Wien geboren wurde und dort auch aufgewachsen ist. Die studierte Architektin half in den Virgin Islands, denkmalgeschützte Gebäude zu restaurieren, zog aber bald zu Matzen aufs Boot und blieb – bis heute. Das Paar verbrachte die ersten gemeinsamen Jahre im Pazifik, in Indonesien und im Indischen Ozean.
Von 1997 bis 1999 segelten sie von Kapstadt aus zu Destinationen rund um den Südatlantik und widmeten die letzten 12 Jahre weiteren Zielen auf der Südhalbkugel, wie Tasmanien, den Auckland Inseln, der Antarktika, den Falkland-Inseln und Südgeorgien, wo sie sich gleich mehr als zwei Jahre aufhielten. Im Moment sind Matzen und Ericson in Brasilien, wo sie „Wanderer III” aufmöbeln, die sich nach wie vor in Originalzustand befindet. Außer UKW-Funke und Hand-GPS gibt es keinerlei Elektronik an Bord. Das Boot verfügt zwar über einen 16-PS Einbaudiesel, doch Rumpf und Rigg werden nach traditionellen Methoden in Schuss gehalten.
Die Blue Water Medal wurde erstmals 1923 verliehen als Anerkennung für beispielhafte Seemannschaft. Die Preisträger werden aus „Amateuren aller Herren Länder” ausgewählt. Die diesjährige Verleihungsfeier findet am 2. März beim New York Yacht Club in Manhattan statt und wird von Commodore Daniel P. Dyer III vorgenommen.
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