Signalmittel

Der "Pyroschein" wird überflüssig!

28.03.2014 Andreas Fritsch, Fotos: K.Andrews/YACHT - Sensationelle Wendung in Sachen Seenot-Signalmittel: Der Bund senkt die Hürden für Charterkunden, die EU schafft 2015 die Scheinpflicht ab

Seentosignal
Fotograf: © K.Andrews/YACHT

Signalmittel - für Chartercrews nur mit Schein

Die Nachricht schlägt ein wie die sprichwörtliche Bombe: Überraschend hat das schleswig-holsteinische Sozialministerium in einer Presse-Erklärung verkündet, dass für die Saison 2014 der Umgang von Charterkunden mit Signalraketen an Bord der Charteryachten drastisch vereinfacht wird: Ab sofort reicht es, wenn die Kunden vor Ort von einem sachkundigen Mitarbeiter der Charterfirma in den Gebrauch der Seenot-Signalmittel der Klasse P2, also vor allen die Raketen, eingewiesen werden. Über die erfolgte Einweisung gibt es dann eine schriftliche Bestätigung, die der Charterkunde mitnimmt. Damit entfällt die bislang übliche Regelung, dass ein Crewmitglied an Bord den sogenannten "Pyroschein", den Sachkundenachweis nach Sprengstoffrecht haben muss.

Doch die eigentliche Sensation ist der Hinweis der schleswig-holsteinischen Behörden, dass die EU im Februar 2015 die Signalraketen auf Yachten generell aus der gesetzlichen Regelungsstufe P2 herausnehmen will und sie dann nur noch unter die Kategorie P1 fallen sollen. Damit würden Charterkunden und auch Eigner komplett vom Sachkundenachweis befreit werden.

Die unerwartete Vereinfachung geht auf eine Initiative der Charterfirma 1. Klasse Yachten (Charterzentrum Heiligenhafen) zurück. Die Mitarbeiter hatten seit der bislang geltenden Regelung Kunden angeboten, vor Ort bei Antritt der Charter einen etwa eineinhalbstündigen Kurs zu absolvieren, in dem sie den nötigen Sachkundenachweis nach einer praktischen und theoretischen Prüfung erbringen konnten. Dies Verfahren wurde aus formaljuristischen Gründen den Heiligenhafenern zuletzt untersagt. Man würde nicht alle Bedingungen für die Prüfung korrekt erfüllen.

"Das hätte bedeutet, dass wir unter Umständen Hunderte von Kunden verloren hätten, die einfach keine Lust haben, extra für eine Charter einen Schein zu machen, wenn es im EU-Umland auch ohne geht!", so 1. Klasse Marketing-Chef Dirk Kadach. In ihrer Not wandten sich die Heiligenhafener an die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (EGOH), um den Wettbewerbsnachteil anzugehen. In der Folge gelang ein für die Charterkunden erfreuliches Beispiel, wie Behördenarbeit auch aussehen kann: Die EGOH nahm Kontakt zum schleswig-holsteinischen Sozialministerium auf, erklärte die Lage - und fand eine praxisgerechte Lösung.

Das Ministerium kam zu dem Schluss, dass die bestehende Pyroscheinpflicht eine "rechtsformale Härte" darstelle und entschloss sich, Abhilfe zu schaffen. Gesetzlich ist dies möglich, wie die Behörde befand: "Von den Voraussetzungen kann abgewichen werden, wenn durch geeignete Maßnahmen sichergestellt ist, dass ein Verwenden der in Kategorie P2 eingestuften Signalmittel bestimmungsgemäß und ausschließlich im Notfall erfolgt. Liegt ein Notfall nicht vor, ist eine Verwendung unzulässig." 

Zusammen mit dem Sozial-Ministerium, der Staatlichen Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord und der EGOH wurde dann ein neues Sicherheitskonzept entwickelt, dass nun in einem Erlass veröffentlicht wurde. Es hat vereinfacht folgende Eckpunkte:

  1. Die Signalmittel müssen in einem fest verbauten Behälter aufbewahrt werden.
  2. Sie müssen versiegelt oder verplombt sein.
  3. Nach Rückkehr der Yacht muss das Siegel kontrolliert werden.
  4. Der in den Gebrauch unterwiesene Kunde muss den schriftlichen Einweisungs-Nachweis bei Kontrolle vorzeigen.

Nachdem man sich in Schleswig-Holstein auf dieses Vorgehen geeinigt hatte, fand eine Absprache auf Bundesebene statt, die die Regelung auch für die anderen Bundesländer übernimmt. Damit hat der Chartermarkt für die Saison 2014 eine einfache Übergangsreglung, bevor dann 2015 die neue EU-Regelung greift.

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