100 Jahre YACHT
Serie: 100 Jahre YACHT
Vor 100 Jahren erschien die erste YACHT. Aus dem Blatt für wenige Herrensegler wurde das größte Segelmagazin Europas – eine sensationelle Karriere. Sie ist geprägt von dramatischen Wandlungen und unverbrüchlichen Werten. Die fünfteilige Serie gibt einen Einblick in die wandelvolle Geschichte der YACHT.
"Es steht in der YACHT." Diese Sentenz ist so alt wie das Heft, nunmehr also 100 Jahre. Vertrauen liegt seit je in dem geflügelten Wort, jene Gewissheit, die den Machern dieses Blatts immer auch Auftrag und Anspruch war — was Chefredakteur H. Méville im Geleitwort der ersten Ausgabe unter der Überschrift "Was wir wollen" so postulierte: "Eine vornehm ausgestattete, illustrierte Revue, die dem deutschen Wassersportfreunde in Bild und Wort ein neues und verläßliches Bild von dem jeweiligen Stande der Dinge auf diesem Gebiete giebt, ihm in allen technischen und sportlichen Fragen bereitwillig zur Seite steht und seine Interessen allüberall vertritt und verficht!"
Das ist fraglos gelungen, ansonsten existierte die YACHT, wie unzählige andere journalistische Neugründungen, längst nicht mehr. Unter Mévilles Maxime, deren Aussage nach wie vor gilt, ist die YACHT stattdessen zu einem der ältesten Magazine der Welt geworden — und dabei seit ihrer Erstausgabe vom 15. Juli 1904 ein getreuer und seriöser, vierzehntäglich erscheinender Spiegel ihrer Zeit geblieben.
Gleichwohl: Es gab und es gibt Kritik. Die YACHT wird gelobt und geschmäht. Sie hat, einerseits, als Fachzeitschrift journalistische Maßstäbe gesetzt und stieg somit auf zu Europas größtem Segelmagazin. Sie zeigte in guten Tagen Augenmaß und Weitblick. An schlechteren wiederum irrte sie oder beugte sich dem Druck politischer Zwänge. Doch ihren sportlichen Charakter verlor sie nie. So ist die YACHT seit 100 Jahren das einzige anerkannte populäre Forum des Wassersports im deutschen Sprachraum geblieben. Ihre Themenvielfalt und das Fachwissen ihrer Redakteure, die oft selbst erfolgreiche Skipper waren, halten die deutsche Seglerwelt zusammen wie ein unsichtbares Band.
Die Interessen waren beim "allerhöchsten Schirmherr des edelsten Sports", nämlich Kaiser Wilhelm II., zunächst gut vertreten. Seine Marine ist die Mutter des deutschen Segelsports — und der stand 1904 in höchster Blüte. Als die YACHT erstmals erschien, zunächst im Berliner Verlag Dr. Wedekind mit der schönen Adresse Kommandantenstraße 14, da kreuzten Sonderklassen und Ausgleicher auf vielen deutschen Binnenrevieren, bis hinunter ins Bayern des Prinzregenten Luitpold. Segeln war aber längst nicht mehr nur kaiser- und königlich, es war eine elitär-großbürgerliche Sportart geworden — die Zielgruppe des neuen Hefts umfasste dennoch nur einige hundert Köpfe.
Von deutschen Konstrukteuren wie dem genialen Dr. Max Oertz entwickelte, auf deutschen Werften gebaute und von Eckernförder Yachtmatrosen bemannte Schoner gingen damals vor Cowes und Kiel an den Start. Es gab eine international besuchte Kieler Woche, und selbst zu den Unterelbe-Regatten zog die Anwesenheit des Kaisers Gäste aus Übersee an. Zum Beispiel Charlie Barr. Der dreimalige Americas-Cup-Sieger skipperte die "Atlantic" im großen Ozeanrennen von 1905 und stellte einen fantastischen Transatlantik-Rekord auf, der 75 Jahre hielt. Elbabwärts und vor Kiel bot er dem Kaiser am Ruder des Herreshoff-Schoners "Ingomar" Paroli. Dieser bemerkenswerte Mann war der YACHT 1905 das erste, gleich mehrseitige Seglerporträt wert.
Und die Diskussion darüber, wie viel Zeit die große, aber schwer und üppig eingerichtete "Meteor" dem leichten US-Rennschoner "Ingomar" zu vergüten hätte, bot jede Menge aktuellen Zündstoff im Blatt. Auf den hinteren Seiten gaben Inserate für eine "Tonnola Zehrkur gegen Korpulenz und Fettleibigkeit" schon zarte Hinweise auf die künftige "Fit for fun"-Bewegung. Kleinanzeigen für Segelboote übrigens waren damals noch gratis.
Es kommt nicht von ungefähr, dass der segelverliebte Kaiser Wilhelm II. von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajevo, vom Auslöser des Ersten Weltkriegs, erfuhr, als er mit seiner "Meteor" im Rennen auf dem Stollergrund lag. Eben hatte der britische Flottenverband die Kieler Woche 1914 mit dem Flaggengruß "Freunde heute, Freunde für immer" verlassen, da sprachen schon die Geschütze — und die YACHT rief ihre Leser auf, Kriegsanleihen zu zeichnen: "Wir stehen allein gegen eine Welt in Waffen!" Berichtet wurde nun auch vom "U-Bootswesen unserer Feinde". Svante Domitzlaff
Der Segelsport 1904 bis 1918
- Am 15. Juli 1904 erscheint die erste YACHT.
- Die erste große Transatlantik-Regatta um den Pokal des Kaisers wird 1905 zum Weltereignis. Erstmals startet mit der "Hamburg" eine deutsche Yacht.
- Blütezeit der Kieler Woche. Kaiser Wilhelm II. tritt zum ersten Mal mit einem deutschen Schiff an: "Meteor IV", gezeichnet von Max Oertz und 1909 auf der Germania-Werft in Kiel gebaut.
- Graf Luckner führt mit der Bark "Seeadler" Kaperkrieg gegen die Alliierten. Er vollbringt dabei seglerische Großtaten.
- Mit Abdanken des Kaisers endet die Epoche der großen Schoner. Wilhelm II. hat mit Einführung der Sonderklasse für Amateure eine Entwicklung begründet: Der Segelsport öffnet sich langsam einem breiterem Publikum, er verliert nach und nach das Elitäre.










