Tourismusförderung
Einheitliche Gütesiegel für Yachthäfen
Mit seinen Steuerrad-Symbolen als maritimes Gütesiegel ist der Automobilclub bereits europaweit Vorreiter. Wassersportler sollen sich mit deren Hilfe künftig ein noch besseres Bild von der Beschaffenheit der Anlagen hierzulande machen können. Das ist auf der boot in Düsseldorf bekanntgegeben worden. Die Angleichung der Qualitätssiegel ist ein Projekt im Rahmen des Programms "Marketinginitiative Wassertourismus“, das mehr Touristen für den Wassersport in Deutschland begeistern soll.
Insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern existiert bislang eine Kennzeichnung zertifizierter Häfen mit blauen Flaggen. Diese sollen nun in die Steuerräder des Automobilclubs übergehen. Ziel ist, im Bereich der Qualitätssicherung vergleichbare Verhältnisse zu schaffen, die von in- und ausländischen Touristen gleichermaßen gut verstanden werden. Tobias Woitendorf vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern betont, dass es wichtig sei, auf eine zumindest bundesweit möglichst gleichartige Bewertungsebene zu kommen.
Jede Marina kann sich um eine Zertifizierung bewerben. Eine Kommission aus zehn Inspektoren des ADAC besucht dann die Häfen unangemeldet und testet auf verschiedene Kriterien. Diese unterteilen sich in die Bereiche Technik und Service sowie Verpflegung und Freizeit. Bestnote in jedem Bereich sind fünf Steuerräder. Anders als bei den ehemals verwendeten „Sternen“, bei denen eine Bewertung die Marina noch einen vierstelligen Geldbetrag kostete, ist die Einstufung durch den ADAC kostenlos.
Doch ab wann ist eine Marina gut oder schlecht? Zehn „Räder“ gibt es nur, wenn alles stimmt. Am meisten Wert legen die Tester dabei auf die Grundversorgung mit Strom und Frischwasser sowie ein ausreichendes Verpflegungsangebot.
Ist die nächste Steckdose zu weit vom Boot entfernt oder gibt es am gesamten Steg nur einen Wasseranschluss, der ständig belegt ist? Wie weit muss man zum nächsten Restaurant oder Versorgungsladen gehen? Ist dieser Laden klein, oder hat er ein breitgefächertes Sortiment? Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis spielt eine wichtige Rolle.
Damit man als Segler auf einen Blick erkennt, was genau an der jeweiligen Marina gut oder schlecht ist, gibt es Piktogramme, welche die Hafenanlage zumindest annähernd beschreiben.
Über kurz oder lang sollen die Häfen dank der Zertifizierungen sauberer werden und ein besseres Angebot an Versorgungsmöglichkeiten bieten. Die Kontrollen werden zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt, der Hafenmeister kann die Anlage somit nicht nur für einen Tag „hübsch“ machen, sondern muss sie dauerhaft in einem guten Zustand halten.
Bis dato sind die Steuerräder europaweit in mehr als 20 Ländern vergeben, in Deutschland wurden zirka 400 Hafenanlagen bewertet. Eine interaktive Karte liefert alle gewünschten Informationen.
Stellt sich noch die Frage, welchen Vorteil die Betreiber der Marinaanlagen von den Gütesiegel haben. Tobias Woitendorf: „In erster Linie wird somit die Qualität der Hafenanlage durch eine unabhängige Stelle widergespiegelt.“
Eine Mindestanzahl an Liegeplätzen ist für eine Zertifizierung nicht erforderlich. Und um mit vollen zehn Steuerrädern belohnt zu werden, sind entgegen anderslautenden Gerüchten auch weder Fünf-Sterne-Beachresort samt Wellness-Landschaft noch Helikopterlandeplatz erforderlich. „Ausgezeichnete Versorgungsmöglichkeiten und eine gepflegte Anlage reichen vollkommen aus“, so Woitendorf.










