Atlantiküberquerung

Im Kleinkreuzer über den Großen Teich

21.12.2012 Johannes Erdmann, Fotos: lebemeer.de - Die Schweriner André Kurreck und Tim Wolf sind unterwegs nach Barbados. Vergangenen Sonntag starteten sie mit ihrer Shark 24 von Las Palmas

Hohe Dünung auf dem Atlantik
Fotograf: © lebemeer.de

Hohe Dünung auf dem Atlantik

Sie leben ihren Traum: mit der Shark 24 über den Ozean zu segeln. Nach ihrer windigen und schnellen Überführung des Bootes auf die Kanaren im vergangenen Juli sind die Schweriner André Kurreck und Tim Wolf (beide 37) vergangenen Sonntag in Richtung Karibik aufgebrochen. "Die Shark hat sich über die vier Monate, die sie in Graciosa auf uns gewartet hat, erstaunlich gut gehalten", erklärt André Kurreck im Blog www.lebemeer.de. "Außer am Unterschiff, dort haben sich einige Algen angesiedelt. Wir sind Ihnen schon mit einem Putzschwamm zu Leibe gerückt."

Nach sieben Tagen des Verproviantierens und Vorbereitens hat das Duo sein Schiff Mitte Dezember in den Starthafen Las Palmas auf Gran Canaria verholt. Kurz vor Weihnachten war es dann so weit: auf in die Karibik!

Kurreck (l.) und Wolf verproviantieren ihre Shark
Fotograf: © lebemeer.de

Kurreck (l.) und Wolf verproviantieren ihre Shark

Die ersten 200 Seemeilen auf der 2800 Seemeilen weiten Strecke nach Barbados waren zugleich ein windiger Einstand für die beiden Freunde, die die vergangenen Monate in der Heimat verbracht hatten, um zu arbeiten. Nun, mit Saisonbeginn der Atlantiküberquerer, setzen sie ihre vergangenen Sommer begonnene Reise fort. Nach dem langen Landaufenthalt ist es nicht verwunderlich, dass Kurreck und Wolf mit den bis zu 3,5 Meter hohen Wellen zu kämpfen haben. Doch die Seekrankheit wich bereits am nächsten Tag dem Reiz des Abenteuers, mit solch einem kleinen Schiff den Atlantik zu überqueren. Vor allem, als ein Unterwant bricht, aber mit Bordmitteln repariert werden kann.

Am zweiten Tag berichten die beiden über eine Begegnung mit einem Frachter: "Das angepeilte Schiff kommt von achtern auf uns zu, und Tim weckt mich", schreibt Kurreck im Blog. "Wir beobachten noch ein wenig die Situation, und dann wird uns unwohl, da das Schiff direkt auf uns zuhält. Ich schnappe mir das Funkgerät, gebe Position, Name, Kurs unseres Bootes durch und frage nach, ob wir gesehen werden. Wir erhalten prompt Antwort mit einer Gegenfrage, ob bei uns alles in Ordnung sei? Danach ändert das Schiff sichtlich seinen Kurs und überholt uns an der Backbordseite." Ein großes Erlebnis. "Ich kam mir vor wie ein kleiner Welpe, der von seiner Mama mit der Schnauze angestupst wird, um zu gucken, ob alles in Ordnung ist", schreibt Kurreck.

Vorrat für 25 Seetage
Fotograf: © lebemeer.de

Vorrat für 25 Seetage

Der dritte Tag macht es nötig, das schnelle Provisorium des reparierten Unterwants noch mal zu korrigieren. "Anstatt der Flickstelle haben wir nun ein Ersatzwant aus Dyneema", schreibt Kurreck. "Dafür musste Tim in den Mast, wobei ihm das Lachen in der Dünung schnell verging."

Überrascht sind beide von der rasanten Fahrt in der sehr heftig beladenen Shark. "In den ersten vier Tagen hatten wir bisher immer fünf oder sechs Knoten auf der Logge", erklärt Kurreck der YACHT in einer Mail – und verbessert sich sogleich: "Auf dem GPS, meine ich. Die Logge hatten wir bisher noch nicht an. Wir benutzen eigentlich nur das iPad zur Navigation." Wahre Segler des 21. Jahrhunderts – die allerdings aus einem Boot aus den siebziger Jahren unterwegs sind.

Letzte Arbeiten vor der Abreise
Fotograf: © lebemeer.de

Letzte Arbeiten vor der Abreise

"Unser Etmal lag damit sogar immer über 120 Seemeilen, am GPS gemessen, was ich bei unserer Zuladung überhaupt nicht verstehen kann", erklärt Kurreck den Reisefortschritt. "Die sonst so bissige Shark tut sich aber schwer, den Körper aus dem Wasser zu bekommen. Wenn sie mal ins Rutschen kommt, leider nur für einen kurzen Moment." Das immense Zusatzgewicht ist deutlich zu spüren, obwohl sich die Crew bereits beschränkt hat. An Bord sind neben Konserven, Nudeln, Obst und Gemüse nur etwa 200 Liter Flüssigkeit. "Bei wenig Wind hilft uns der Parasailor ganz gut in die Puschen", schreibt Kurreck. "Ansonsten würde es wohl doch manchmal sehr langweilig dahergehen." Deshalb freuen sich die beiden Sportler bereits jetzt auf den zweiten Teil der Atlantiküberquerung, die letzten tausend Meilen bis Barbados. "Dann haben wir weniger Ballast an Bord und kommen wieder häufiger ins Surfen!"

Die Reise kann im Blog auf www.lebemeer.de verfolgt werden – oder aber hier auf YACHT online.

 

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