Bootsprojekt
"Britannia"-Zeitplan in Gefahr
Eigentlich sollte sie längst im englischen Solent sein. Doch die anhaltend stürmischen Bedingungen der vergangenen Wochen machen den Eigentümern der nahezu fertiggestellten "Britannia"-Replik einen Strich durch die Rechnung. Das Schiff hängt nach wie vor an einer Muringboje im Oslofjord fest.
Die Eignergesellschaft, ein britisches Konsortium, muss weiterhin auf ein günstiges Wetterfenster hoffen, um den Nachbau der britischen Seefahrts-Legende in deren ehemaliges Heimatrevier zu überführen. Für die Strecke vom Oslofjord nach Cowes wurde bereits ein Schlepper beordert.
Die Überführung des Schiffs hat jedoch kaum noch Zeit, soll es pünktlich zu den Olympischen Spielen im Sommer in London der Öffentlichkeit präsentiert werden. Denn zuvor muss noch in Cowes das Interieur ins Boot. Auch das soll dem Original nachempfunden werden. Auch das Bermuda-Rigg und mit ihm der größte Holzmast, der je gebaut wurde, sind noch nicht gestellt.
Das Schiff selbst hat eine lange Zeit voller Strapazen hinter sich: In der Solombala-Werft in Sibirien gefertigt, durfte der Nachbau auch drei Jahre nach Fertigstellung des Rumpfs noch nicht vom Stapel laufen. Projekt-Initiator Sigurd Coates aus Norwegen hatte die Werft nahe der sibirischen Stadt Archangelsk 1992 zusammen mit einem Freund gekauft, um dort Beiboote, Jollen und kleine Yachten in einem Joint-Venture mit einem norwegischen Fischkutterbetrieb tischlern zu lassen. Das Geschäft war jedoch wenig rentabel, weshalb die Werft 2006 an den russischen Oligarchen Andrey Dubinsky verkauft wurde.
In den darauffolgenden Jahren versuchte Dubinsky vergeblich, Coates’ Betrug beim Bau der „Britannia“ zu unterstellen, wodurch sich die Auslieferung weiter hinauszögerte. Beim damaligen Werftleiter gingen Morddrohungen ein, sollte er die Yacht an den Norweger ausliefern.
Im Sommer 2009 war das juristische Ringen beendet, und Coates ließ sein Schmuckstück in den Oslofjord bringen. Dort sollten weitere Decksbeschläge montiert werden.
Der Klassiker soll eine exakte Kopie der „Britannia“ werden, die bereits 1892 in der schottischen Henderson-Werft vom damaligen Prinzen von Wales Eduard VII in Auftrag gegeben worden war. Bereits in ihrem ersten Sommer als Regattayacht 1893 gewann die „Britannia“ 33 von 34 Wettfahrten und ging damit in die Geschichte ein.
Während des Ersten Weltkriegs wurde der kuttergetakelte Segler an Land gebracht und musste bis 1920 auf seine Wiederentdeckung durch König George V warten. Von diesem Zeitpunkt an nahm die nun immerhin schon fast 30 Jahre alte „Britannia“ wieder erfolgreich an zahlreichen Regatten teil. Als George V starb, hatte er den Wunsch, dass seine „Britannia“ ihm in den Tod folgen sollte – weshalb sie 1936 im Ärmelkanal versenkt wurde.










