Weihnachten auf See

Von der hohen See am Heiligen Abend

24.12.2012 Bendix Hügelmann, Fotos: KUS-Projekt, Iron Lady, Christoph von Reibnitz, maserati.soldini.it - Weihnachten gibt's üppiges Essen, Nordmann-Tanne und Geschenke. Dass es auch anders geht, demonstrieren Jahr für Jahr unzählige Segler

Weihnachten
Fotograf: © KUS-Projekt

Nicht jeder verbringt das Weihnachtsfest unterm Tannenbaum

Draußen wird es besinnlich bis stressig: Bald ist Weihnachten. Während die heimischen Yachten an Land ihr trauriges Winterdasein fristen und bei den einen Erinnerungen an den vergangenen Sommer Licht ins Dunkel des Winters bringen, trotzen andere dem Zwang der Jahreszeiten und segeln weiter. Unzählige Segler verbringen Jahr für Jahr die Weihnachtszeit fernab von Festtagsgans und Schmalzgebäck. Von den Skippern der Vendée Globe bis zu den Schülern auf der "Thor Heyerdahl": Sie alle eint, dass sie diese besondere Jahreszeit an Bord und nicht zu Hause zu verbringen. 

Weihnachten hoch und trocken

Wobei letzteres auch nur eingeschränkte Gültigkeit besitzt, schaut man auf Deutschlands Langfahrt-Familie der "Iron Lady": Nathalie Müller, Michael Wnuk und die Töchter Maya und Lena räumen derzeit in Puerto Montt/Chile ihre sieben Sachen vom Boot. Anfang Januar soll es in die Hände des neuen Eigners übergehen, der die "Lady" Knall auf Fall gekauft hatte. Die Wnuks befinden sich derzeit auf der Suche nach einem neuen Schiff und verbringen die Übergangszeit in einem gemieteten Haus an Land. Und dennoch: 

Gefeiert wird Weihnachten an Bord der "Iron Lady". Nathalie Müller schreibt: "Ein letztes Weihnachten auf der ‘Iron Lady‘, das muss sein. Die Zarpe ist geholt, die Bilge gefüllt, auf uns warten einsame Buchten am Fuße der Anden, hoffentlich Lachs und Forellen an der Angel, ein bisschen Sonne am patagonischen Himmel und vielleicht sogar der Weihnachtsmann." Und was steht auf dem Wunschzettel? "Ein neues Schiff mit genügend Platz für uns alle!" Hoffen wir für die Wnuks, dass der Weihnachtsmann alles dabei hat in seinem großen Sack!

Wnuk_Kinder
Fotograf: © Iron Lady

Maya und Lena halten Ausschau nach dem Weihnachtsmann – wird er ein neues Boot im Sack dabei haben?

Gemeinsam einsam

Was haben Jeanne Socrates, François Gabart und Armel Le Cléac'h gemeinsam? Sie werden das Weihnachtsfest auf hoher See und in Einsamkeit verbringen. Während die rüstige Britin derweil mit ihrer Najad 380 "Nereida" zum dritten Mal versucht, einhand und nonstop die Welt zu umsegeln, dürfte es im Reigen der Vendée-Skipper weniger kuschelig zugehen als auf Jeannes hochgerüstetem Tourendampfer. Derzeit steht die 70-jährige Einhandseglerin 2000 Seemeilen nordwestlich von Kap Hoorn und befindet sich damit im selben Gewässer wie die Imoca-Recken der Vendée Globe: dem Southern Ocean. Schwere Stürme, tiefhängende, über den Himmel jagende graue Wolken, Eisberge und Schnee – zumindest das Wetter passt zur Weihnachtszeit.

Caribbean Christmas

Von einem Extrem ins andere: Während die Einhandskipper der Vendée bei Temperaturen um den Gefrierpunkt dem Rendezvous mit "Père Noël" entgegenheizen, geht es in der Karibik beschaulicher zu: Fast alle Teilnehmer der Atlantic Rally for Cruisers haben inzwischen St. Lucia erreicht, bis auf eine Ausnahme werden die noch im Rennen befindlichen Yachten die Karibik bis Weihnachten erreicht haben. Christoph von Reibnitz, Skipper der traditionsreichen Yawl "Peter von Seestermühe", befindet sich derzeit in St. Lucia, er wird mit seiner Familie Weihnachten an Bord des "Peters" verbringen: "Wir werden im größeren Familienkreis hier vor Anker in St. Lucia feiern. Meine Frau und drei meiner Kinder werden da sein, dazu gesellen sich alte Freunde und Weggefährten des ‘Peters‘", so von Reibnitz, der von einem charmanten Brauch nach der der ARC berichtet: "Zu Weihnachten rudert hier in St. Lucia ein Weihnachtsmann in einem Dinghy von Boot zu Boot und verteilt kleine Geschenke an die mitsegelnden Kinder an Bord." 

Karibik_Weihnachten
Fotograf: © Christoph von Reibnitz

Auf der "Peter von Seestermühe" steht bereits der Weihnachtsbaum, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, das Fest kann losgehen!

Rendézvous am Fuß des Tafelbergs

Doch auch die Flotte der World-ARC (WARC), der Rally rund um den Globus, beschäftigt sich mit dem Thema "Weihnachten". Karsten Witt von der deutsch/kanadischen X-55 "Gunvør XL" schreibt: "Ungefähr die Hälfte der teilnehmenden Crews sind nach Hause geflogen, um Familie und Freunde während der Feiertage zu sehen. Die andere Hälfte ist in Kapstadt geblieben." Die Organisatoren der ARC haben angesichts der Weihnachtszeit einen besonders langen Stopp in Südafrika geplant, der Heimaturlaub ohne weiteres ermöglicht. Die Crew der "Gunvør XL" wird das Weihnachtsfest jedoch an Bord feiern, schließlich gibt es dazu ein bordeigenes Vorgehen:

Midsommar und Tannengrün

"Zum Ritual auf ‘Gunvør‘ gehört, dass wir vor dem Essen um einen Tannenbaum tanzen und schwedische Weihnachtslieder singen", schreibt Karsten Witt. Es handle sich hierbei um die gleichen Lieder, die in Schweden zur Mittsommernacht gesungen werden. "Sehr lustig, aber nicht besonders religiös", so Witt weiter. "Vor dem Essen bekommen wir alle einen ‘englischen‘ Christmas Cracker mit einer Papierkrone, die dann während des Essens getragen werden muss. Beim Nachtisch wird dann irgendwie eine Mandel in eines der Essen geschmuggelt, und der Gewinner bekommt einen Scherzpreis."

Oh, wie schön ist Panama

Die segelnde Schulklasse auf der "Thor Heyerdahl" wird das Weihnachtsfest hingegen auf hoher See verbringen. "Unterricht und Weihnachten auf See – etwas ganz Besonderes", heißt es im Bordtagebuch kurz vor der Abreise aus Grenada. Am Samstag, den 22. Dezember ist die Thor Heyerdahl gen Panama ausgelaufen. Für die Etappe sind zehn Tage angesetzt. Ebenfalls vor der Küste Panamas unterwegs ist das Ehepaar Wilts. Sie segeln derzeit an der Nordküste Panamas, wie es der Homepage der "Freydis" zu entnehmen ist. Wie und wo die Wilts jedoch den Heiligabend verleben werden, wissen sie derzeit nur selber. Genug Platz für einen Weihnachtsbaum bietet die neue "Freydis" aber allemal. 

Thor_Heyerdahl
Fotograf: © KUS-Projekt

Klassenzimmer unter Segeln – die Teilnehmer des "Thor Heyerdahl"- Schulprojekts werden Heiligabend auf See verbringen

Coutdown am Heiligen Abend?

Einen Weihnachtsbaum wird man auf dem modifizierten Volvo 70 "Maserati" wahrscheinlich nicht finden. Die Rennyacht liegt derzeit in der North Cove Marina in Manhattan und durchläuft die allerletzten Vorbereitungen. Die Crew um den italienischen Skipper Giovanni Soldini, zu der auch Boris Herrmann als Navigator gehört, tritt an, um den Rekord von New York nach San Francisco zu unterbieten. Eine große Herausforderung: Die Route ist mit einer Länge von 13.225 Seemeilen lang und abwechslungsreich, viel kann passieren. Dennoch zeigt man sich optimistisch, den bestehenden Rekord von 54 Tagen zu unterbieten, das Potenzial ist vorhanden. Aktuell befindet sich die Crew bereits im Standby-Modus, ein passendes Wetterfenster zur Abfahrt wird für den Zeitraum 23. bis 25. Dezember erwartet. 

Maserati_NYC
Fotograf: © maserati.soldini.it

Alles Systeme startklar: "Maserati" hat inzwischen einen frischen Satz North-3Di-Tücher erhalten, vor den anstehenden 13.225 Meilen befindet sich das Boot in Top-Zustand

Fiebern auf den ersten Weihnachtstag

Für die Australier sicherlich das Segelevent des Jahres, für den Rest der Welt eine wunderschöne Nebensache während der Feiertage: das Rolex Sydney Hobart Race. Zum 68. Mal wird am 25. Dezember, dem "Boxing Day", der Startschuss für dieses berühmt-berüchtigte Langstreckenrennen fallen. Der Kurs führt die Yachten dabei über 608 Seemeilen von Sydney entlang der australischen Küste durch die Bass-Straße nach Hobart in Tasmanien. Obwohl es von mehreren Teams ernsthafte Bestrebungen an einer Teilnahme gab, wird in diesem Jahr erneut keine deutsche Yacht dabei sein. Die Homepage der Regatta ist trotzdem eine Reise beziehungsweise einen Aufruf wert. Besser kann eine Regatta wohl kaum aufbereitet werden. 

Weihnachten im Warmen

Das Schulschiff der Deutschen Bundesmarine, die "Gorch Fock", ist unterdess auf Las Palmas angekommen. Die  Dreimastbark war am 27. November in Kiel zu ihrem ersten Ausbildungstrip seit dem folgenschweren Unfall im November 2010 ausgelaufen. Die Kanaren wurden als Ziel gewählt, um zu dieser Jahreszeit unter günstigen Wetterbedingungen die in Deutschland begonnene Ausbildung für Stammbesatzung und Segelcrew abschließen zu können. Die "Gorch Fock" wird während ihrer 160. Ausbildungsreise Horta (Azoren, Portugal), Lissabon, Funchal (Madeira, Portugal) und London anlaufen, bevor sie zum Hamburger Hafengeburtstag am 18. Mai 2013 zurück in Deutschland erwartet wird.

Home is where your heart is

So unterschiedlich die Segler, so unterschiedlich das Weihnachtsfest. Ob beschaulich oder rustikal, ob Südmeer oder Karibik, Weihnachten sollte dort gefeiert werden, wo das Herz zu Hause ist und das ist bei vielen Glücklichen die See.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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