Trans-Ocean

Neue Wendungen im Fall Luetgebrune

30.01.2014 Johannes Erdmann, Fotos: H. G. Kiesel - Am sechsten Verhandlungstag gegen den ehemaligen Vorsitzenden ergaben sich neue Hinweise, woher das verschwundene Geld stammen könnte

Ein Stander des Trans-Ocean nach langer Reise
Fotograf: © H. G. Kiesel

Ein Stander des Trans-Ocean nach langer Reise

Mit den Worten "Da kommt ja noch ein bisschen was auf uns zu" hatte Richter Stefan Redlin vom Cuxhavener Amtsgerichts die letzte Verhandlung geschlossen. Und tatsächlich ergaben sich heute, am sechsten Verhandlungstag, gegen den ehemaligen ersten Vorsitzenden des Hochseeseglervereins Trans-Ocean Bernd Luetgebrune einige neue Entwicklungen.

Im vergangenen Sommer war der Cuxhavener Rechtsanwalt und Notar von einigen Vereinsmitglieder angezeigt worden, weil er im Jahr 2010 eine Summe von etwa 18.000 Euro von einem Konto des Trans-Ocean abgehoben und zu drei Teilen an die vermittelnden Agenturen ausgezahlt hatte. Die Beschuldigung: Verdacht der Untreue.

Das Konto war ursprünglich eingerichtet worden, um Vereinsmitgliedern aus dem Ausland, die sich über die TO-Krankenversicherung versichern lassen wollen, ein deutsches Konto zum Transfer des Geldes an die deutsche Versicherung zur Verfügung zu stellen. Nach Beendigung der Gruppenversicherung befanden sich aber immer noch etwa 18.000 Euro auf dem Konto. Laut Aussage des Angeklagten sollte es sich bei der Summe um Provisionszahlungen handeln, die der vermittelnden Agentur zustehen.

Zum sechsten Mal tagte das Gericht nun heute in Cuxhaven, um die Hintergründe zu beleuchten und die Frage zu beantworten, ob sich der ehemalige Vorsitzende bei der Auszahlung der verbleibenden Summe strafbar gemacht habe.

Nachdem bei früheren Sitzungen die beiden Vertreter der vermittelnden Agentur und die Buchhalterin des Hochseeseglervereins als Zeugen geladen waren, sorgte die Staatsanwältin am fünften Verhandlungstag für neuen Zündstoff. Sie legte Unterlagen vor, die belegen, dass der Mitarbeiter H. der vermittelnden Versicherungsagentur Cux-Enterprise bestrebt gewesen sei, die überschuldete Agentur von dem mittlerweile verstorbene Inhaber zu kaufen. Dabei war H. jedoch selbst insolvent, hatte sogar Hartz IV beantragt und konnte die Forderungen von Gläubigern nicht mehr bedienen. Luetgebrune jedoch zahlte H. die auf dem Konto verbliebene Summe jedoch trotzdem aus – und zwar in bar. Offenbar, um dem sofortigen Einzug des Geldes durch Gläubiger aus dem Weg zu gehen, wie die Staatsanwältin vermutete.

Die Frage aber, wie die hohe Summe überhaupt auf das Konto gelangt ist, konnte auch am fünften Verhandlungstag nicht abschließend geklärt werden. Am heutigen sechsten Verhandlungstag sollte nun jedoch die Aussage eines Mitarbeiters der Württembergischen Versicherung neues Licht ins Dunkel bringen.

Nach dessen Aussage verlief die Vermittlung wie folgt: Die Versicherungsagentur aus Cuxhaven hat jeweils die Daten der neu zu versichernden Segler aufgenommen und an die Württembergische weitergeleitet. Die Beitragszahlungen der Segler mit Wohnsitz in Deutschland wurden dann direkt an die Versicherung gezahlt, während ausländische Mitglieder das Geld zunächst auf das Transfer-Konto auf den Namen des Trans-Ocean überwiesen, von dem die Gelder dann per Lastschrift von der Württembergischen eingezogen worden sind. Der ehemalige erste Vorsitzende des Trans-Ocean hat das Konto offenbar nicht überwacht, sondern lediglich die vermittelnde Agentur. Laut Aussage des Versicherungs-Mitarbeiters wurden Schadensregulierungen jedoch direkt auf das Konto der versicherten Mitglieder überwiesen.

Die große Überraschung brachte jedoch die Staatsanwältin, die eine Reihe von Kontobewegungen vorlegte und beweisen konnte, dass die Versicherung Gelder für Zahnarzt- und Krankenhauskosten der Segler mit Wohnsitz im Ausland nicht immer direkt auf deren Konto, sondern zum Teil auch auf das TO-Transferkonto erstattet hatte. "Das sind keine Einzelfälle", sagte die Staatsanwältin, "wir haben ganze Ordner voll von solchen Zahlungen." Eine Aussage, auf die dem Versicherungsmitarbeiter die Worte fehlten.

Auch liegen der Staatsanwältin Briefe von Mitgliedern vor, die bei der Versicherung nachgefragt haben, warum denn das Geld, das ihnen zustünde, auf das Transfer-Konto überwiesen worden sei. Nach derzeitiger Kenntnis ist es möglich, dass sich die mehr als 18.000 Euro durch solche nicht weitergeleiteten Zahlungen angehäuft haben könnten.

Der siebte Verhandlungstermin ist für den 12. Februar angesetzt. Bis dahin sollen weitere Bankauskünfte eingeholt werden. Außerdem will die Staatsanwältin bis dahin ermitteln, ob es möglicherweise Segler gibt, die Geld auf das Transferkonto überwiesen haben, ohne Versicherungsschutz zu genießen.

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