Seenotfall

Deutsche Yacht sinkt in Uruguay

06.02.2013 Johannes Erdmann, Fotos: Armada Nacional Uruguay - Die Weltreise der "La Bohème" endet im Rio de la Plata. Nach Maschinenausfall treibt die Yacht in eine Hochspannungsleitung und brennt aus

Die Löscharbeiten an der "La Bohème"
Fotograf: © Armada Nacional Uruguay

Die Löscharbeiten an der "La Bohème"

Sie hatten sich für ihre Weltumsegelung eine spektakuläre Route ausgedacht. Von ihrem Heimatort Minden in Ostwestfalen aus starten Heidi und Uwe Wagner im April 2010 in Richtung Südamerika. Später soll es dann "unten rum" in den Pazifik und weiter um die Welt gehen. Und das mit einem nur 31 Fuß langen Motorsegler – einer Degerö 31 DS. Doch dazu kommt es nun nicht mehr. Die "La Bohème" sinkt im Rio de la Plata in Uruguay.

Wie konnte es dazu kommen? Nach Bericht der spanischsprachigen Zeitung "El Pais" aus Montevideo befind sich die "La Bohème" auf dem Weg vom Rio de la Plata nach Santa Lucia im Innenland, als das Unglück eintrifft. Gegen 7.30 Uhr hatte die Crew den Anker gelichtet, um pünktlich um neun Uhr zur Öffnung der Brücke über den Rio Santa Lucia vor Ort zu sein. "Natürlich öffnete sich die Brücke nicht um 9 Uhr, wir sind ja in Südamerika", sagte Heidi Wagner dem "Mindener Tageblatt", "also schipperten wir mit einer Schleichfahrt hin und her." Dann fällt plötzlich die Maschine aus.

Die kleine Yacht gerät durch den Gegenwind und die Gegenströmung ins Treiben – genau in eine Hochspannungsleitung, die sich über den breiten Fluss spannt. "Innerhalb von zwei Minuten berührte unser Mast das Kabel", beschreibt Heidi Wagner die Tragödie weiter, "und sogleich explodierte der Motor. Sekunden später stand das Schiff in Flammen. Wir konnten nichts, aber auch gar nichts retten. Die Rauchentwicklung war unbeschreiblich."

Dem Paar bleibt nichts anderes übrig, als ins trübe Wasser des Rio de la Plata zu springen und auf das Eintreffen der Polizei zu warten. Löschversuche sind nicht möglich, denn an Bord lagern zwei Campinggasflaschen, die zu explodieren drohen. Also müssen die beiden mehr als drei Stunden dabei zuschauen, wie ihr Zuhause samt Hab und Gut vollständig ausbrennt und schließlich im Wasser versinkt. Tauchern gelingt es später noch nicht einmal, den Inhalt eines Bordtresors aus den Wrackteilen zu bergen.

Doch den beiden geht es inzwischen den Umständen entsprechend gut. Wie das "Mindener Tageblatt" berichtet, sind sie vom Yachtclub in Montevideo sehr gastfreundlich aufgenommen worden, haben kaum 24 Stunden später von der deutschen Botschaft einen neuen Pass und etwas Geld aus Deutschland erhalten. Ob die Reise jedoch weitergeht oder der Rückflug nach Deutschland angetreten werden muss, können Heidi und Uwe Wagner noch nicht sagen: "Das liegt in Händen unserer Versicherung."

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