Nothafen

Vögel vertreiben Bagger am Darß

03.08.2012 Pascal Schürmann, Fotos: YACHT/P.Schuermann, Marinetraffic.com - Die Posse um den Nothafen Darßer Ort hat einen weiteren vorläufigen Höhepunkt erreicht: Nach einem Tag musste der Bagger wieder abziehen

Möwe
Fotograf: © YACHT/P.Schuermann
Möwe auf Seezeichen. Hat der Schutz der Vögel Vorrang vor Menschenleben?

Nun wird es kurz- bis mittelfristig wohl doch nichts mit der dringend erforderlichen freien Zufahrt für den DGzRS-Rettungskreuzer zu seiner Station im Nothafen Darßer Ort. Nachdem am Mittwoch das Baggerschiff "Kronos" begonnen hatte, die versandete Fahrrinne auszuheben, musste das für die Arbeiten verantwortliche Verkehrsministerium von Mecklenburg-Vorpommern gestern den Bagger wieder abziehen. Begründung: Die Kollegen vom Landesumweltministerium hätten mitgeteilt, dass der Vogelzug ungewöhnlich früh eingesetzt habe und daher mit sofortiger Wirkung jegliche Arbeiten im Bereich des Nationalparks, zu dem der Nothafen gehört, einzustellen seien.

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte gegenüber YACHT online, dass in den vergangenen Tagen Mitarbeiter des vor Ort zuständigen Nationalparkamtes begonnen hätten, Zugvögel am Darß zu zählen. Ergebnis: In der Zeit vom 11. bis 23. Juli seien 550 Watvögel (dazu zählen beispielsweise Seeschwalben) sowie 220 Möwen gesichtet worden. Diese Vogelarten gelte es zu schützen.

AIS-Track der Kronos
Fotograf: © Marinetraffic.com
AIS-Track des Baggerschiffs "Kronos". Deutlich ist zu sehen, wie das Schiff vor dem Darß gearbeitet hat und dann gestern Morgen plötzlich Richtung Dänemark abdrehte

Schon in den Wochen zuvor hatte eben jene Nationalparkverwaltung gezielt einen eigentlich geplanten früheren Beginn der Baggerarbeiten verhindert, indem es Anträgen des Wirtschaftsministeriums auf Verklappung des Baggerguts im Hafen und unmittelbar vor der Küste – so, wie es bei früheren Ausbaggerungen der Zufahrtsrinne auch gehandhabt worden ist – plötzlich nicht mehr zugestimmt hat. Das Wirtschaftsministerium hatte sich daraufhin entschieden, die Verklappung auf See außerhalb des Nationalparks vornehmen zu lassen, auch wenn das mit erheblich mehr Aufwand und Kosten verbunden ist. 

Als dies bekannt wurde, hatten Umweltschützer, namentlich der BUND, in letzter Minute versucht, die Baggerarbeiten gerichtlich zu unterbinden, waren mit ihren entsprechenden Anträgen jedoch vor dem Verwaltungsgericht Greifswald gescheitert.

Warum die Nationalparkverwaltung ausgerechnet zu dem Termin mit den Vogelzählungen begonnen habe, zu dem die Baggerarbeiten beginnen sollten, wusste der Sprecher des Landesumweltministeriums nicht mit letzter Sicherheit zu erklären. Er äußerte aber, dass dies "wahrscheinlich auf Weisung der zuständigen Fachabteilungen im Ministerium" geschehen sei. Warum sein Ministerium dem Wirtschaftsministerium derart in die Parade fahre, dazu mochte sich der Sprecher nicht äußern.

Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums wollte den Vorgang ebenfalls nicht kommentieren. Ziel sei es jedoch, die Arbeiten wieder aufzunehmen, sobald dies möglich sei. Damit ist aber nicht vor November zu rechnen, da die offizielle Vogelschutzzeit am Darß erst Ende Oktober endet.

Der Seenotrettungskreuzer muss demnach weiterhin im entfernten Barhöft stationiert bleiben. Das kann unter Umständen Menschenleben kosten. Schon in den vergangenen Wochen hatte sich gezeigt, dass die Lebensretter zu Notfällen vor dem Darß viel länger unterwegs waren als früher, als sie noch vom Nothafen aus operieren konnten.

Und für Segler wird es angesichts der jüngsten Entwicklungen, die für Außenstehende kaum mehr nachzuvollziehen sind und die am ehesten noch mit einem erbitterten Kleinkrieg zweier SPD-Landesminister, deren Mitarbeitern oder nachgeordneten Behörden zu erklären ist, wohl auch langfristig keine Lösung des Hafenproblems am Darß geben.

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