Rekordfahrt

"Ich probier's noch einmal"

07.06.2012 Johannes Erdmann, Fotos: kapitancichocki.pl, www.mantra28.pl - Nach dem gescheiterten Versuch einer Nonstop-Weltumsegelung auf einer Delphia 40 will der Pole Tomasz Cichocki erneut aufbrechen

Der Pole Tomasz Cichocki am Rad seiner Delphia
Fotograf: © kapitancichocki.pl

Der Pole Tomasz Cichocki am Rad seiner Delphia

Die Idee war einfach: die "Magische Route" mit einem ganz normalen Serienschiff zu bezwingen. Einer Yacht, die zwar für den Charterbetrieb entwickelt worden war, aber auch auf dem Ozean ihre Stabilität unter Beweis stellen sollte. Acht Jahre hatte der heute 54-jährige Tomasz Cichocki auf das große Ziel der Nonstop-Fahrt hingearbeitet. Dann scheiterte die Reise auf seiner "Polska Miedz". Nun kündigte er an, dass er wieder los will.

Cichocki nach der Ankunft in Brest mit seiner Familie
Fotograf: © kapitancichocki.pl

Cichocki nach der Ankunft in Brest mit seiner Familie

Sicherlich wurde er bei seinen Reiseplänen motiviert durch die beeindruckenden Beispiele seiner Landsleute, wie der ersten Weltumseglerin Krystyna Chojnowska-Liskiewicz (1976), dem ersten polnischen Nonstop-Weltumsegler Henryk Jaskuła mit seiner "Dar Przemyśla" (1979/80) oder dem ersten polnischen Ost-West-Nonstop-Weltumsegler Tomasz Lewandowski auf "Luka" (2007).

Die Delphia 40.3 "Polska Miedz"
Fotograf: © kapitancichocki.pl

Die Delphia 40.3 "Polska Miedz"

Die Idee mit der Serienyacht ist dabei allerdings nicht ganz neu. Bereits im Jahr 2008 starteten zwei polnische Frauen auf Serienbooten des Typs Mantra 28 zu Einhand-Weltumsegelungen. Die damals 22-jährige Marta Szilajtis segelte mit ihrer "Mantra Ania" von Venezuela aus durch den Panama-Kanal und dann mit Zwischenstopps westwärts im Passat um die Welt. Sie benötigte für die Reise zurück nach Venezuela 358 Tage. Die zweite Seglerin, Joanna Pajkowska, startete mit ihrer "Mantra Asia" fast zeitgleich an der Pazifikküste von Panama und segelte in 198 Tagen mit dem Passat nördlich von Australien und südlich von Afrika hindurch nonstop zurück nach Panama. An der Atlantikseite des Kanals beendete sie ihre Reise. Natürlich wurde sie nicht offiziell vom World Sailing Speed Record Council gewertet, so wie Cichockis Reise gewertet worden wäre – denn sie erfüllte nicht die nötigen Kriterien.

Erfolgreiche Nonstop-Weltumseglerin: Joanna Pajkowska auf ihrer "Mantra Asia"
Fotograf: © www.mantra28.pl

Erfolgreiche Nonstop-Weltumseglerin: Joanna Pajkowska auf ihrer "Mantra Asia"

Auch ein Tscheche, Petr Ondracek, befand sich bis vor zwei Monaten noch auf der Nonstop-Reise um die Welt auf seinem nur 28 Fuß langen Eigenbau "Singa". Doch wegen technischer Probleme musste er nun Neuseeland anlaufen. Dennoch beachtlich, dass er es so weit geschafft hatte.

Das Schiff von Cichocki, eine Delphia 40,3, war wesentlich größer als die kleinen Mantras – doch er wählte auch die längere und schwierigere Route von Brest aus ostwärts durch den Southern Ocean. Tausend Meilen östlich von Südafrika lief Cichocki dann auf einen Gegenstand unter Wasser und beschädigte seine Steuerung. Er musste einen Stopp einlegen, was den Versuch einer Nonstop-Reise zunichte machte. Auf dem weiteren Weg nach Kap Hoorn und zurück nach Norden gab es viele Probleme. Auf der Strecke von Brasilien nach Brest funktionierte das Satellitentelefon nicht mehr, und niemand wusste, wo sich das Schiff befindet. Erst als ein Leser der Website das Schiff auf marinetraffic.com nahe der Azoren sichtete, konnte das Team beruhigt sein.

Nun liegt das Schiff in Brest, und Cichocki ist zurück in seiner Heimat Polen. Doch bereits kurz nach dem Festmachen sagte er einem französischen Journalisten, dass er einen neuen Start plant: "mit demselben Schiff, aber diesmal nonstop." Sicherlich wird er wie gehabt auf seiner Website darüber berichten.

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