Blauwasser

Lüchtenborg abgeborgen

24.11.2009 Johannes Erdmann, Fotos: www.sail2horizons.de, www.alessandrodibenedetto.net - Nach der Aufgabe wegen Ruderschadens wurde der Einhandsegler nun an Bord eines Kreuzfahrtschiffes genommen

Fotograf: © www.sail2horizons.de
Ein Schlauchboot des Kreuzfahrers birgt Lüchtenborg von der "Horizons" ab

Bereits am 4. Oktober war die "Horizons" mit einem Unterwasser-Gegenstand kollidiert und hatte infolgedessen am Sonntag ihre Manövrierfähigkeit verloren. Nun ließ der Skipper sein Schiff im Südpolarmeer zurück.

Als der Notruf bei der Rettungsleitstelle auf Neuseeland eintraf, befand sich die 16 Meter lange Aluminium Yacht etwa 800 Seemeilen westlich von Stewart Island, der südlichsten Insel Neuseelands. Das Kreuzfahrtschiff "Seven Seas Mariner" war zum Zeitpunkt mit Kurs auf den Milford Sound nicht weit entfernt der "Horizons" und wurde abbeordert, der Segelyacht zur Hilfe zu eilen.

Gegen acht Uhr vormittags (Ortszeit) traf der Kreuzfahrer an der gemeldeten Position ein und konnte Bernt Lüchtenborg erfolgreich an Bord nehmen. Der Leiter der Seenotleitstelle, Dave Wilson, berichtete, dass es dem Skipper allen Anschein nach gut geht und er sich körperlich und geistig in einer gesunden Verfassung befindet. Morgen Vormittag soll das Kreuzfahrtschiff bereits in Neuseeland anlegen.

Fotograf: © www.sail2horizons.de
Die letzte gemeldete Position der "Horizons" (vorletzte Nadel) und Position Lüchtenborgs auf dem Kreuzfahrtschiff

Während die "Seven Seas Mariner" ihren Kurs fortsetzte, treibt die "Horizons" etwa 650 Meilen westlich von Steward Island. Weil die Yacht eine potentielle Gefahr für die Schifffahrt darstellt, wurde eine Warnmeldung herausgegeben.

Lüchtenborg selbst sandte heute Vormittag von Bord des Kreuzfahrtschiffes eine Email an seinen Webmaster: "Bin heut morgen bei 35kn Wind und 7m hohen Wellen vom Rettungsboot des Crusing Ship Seven Seas Mariner von Horizons abgeborgen worden. Die Aktion die ausschliesslich meiner Sicherheit diente, geschah in Absprache mit meiner Versicherung(Panteanius) und New Zealand Rescue, die leider auf Grund der Entfernung und des schlechten Wetters nicht in der Lage war, ein Schiff zu schicken, um die manoevrierunfaehige Horizons in Schlepp zu nehmen."

Zudem zeigte er sich sehr zuversichtlich, was die Fortführung der Reise anbelangt: "Ich werde in 2 Tagen Neuseeland erreichen und hoffe dass meine Versicherung dann ein Abschleppboot gefunden hat, mit dem ich gleich auslaufen moechte um Horizons deren Position ich kenne zu finden und zur Werft nach Neuseeland zu schleppen. Dort sollen die Schaeden repariert werden und anschliessend gehe ich wieder auf See und setze die Reise fort. Das Projekt sail2horizons ist trotz des technischen Stopps nicht beendet, sondern geht wenn auch in anderer Form weiter. Ich halte Euch auf dem Laufenden und berichte vom Stand der Dinge auch weiterhin."

Man darf gespannt sein, wie die Rettung der Yacht vonstatten geht. Währenddessen befinden sich die jüngste und die älteste Anwärterin auf eine Nonstop-Weltumsegelung noch gut auf Kurs: Jeanne Socrates (Porträt in der aktuellen YACHT) kämpfte in der letzten Woche mit einigen Stürmen und den ersten, kleineren Problemen an Bord. Dennoch ist sie guter Dinge und befindet sich derzeit rund 1.200 Seemeilen westlich von Kapstadt.

Fotograf: © www.alessandrodibenedetto.net
Alessandro di Benedetto beim Start in Les Sables d'Olonne

Jessica Watson, die mit 16 Jahren als jüngste in die Riege der Nonstop-Weltumseglerinnen eingehen möchte, hat nach ihrem Start in Sydney am 18. Oktober ihren nördlichsten Wendepunkt bei den Kiribati-Inseln südlich von Hawaii erreicht und geht nun auf Kurs Kap Horn. Ein direkter Weg von Sydney aus wäre zwar sehr viel kürzer gewesen, aber die Regelungen der ISAF für Nonstop-Weltumsegelungen sehen es vor, dass ihre Reise mindestens 26.000 Seemeilen umfassen und durch zwei auf der Weltkugel gegenläufige Punkte verlaufen muss. Ihr Landsmann Jesse Martin, der bereits 1999 mit 17 Jahren einhand und nonstop auf einem baugleichen Schiff um die Welt segelte, rundete aus diesem Grund seinerzeit die Azoren im atlantischen Ozean.

Parallel zu den beiden Damen ist seit dem 26. Oktober auch ein Italiener auf dem Weg nonstop um die Welt, der ein dafür ein sehr ungewöhnliches Boot besitzt: Einen 6,50 m langen Mini-Transat-Racer. Alessandro di Benedetto startete von Les Sables d'Olonne aus und befindet sich nun 730 Seemeilen südlich der Kapverden. Sein völlig umgebauter und komplett eingedeckter Renner erinnert ein wenig an Blondie Haslers umgebautes Folkeboot "Jester", mit der zahlreiche Transatlantikrennen gesegelt wurden. Durch das Zusatzgewicht des Aufbaus und der nötigen Zuladung für die Weltumsegelung kommt Benedetto derzeit täglich nur etwa 130 Seemeilen voran.

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