Bootsbranche

Deutscher Wassersportmarkt stabil

12.11.2012 Pascal Schürmann, Fotos: boot Düsseldorf - Laut BVWW-Umfrage ist die Inlandsnachfrage trotz Wirtschaftskrise gleichbleibend gut. Aber: Die Werften leiden stark unter Exportrückgängen

Boot 2012
Fotograf: © boot Düsseldorf

Neue Yachten. Käufer finden sich momentan fast nur in Deutschland

Nach der Erholung des Bootsmarktes in den Jahren 2010/2011 hat sich die konjunkturelle Lage in den ersten drei Quartalen 2012 wieder deutlich eingetrübt. Die Produktion von Booten und Yachten ist um rund 23 Prozent rückläufig. Wertmäßig dürfte der Rückgang geringer ausfallen, da vermehrt größere Yachten produziert wurden.

Der Rückgang der Bootsproduktion ist dabei nicht so sehr das Resultat eines schwächer werdenden deutschen Marktes, sondern er ist vielmehr der konjunkturell angespannten Situation auf den wichtigsten europäischen Absatzmärkten geschuldet. Insbesondere die Mittelmeerländer hat die Euro-Schuldenkrise fest im Griff. In Italien beispielsweise sind nach Einführung einer Luxussteuer auf Boote und Yachten die Umsätze um rund 70 Prozent  eingebrochen. Exporte in neue Märkte, wie Brasilien oder China, können die Verluste in Europa sowie auf dem US-amerikanischen Markt – noch – nicht kompensieren.

Diese Zahlen hat am Freitag der Bundesverband Wassersportwirtschaft vorgelegt. Geschäftsführer Jürgen Tracht erläuterte ferner, dass sich im ersten Halbjahr 2012 der Export von Segel- und Motorbooten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Stückzahlen um 21,3 Prozent, nach Umsatz um 14,5 Prozent verringert hat. Besonders betroffen war das Segelbootsegment. Lediglich 644 Yachten (Vorjahr 835) im Gesamtwert von 68,6 Mio. Euro (Vorjahr 89,7 Mio. Euro) wurden exportiert. Dies entspricht einem Rückgang von 22,9 Prozent (Stückzahl) beziehungsweise 23,6 Prozent (Wert).

Fels in der Brandung, so Tracht, bleibe der deutsche Markt. Tracht: "Zwar merkt man auch hierzulande ein nachlassendes Interesse am Kauf neuer Boote und Yachten. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern halten sich die Rückgänge aber in engeren Grenzen." Dies unterstreicht die Importstatistik. Im ersten Halbjahr 2012 wurden insgesamt 1.510 Segel- und Motorboote (+4,3 Prozent) im Wert von 84,6 Mio. Euro (+6 Prozent) nach Deutschland importiert.

Die Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft zur Jahresmitte 2012 bestätigt dieses Bild, auch wenn die Ergebnisse durch die Bank zurückhaltender ausfielen als noch vor einem Jahr. Ingesamt bewerteten 56,2 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen (Vorjahr 80,8 Prozent) die aktuelle wirtschaftliche Lage gleich gut oder besser als im Vorjahreszeitraum. 54,5 Prozent (Vorjahr 79,1 Prozent) sehen die Wassersportkonjunktur mittelfristig (2 bis 3 Jahre) auf gleichem oder höherem Niveau.

Für den Bootsbereich fällt die Einschätzung ähnlich aus. 58,1 Prozent sprechen bei Segelbooten von gleich guten oder besseren Geschäften im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Ausrüster und Zubehörhandel zufrieden

Die großen Ausrüster berichten von einem überwiegend zufriedenstellenden Geschäftsverlauf und einem Jahresendergebnis knapp unter dem guten Vorjahresniveau. Entsprechend positiv fallen die Konjunkturnoten aus: Über 80 Prozent der Unternehmen sind in den Bereichen Allgemeines Zubehör sowie Bootselektronik mit der Entwicklung zufrieden. Im Bereich Wassersportbekleidung würden diese Aussage lediglich knapp 56 Prozent der befragten Unternehmen unterschreiben.

Vom Trend, die vorhandene Yacht länger zu nutzen, profitieren neben den Bootsausrüstern auch Service- und Reparaturbetriebe sowie Refit-Werften. Auch für viele Bootshandelsbetriebe hat sich dieses Segment zu einem wichtigen, renditeträchtigen Standbein entwickelt, das außerdem im erheblichen Maße zur Kundenbindung beiträgt. Für Bootseigner, die sich gut betreut fühlen, bleibt das Unternehmen auch bei einem zukünftigen Neubootverkauf der erste Ansprechpartner.

Vercharterer mit Sorgen

Auch die Vermietung von Booten und Yachten hat unter der bescheidenen Wetterlage gelitten. Allerdings waren die Unternehmen mit guten Vorbuchungen in die Saison gestartet. Lediglich im Bereich der kurzfristigen und daher auch vom Wetter abhängigen Buchungen mussten Rückgänge hingenommen werden. Im Endergebnis liegen die realisierten Umsätze an der Ostsee und im Binnenland knapp unter dem Vorjahresniveau.

Umsatzzuwächse waren hingegen im Bereich der Auslandscharter zu verzeichnen. Ganz offensichtlich hat es einen größeren Teil des Charterpublikums in wärmere Regionen gezogen. Besonders im Trend liegen nach wie vor die Destinationen am Mittelmeer und hier vor allem Kroatien sowie die Türkei und Griechenland. Deutschland- und Auslandscharter zusammengefasst schließen die Unternehmen die Saison 2012 also mit einem leichten Plus ab.

Die Umsatzentwicklung ist aber nicht die alleinige Sorge der Bootsvermieter. Überkapazitäten im Markt und der gleichzeitige Trend zu immer kurzfristigeren Buchungen lassen die Preise purzeln und drücken die Renditen. Vor diesem Hintergrund werden die gedruckten Preislisten immer mehr zu Makulatur und erhebliche Preisnachlässe zum Regelfall.

Vorsichtig positiver Ausblick

Eine durchgreifende Erholung des europäischen Bootsmarktes ist laut BVWW gegenwärtig nicht in Sicht. Die Euro-Schuldenkrise zwingt vor allem die Mittelmeerländer zu weiteren Sparmaßnahmen und schwächt dadurch die konjunkturelle Entwicklung. Die deutsche Wassersportbranche erwartet für 2013 ein leichtes Wachstum in der Größenordnung von drei bis fünf Prozent.

Dabei sprechen auch die verbesserten Rahmenbedingungen für den Einstieg in den Bootssport. Nachdem die Fragenkataloge für die Amtlichen Sportbootführerscheine bereits entrümpelt und die Prüfungen auf das anwenderfreundliche Multiple-Choice-Verfahren umgestellt wurden, wird nun der führerscheinfreie Bereich von derzeit 5 auf 15 PS (11,03 KW) ausgedehnt. Dadurch wird der Einstieg in diese Freizeitaktivität erheblich erleichtert und das Spaß- und Erlebnispotenzial des Bootssports bereits von Beginn an spürbar. Neben Einsteigern profitieren  auch Charterkunden von der neuen Regelung. Segel- und Motoryachten bis einer Länge von rund neun Metern können mit 15 PS ausreichend motorisiert werden. Insbesondere im Binnenbereich, beispielsweise auf dem deutschen Kanalnetz, wird das Vermietangebot in Zukunft deutlich zunehmen, so die Hoffnung des Branchenverbands.

Messemacher guten Mutes

Die boot Düsseldorf erweise sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als sicherer Hafen. Die Yacht- und Wassersportwirtschaft konzentriere ihre Messeaktivitäten verstärkt auf den internationalen Marktplatz der Branche und sorge in Düsseldorf für volle Messehallen, heißt es in einer Stellungnahme der Organisatoren der boot. 1.650 Aussteller aus mehr als 50 Ländern werden Ende Januar 2013 auf der weltgrößten Yacht- und Wassersportmesse ihre Produkte präsentieren. Damit dürfte die boot 2013 an ihre erfolgreiche Vorgängerin anknüpfen.

„Wir sind auf gutem Kurs. Angesichts der angespannten Lage auf den internationalen Märkten, vor allem in Südeuropa, rückt die boot in den Fokus der Branche“, stellt Goetz-Ulf Jungmichel, Direktor der boot Düsseldorf, fest. „Zahlreiche Aussteller wollen ihre Ausstellungsflächen erweitern. Wir rechnen mit einer guten Auslastung der 17 Hallen, vielen Neuheiten und Bootspremieren und sogar mit einigen Neuzugängen aus der internationalen Yachtszene.“

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