Kriminalität

Piraten-Prozess beginnt in Paris

24.05.2012 Sascha Burkhardt, Fotos: Französisches Verteidigungsministerium - Ein Schwurgericht der französischen Hauptstadt verhandelt gegen sechs mutmaßliche Piraten – die Entführer der Luxusyacht "Le Ponant"

Le Ponant
Fotograf: © Französisches Verteidigungsministerium

Militär eskortiert die befreite Yacht nach Dschibuti

Den Männern wird vorgeworfen, vor vier Jahren die „Le Ponant“ vor dem Horn Afrikas in ihre Gewalt gebracht und ein Lösegeld von 2,15 Millionen Dollar erpresst zu haben – oder sich daran beteiligt zu haben. Der 88 Meter lange Dreimaster mit 32 Besatzungsmitgliedern war am 4. April 2008 bei einer Überführung durch den Golf von Aden von einem Dutzend Piraten überfallen und zum Ansteuern der Küste Puntlands gezwungen worden. Dort kam das Schiff zwei Tage später an.

Der Reeder übergab nach mehrtägigen Verhandlungen das Lösegeld, das Schiff war frei, die Besatzungsmitglieder reisten unverletzt ab. Für besonderes Aufsehen sorgte der Fall seinerzeit, weil an Bord erstmals so etwas wie eine Piraten-Fibel gefunden wurde, eine Anleitung zu den Vorgehensweisen bei derartigen Überfällen.

Der Lösegeldkoffer war mit einem Tracker versehen und wurde von einem französischen Militärflugzeug heimlich verfolgt, sechs Kampfhubschrauber hielten sich mit Erlaubnis des somalischen Präsidenten bereit. Der Tracker fiel aufgrund einer technische Panne aus, ein aus dem Piratennest in die Wüste rasender Allradwagen war den Militärs aber verdächtig genug, um ihn mit einem gezielten Schuss in den Motor von einem Hubschrauber aus zu stoppen.

Le Ponant
Fotograf: © Französisches Verteidigungsministerium

Die Marine hat das Schiff längsseits genommen, ein Soldat beobachtet die Szenerie

An Bord waren neben 181 000 Dollar die sechs mutmaßlichen Banditen im Alter von 30 bis 50 Jahren, sie wurden nach Frankreich gebracht und zum Teil von den Besatzungsmitgliedern wiedererkannt. Nach vier Jahren Haft stehen sie endlich vor Gericht. Keiner spricht Französisch, einer der Analphabeten hat durch die sprachbedingte Isolierung eine Haftpsychose entwickelt. Nur einer der Beschuldigten gibt seine Teilnahme zu und hat sich bei den Opfern entschuldigt – die anderen fünf wollen nur durch Zufall in diesen Wagen gekommen sein.

Der Prozess wird bis Mitte Juni dauern, die Beweisführung einer direkten Tatbeteiligung ist aber schwierig. Im Falle eines Freispruchs müssten die vermeintlichen Seeräuber in Frankreich Asyl beantragen – in ihrer Heimat sind sie Todesdrohungen ausgesetzt. Frankreich müsste sie dann aufnehmen und zusätzlich Entschädigung bezahlen. An den ersten Tagen des Prozesses wurden vom Staatsanwalt schon die Kosten des Militäreinsatzes von 2008 erörtert: Allein sie  sollen 10,5 Millionen Euro betragen.

In französischen Gefängnissen warten noch andere Piraten auf ihren Prozess, unter anderem die Somalier, die an Bord der Yacht „Tanit“ aufgegriffen wurden. Die „Tanit“, ein Amateurbau aus Ferrozement von 1976 mit 14,5 Metern Länge, war fast genau ein Jahr nach der „Ponant“ vor Somalia entführt worden. An Bord befand sich das Eignerpaar, ihr dreijähriger Sohn und ein befreundetes Paar. Bei der Befreiung der Yacht auf See durch das französische Militär wurde der Eigner aus Versehen von den Militärs erschossen. Die Witwe kämpfte seither gegen die offiziellen Darstellungen – ihr Mann sei keineswegs bei einem Schusswechsel zwischen Piraten und Militärs ums Leben gekommen, sondern bei einem isolierten und ihres Erachtens unnötigen Schuss der französischen Soldaten.  

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