Abenteuer
Reparaturstopp in den Roaring Forties
Es war vor zwei Tagen, als der Logbuchbericht Lüchtenborgs all jene aufschreckte, die seine Reise um die Welt via Internet verfolgen. "Horror!", schieb er. Nachdem er tagsüber den ersten Eisberg gesichtet hatte, habe es nach Mitternacht einen unglaublichen Knall und eine Erschütterung gegeben.
Weiter schrieb er: "Kollision! Vermutlich ein Growler oder Treibgut. Der Mast steht, das Rigg scheint unbeschädigt. Das Ruder scheint was abbekommen zu haben, bewegt sich schwerer. Wenig später Bilgenalarm. Wassereintritt. Batterien unter Wasser. Alle Bodenbretter aufgenommen, Wasser gelenzt, hoffe auf keine Leckage."
Eigentlich hatte er vor, die Kerguelen anzulaufen, falls er den Schaden nicht in den Griff bekommen sollte. Dann aber hat er sich nach jüngsten Informationen seiner Ehefrau entschlossen, bereits auf den Crozet-Inseln (siehe Karte) einen Ankerstopp in einer Bucht der Ile Possession einzulegen. Gegen abend will er die Reparaturen beendet haben und dann weitersegeln.
Lüchtenborg, der am vergangenen Samstag seinen 56. Geburtstag gefeiert hat, ist heute genau 100 Tage seit seinem Aufbruch in Cuxhaven unterwegs. Nachdem er vor einigen Tagen Kapstadt passierte, befindet er sich nun auf dem Weg nach Kap Hoorn.
In der Zeitschrift "mare" aus dem September 2006 war ein Artikel über das Crozet-Archipel übrigens mit "Die Inseln der Schiffbrüchigen" überschrieben. Auf den kargen Felsen inmitten der Roaring Forties seien seit jeher immer wieder Seefahrer gestrandet. Insofern setzt Lüchtenborg eine alte Tradition fort.
Am Ende des Artikel heißt es gar: "Der englische Abenteurer Bill Tilman, der 1960 mit seinem 14 Meter langen Lotsenkutter "Mischief" zu dem stürmischen Archipel segeln will, schreibt nach dem Studium historischer Expeditionsberichte: "Man möchte fast glauben, dass Schiffbruch der einzige Weg ist, nach Crozet zu gelangen. ""










