Seenot

Floßfahrer aus dem Pazifik gerettet

21.03.2016 Pascal Schürmann, Fotos: Kon-Tiki 2 Expedition - "Kon-Tiki 2"-Expedition nach viereinhalb Monaten auf See beendet. Teilnehmer ließen sich knapp 1000 Seemeilen westlich von Chile abbergen

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Fotograf: © Kon-Tiki 2 Expedition

Eines der beiden "Kon-Tiki 2"-Flöße unter Segeln

Wie 1947 schon Thor Heyerdahl wollten sie beweisen, dass die Ureinwohner Südamerikas durchaus in der Lage gewesen sein könnten, die Inselwelt der Südsee einst mit einfachen, besegelten Flößen von Osten aus kommend zu erreichen. Das ist den 14 Teilnehmern der "Kon-Tiki 2"-Expedition nicht ganz gelungen. Auf dem Rückweg von den Osterinseln und nach insgesamt 115 Tagen auf See wurden sie Mitte vergangener Woche von einem Frachter abgeborgen.

Der Zustand der beiden Flöße, mit denen die Abenteurer unterwegs waren, hätte sich infolge des teils heftigen Seegangs, dem Boote und Crews während der Reise ausgesetzt gewesen seien, zuletzt derart verschlechtert, dass man sich entschlossen habe, um Hilfe zu rufen. Das geht aus einem Bericht der Expeditionsteilnehmer hervor.

Insbesondere die Knoten in den aus Pflanzenfasern geschlagenen Seilen, mit denen die Stämme der Flöße zusammengehalten waren, lösten sich im Seewasser zusehends auf. Zwar habe man nach Kräften die schadhaften Stellen repariert, doch am Ende musste man aufgeben.

Knotiki2 Abbergung
Fotograf: © Kon-Tiki 2 Expedition

Eines der beiden "Kon-Tiki 2"-Flöße während der Abbergung durch einen Frachter

Von einem Misserfolg ihrer Reise wollen die Abenteurer indes nicht sprechen. Ziel sei es gewesen, von der südamerikanischen Westküste zu den Osterinseln und zurück zu segeln. Die Osterinseln habe man erfolgreich 46 Tage nach dem Start in Lima/Peru erreicht. Dass man auf dem Rückweg gescheitert ist, sei vor allem dem in diesem Jahr ungewöhnlich heftigen El-Niño-Effekt geschuldet. Der verursache nicht nur eine Umkehr der herkömmlichen Wind- und Strömungsrichtungen. Die Flöße hätten auch mit viel Starkwind und Wellen von bis zu sechs Meter Höhe zu kämpfen gehabt. Insgesamt hätten die Boote rund 4500 Seemeilen auf dem Pazifik zurückgelegt.

Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich über das Ansinnen der "Kon-Tiki 2"-Initiatoren streiten. Forscher gehen längst davon aus, dass die Besiedlung insbesondere Polynesiens nicht von Südamerika aus, wie es Heyerdahl seinerzeit annahm, sondern von Asien aus erfolgt ist. Einen praktischen Beweis dieser These hatte zuletzt 2008 der erst kürzlich verstorbene Klaus Hympendahl mit seiner "Lapita-Voyage" erbracht. Gemeinsam mit James Wharram war er auf den frühen Booten der Südsee-Insulaner nachempfundenen Zweirumpfern über 4000 Seemeilen gegen die vorherrschende Windrichtung durch Polynesien gesegelt.

Auf einer ähnlichen Expedition ist derzeit der deutsche Segelabenteurer Burghard Pieske unterwegs. Er will mit seiner Proa "Ana-Varu" viele Tausend Seemeilen durch die Südsee segeln, von Taiwan über Guam bis Rapanui, zum Teil ohne herkömmliche Navigationsmittel.  
 

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