Sicherheit

Rettungskreuzer Berlin mit Zweitjob

25.05.2012 Olaf Schmidt, Fotos: H. Schmidt - Die DGzRS muss in Kiel einspringen, weil das Land sich kein eigenes Feuerlöschschiff mehr leisten will. Vorrang hat weiterhin die Rettung

Rettungskreuzer Berlin
Fotograf: © H. Schmidt

Rettungskreuzer "Berlin" beim Absetzen des Tochterbootes vor Kiel. Zwischen den Einsätzen dient das Schiff künftig auch der Feuerwehr

Eigentlich ist es eine Farce: in Kiel liegt ein Schiff, das ursprünglich extra zur Brandbekämpfung gebaut wurde, das Feuerlöschschiff mit dem Namen "Kiel". Weil dem Land aber der Unterhalt einer ständigen nautischen Besatzung zu teuer war, liegt das Spezialschiff nun verlassen am Kai. Zwar stellt die Kieler Berufsfeuerwehr weiterhin die Brandbekämpfer, welche im Bedarfsfall in wenigen Minuten an Bord wären – fahren können die Feuerwehrleute mit dem roten Dampfer aber nicht. Dazu müssen nun eigens Seeleute aus Hamburg anrücken. Von der Alarmierung bis zum Ablegen vergehen so locker zwei Stunden. Vorausgesetzt, auf der A7 herrscht nicht gerade Stau.

Durch diese organisatorische Meisterleistung sollen rund 100 000 Euro jährlich eingespart werden. Und wahrscheinlich wird die Einsparung noch um ein paar Euro größer, denn wenn die Feuerwehr künftig schon zwei Stunden nach dem Alarm zum Auslaufen bereit ist, wird sie außer dem Begutachten der Brandreste nicht mehr allzu viel zu tun haben. 

Aber unsere Politiker sind ja nicht dumm: Aufgrund der langen Vorlaufzeit wurde das Feuerwehr-Spezialschiff "Kiel" nun als "für die Brandbekämpfung untauglich" eingestuft. Es soll nur noch zur Schadstoffabwehr dienen. Nun, Öl breitet sich auf Wasser zwar schnell aus, aber immerhin wird es noch da sein, wenn die "Kiel" nach ein paar Stunden eintrifft.

Die anspruchsvolle Aufgabe, für die das Spezialschiff einst gebaut wurde, sollen jetzt der DGzRS-Kreuzer "Berlin" und die Freiwillige Feuerwehr Laboe übernehmen. Da die "Berlin" und die Laboer Feuerwehr schon seit über zehn Jahren zusammenarbeiten, steht sofort ein eingespieltes Team zur Verfügung. Für die neuen Aufgaben bekommen die Freiwilligen eine gründliche Zusatzausbildung und einiges an zusätzlichem Material für die Brandbekämpfung auf Schiffen, unter anderem seetauglichen Atemschutz und Rettungswesten. Die "Berlin", von Haus aus mit einer leistungsfähigen Löschanlage und Eigenschutz ausgestattet, wurde ebenfalls aufgerüstet. Beispielsweise mit Halterungen für die Gitterboxen, mit denen für große Einsätze die Zusatzausrüstung der Feuerwehr an Bord kommt. Bei kleineren Bränden genügt die Standardausstattung des Rettungskreuzers, die "Berlin" kann dann sofort auslaufen. 

Nun könnte man meinen, unsere Landesfürsten hätten den "Kiel"-Schildbürgerstreich so gerade noch einmal abgewendet. Doch dem ist nicht so. Initiative und Durchführung der Ersatzmaßnahmen gehen allein von Feuerwehren und DGzRS aus. 

Immerhin: Die "Berlin" wird mit der kompletten Zusatzausrüstung von Laboe aus innerhalb von 60 Minuten an allen Brandorten innerhalb der Kieler Förde sein. Kommt sie ohne Zusatzmaterial aus, reduziert sich diese Zeit auf 45 Minuten. Wenn sie nicht gerade zu einem Seenotfall unterwegs ist. Denn die Rettung Schiffbrüchiger bleibt unangefochten Hauptaufgabe von Schiff und Stammbesatzung.

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