Blauwasser

Lüchtenborg legt wieder ab

18.12.2009 Pascal Schürmann, Fotos: sail2horizons - Der Reparaturstopp sei beendet. Am Samstag will der gescheiterte Nonstop-Segler Kurs auf Kap Hoorn nehmen

Fotograf: © sail2horizons
Bernt Lüchtenborg

In seinem aktuellen Blog-Eintrag begründet er die Fortsetzung seines Projekts damit, dass "es zu einfach wäre aufzugeben, jetzt wo ich am Boden liege". Bereits gestern verfasste er zudem einen offenen Brief an die Einwohner von Wismar.

Darin schreibt er, dass er sich der Stadt besonders verpflichtet fühle, weil diese seine zweite Wahlheimat sei. Zudem befindet sich dort der Verein "Licht am Horizont", der sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt und für den sich Lüchtenborg engagiert.

Nachzulesen ist sein Brief im Internet in der gestrigen Online-Ausgabe der Ostsee-Zeitung.

Schon gegenüber der YACHT hatte Lüchtenborg vor Tagen sein gleich in zweifacher Hinsicht persönliches Versagen eingestanden und versucht, Erklärungen dafür zu finden. Das Exklusiv-Interview erscheint in der neuen Ausgabe der YACHT (Heft 1/2010), die ab morgen den Abonnenten zugestellt wird, und die ab kommenden Mittwoch an den Kiosken liegt.

Auch gegenüber seinen Sponsoren hatte sich Lüchtenborg in den vergangenen Tagen in persönlichen Schreiben erklärt. Diese, so schreibt er heute, seien weiter an seiner Seite.

Dies trifft nach bisherigem Kenntnisstand aber sicherlich längst nicht auf alle Geldgeber zu. Schon zu Wochenbeginn hatte einer der Hauptsponsoren, Mühle-Glashütte, öffentlich von dem Weltumsegler die Rückzahlung der geflossenen Gelder gefordert. Und die Firma SatPro war zu einer Fortsetzung ihres Engagements nur unter der Bedingung bereit, dass Lüchtenborg fortan keinen weiteren Täuschungsversuch mehr unternehme.

Auf den Brief von Mühle erwiederte Lüchtenborg heute, dass dieser zu Missverständnissen führe. "Ich möchte betonen, dass ich nie davon gesprochen habe, dass die Sponsorenpartner Druck auf mich ausgeübt oder eine Erwartungshaltung mir gegenüber ausgesprochen haben. Der Druck, meine Ziele erreichen zu wollen, ist ausschließlich aus mir selbst
entstanden", schreibt er.

Auch die Blauwassersegler-Vereinigung Trans-Ocean setzt sich inzwischen kritisch mit ihrem Mitglied Bernt Lüchtenborg auseinander. 2005 hatte er für seine damalige Weltumsegelung den TO-Preis für herausragende Leistungen im Hochseesegelsport erhalten. Sein gegenwärtiger Törn wird von TO finanziell unterstützt.

Gestern nun hat ihm der TO-Vorstand eine 14-tägige Frist gesetzt, auch gegenüber dem Verein sein Verhalten zu erklären. Bis dahin soller er nicht weiter mit dem TO-Stander auf seiner Homepage werben. Mit seinem Verhalten habe er dem "Ruf des Vereins und der Vereinsmitglieder des „Trans-Ocean“ Schaden zugefügt", heißt es.

Lüchtenborg hatte seinerzeit gegenüber der TO-Jury und auch gegenüber der breiten Öffentlichkeit stets den Eindruck erweckt, seinen damaligen fast fünfjährigen Törn mit der Segelyacht "Auryn" überwiegend einhand gesegelt zu sein. Dieser Eindruck ergibt sich auch bei der Lektüre seines Buchs, das er über den Törn verfasst hat. Inzwischen ist allerdings klar, dass ihn schon auf seiner damaligen Reise die meiste Zeit über eine Freundin begleitet hatte.

Schlimmer noch, kursieren gegenwärtig sogar Gerüchte, wonach die in seinem Buch und auf vielen Vorträgen von Lüchtenborg beschriebene Passage in die Antarktis niemals stattgefunden habe. Die Billder, auf denen "Auryn" im Eis zu sehen ist, stammten angeblich allesamt aus der Region um Feuerland.

Und eine weiteres dunkles Kapitel aus seiner Vergangenheit wird gegenwärtig ans Licht gezerrt: Ende der 90er Jahre hat Lüchtenborg eine Yacht unter angeblich dubiosen Umständen in der Karibik verloren. Im Rahmen seiner Reise mit der "Auryn" machte er jedoch immer wieder Glauben, dies sei sein wirklich erster größerer Törn.

Damit nicht genug, geben auch die angeblichen Schäden am Schiff der "Horizons" weiter Anlass zu Spekulationen darüber, ob die Yacht tatsächlich hätte aufgegeben werden müssen. Gegen wirklich schwerwiegende Beschädigungen spricht schon allein die Tatsache, dass die Reparaturen binnen allerkürzester Zeit ausgeführt waren. Wenige Stunden im Kran sollen genügt haben, die angeblich schweren Defekte an der Ruderanlage infolge der von Lüchtenborg behaupteten Kollisionen (erst mit einem Growler, später mit einem Wal) zu beheben.

Der YACHT gegenüber haben mehrerer unabhängige Quellen vor Ort, die nicht genannt werden wollen, geäußert, dass keinerlei schwerwiegenden Schäden an der "Horizons" erkennbar gewesen seien. Das Schiff sei sogar, als es in den Hafen von Bluff geschleppt worden ist, dort mit aufgesteckter Notpinne und voll beweglichem Ruder eingetroffen. Die Steuerseile der Radsteuerung seien zudem keineswegs gerissen gewesen, sondern lediglich von den Führungsrollen gesprungen.

Lüchtenborg selbst hat trotz Nachfrage bis heute nicht eindeutig gesagt, was genau an Bord kaputt gewesen sein soll. Den tagelang während seines Törns in seinen Blogs beschriebenen Wassereinburch im Schiff erklärte er schon wenige Tage nach Ankunft in Neuseeland lapidar als behoben. Kein Wort darüber, worin das angebliche Leck bestanden hat. Ähnlich verhält er sich bei der Darstellung des Ruderschadens, den er als Hauptgrund für seine Abbergung vom Schiff angegeben hat.

Nach einer Probefahrt will Lüchtenborg nun am morgigen Samstag Neuseeland verlassen und sein Projekt "Sail2Horizons" fortsetzen. In seiner für ihn typischen Art beendete er seinen heutigen Blogeintrag mit den Worten: "Ich roch die See, lauschte einem fernen Rauschen das wie eine leise Stimme klang und hörte ihr gerne zu, weil sie mich wieder hinaus rief, aufs Meer."

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