Nonstop

Verfolgungsjagd im Südpolarmeer

07.04.2010 Johannes Erdmann, Fotos: www.abbysunderland.com, www.jessicawatson.com.au, www.jessicawatson.com.au Tracker, www.abbysunderland.com Tracker, www.alessandrodibenedetto.net Tracker - Abby Sunderland hat vor einigen Tagen Kap Hoorn gerundet und folgt in Jessica Watsons Kielwasser

Fotograf: © www.abbysunderland.com

Abby Sunderland auf "Wild Eyes" beim Verlassen von Cabo San Lucas

Bei ihrer letzten Positionsmeldung am 6. April stand die 16-jährige Watson nur noch 1.500 Meilen vor der Südwestspitze Australiens – sie ist auf der Zielgeraden. Doch auch die 154 Tage jüngere Sunderland kommt gut voran.

Sollte die ebenfalls 16-jährige Amerikanerin auf ihrer "Wild Eyes" den gesteckten Zeitplan einhalten, wird Watson den Rekord der jüngsten Einhand-Nonstop-Weltumseglerin nur einige Monate für sich reklamieren dürfen. Doch das technisch sehr viel anspruchsvollere Boot von Sunderland, ein alter Open 40, macht immer wieder Probleme. Bereits eine Woche nach dem Verlassen der Marina del Rey musste sie wegen zu knapper Stromversorgung den mexikanischen Hafen Cabo San Lucas anlaufen und zusätzliche Dieselvorräte für den Generator an Bord nehmen. Nun ist es jedoch der Autopilot, der seit einiger Zeit den Dienst versagt hat. Auch der Reserve-Autopilot setzte bereits aus, konnte von Sunderland jedoch repariert werden. Offenbar hat Watson mit ihrer von Strom unabhängigen Windsteueranlage auf die richtige Karte gesetzt. Bei Sunderland ist die Verwendung einer solchen Anlage jedoch bauartbedingt und durch die höheren Geschwindigkeiten problematisch.

Bei Watsons letzter Textmeldung schrieb sie am 2. April, dass sie mit leichten Gegenwinden zu kämpfen hatte und nur schleppend vorankam. Zuletzt nahm der Wind jedoch wieder ein wenig zu. "Wir brechen immer noch keine Geschwindigkeitsrekorde, aber kommen wieder relativ gut voran", erklärte Watson ihren Lesern. Die ruhigen Tage im südlichen Indischen Ozean nutzte sie, um ihre Wäsche zu waschen und Wartungsarbeiten am Boot durchzuführen. Auch sich selbst gönnte sie zwischendurch eine Salzwasserdusche: "Tragischerweise ist mein 12-Volt-Haartrockner schon kurz vor Kap Hoorn kaputtgegangen, also musste ich die Heizung anstellen, um die Haare zu trocknen." Aus der in der Meldung angekündigten Zunahme des Windes wurden nach Informationen ihrer Landcrew 45 Knoten — ein Sturm der Windstärke neun. Offenbar ist es ihr deshalb seither nicht mehr gelungen, eine Statusmeldung abzusetzen. Dem Tracker auf ihrer Website ist jedoch zu entnehmen, dass sie gut vorankommt.

Auch Abby Sunderland hatte in den letzten Tagen mit flauen Winden zu kämpfen — ganz unüblich für das Südpolarmeer. Am 31. März hat sie Kap Hoorn gerundet und dann Kurs auf die Falklandinseln genommen. "Die Rundung meines ersten Kaps feierte ich mit einer DVD — und den Füßen auf dem Tisch", schrieb sie in einer Meldung. Nahe der Falklandinseln traf sie kurz darauf auf viel Schiffsverkehr: "Das AIS warf mich ständig aus der Koje — 20 Schiffe in einer Nacht." Trotz der Probleme mit dem Autopiloten entschied sich Sunderland gegen einen weiteren, "technischen" Stopp auf der Inselgruppe und nimmt Kurs auf Südafrika.

Der Italiener Alessandro di Benedetto ist indes fernab allen Medienrummels und trotz seines Mastbruchs am vergangenen Dienstag weiter auf Kurs und prügelt seinen umgebauten und voll eingedeckten, 6,5 Meter langen Mini in Richtung Kap Hoorn.

Direkt nach dem Bruch des Mastes hatte er zunächst überlegt, Chile anzulaufen. Dann ist es ihm jedoch gelungen, ein Notrigg zu bauen und das Großsegel zu kürzen. "Ich habe in meinem Osterei einen neuen Mast gefunden", meldete er seinem Landteam. Nun will er zunächst nach weiteren 1.150 Seemeilen Kap Hoorn passieren und dann möglicherweise zurück nach Les Sables-d’Olonne segeln — nach dem Kap wäre das noch einmal die doppelte Distanz eines Mini-Transats.

Nach seiner Ankunft auf den Kanaren am 23. März bereitet sich auch der durch den Betrug bei seiner Weltumsegelung in die Schlagzeilen geratene Bernt Lüchtenborg auf die zweite Runde vor, die er — nach eigenen Angaben — diesmal tatsächlich allein und nonstop hinter sich bringen möchte. Seiner letzten Meldung zufolge soll heute Abfahrtstag sein.

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