Rekord
999 Tage auf See
Den Rekord für die längste Nonstopfahrt hat der heute 58-jährige Stowe dem bisherigen Rekordhalter schon vor gut einem Jahr abgelaufen. 1000 Tage wollte er auf See sein – so lange, wie eine Reise zum Mars dauern würde.
Im Jahr 1981-82 umsegelte der Australier Jon Sanders die Welt zweimal nonstop auf seiner zehn Meter langen "Perie Banou" vom Typ S&S 34. 419 Tage war er auf See. Vier Jahre später startete er erneut auf der 14 Meter langen "Parry Endeavour", segelte dreimal nonstop um die Welt und benötigte dafür 658 Tage.
Als Stowe im April 2007 von Hoboken, New Jersey, aus auf seine Rekordfahrt ging, hatte er den Plan länger als jeder andere Mensch auf den Ozeanen umher zu segeln. Er stellte sich nicht allein dieser Aufgabe, sondern nahm seine damals 23-jährige Freundin Soanya Ahmad mit auf die Reise. Im Gegensatz zu Stowe war sie eine absolute Novizin, bislang nur einmal auf dem Hudson River gesegelt.
Stowes Segelabenteuer dagegen begannen schon während seiner Studienzeit am College in Arizona, an dem er Kunst studierte. Zusammen mit einem Freund brach er mit Anfang 20 aus dem Leben als Student aus und wollte mit einem kleinen Boot nach Neuseeland segeln. Unterwegs lernte er Bernhard Moitessier kennen und lebte eine Zeitlang in einer Kommune aus gleichgesinnten um den großen Meister der Langfahrt herum, der ihn in Bootsbau, Seemannschaft und Navigation schulte. Für Stowe stand schon damals fest, dass er sein Leben auf den Ozeanen verbringen wolle.
Nach seiner Rückkehr in die USA baute er in seinem Elternhaus in North-Carolina einen 27-Fuß langen Katamaran, den er mit einem Freund nach Holland segelte, und im Anschluss seine Atlantikrunde über Afrika, Südamerika und die Karibik rund machte. Wieder zurück in den Südstaaten baute er nach eigenem Entwurf den an den Fischerbooten des 19. Jahrhunders angelehnten 21 Meter langen und 60 Tonnen schweren Gaffelschoner "Tantra Schooner", den er später als Erinnerung an seine Mutter in "Anne" umbenannte.
Nach Charterfahrten in der Karibik, einigen gescheiterten Ehen und Medienskandalen, als man ihn beim Schmuggeln von 15 Tonnen Marihuana erwischte und verhaftete, entstand schließlich im Jahr 1997 der Plan von der 1.000-Tage-Reise, der er den Titel "The Mars Ocean Odyssey" gab. Denn genau 1.000 Tage soll es angeblich für einen Menschen dauern, von der Erde zum Mars zu reisen.
1999 führte er eine Probefahrt mit seiner Exfrau durch, segelte 194 Tage nonstop durch den Atlantik. Wegen technischen und menschlichen Problemen wurde die Fahrt immer wieder hinausgeschoben, bis schließlich im April 2007 die Leinen auf dem Pier Nummer 12 in Hoboken landeten. Tausend Tage sollten sie nicht mehr benötigt werden.
Seiner unerfahrenen Mitseglerin fiel es jedoch schon von Beginn an schwer, sich an das Leben auf See zu gewöhnen. Nach zehn Monaten bat Stowe schließlich den Royal Perth Yachtclub um Hilfe, da seine Soyana "schwer erkrankt" sei. Am 22. Februar 2008 wurde sie vor Perth in Australien durch einer Rettungstruppe, der auch Rekordhalter Jon Sanders angehörte, von Bord geholt. Die erste Diagnose der Ärzte stellte heraus, dass Soyana an einer "morgendlichen Übelkeit" leidet. Einige Monate später gebar sie ihren gemeinsamen Sohn "Darshen".
Stowe hingegen führte seine Reise einhand fort. Ihm geht es nicht darum, möglichst viele Meilen zu machen oder den eigenen Kurs nach einer erneuten Weltumsegelung möglichst häufig zu kreuzen, sondern er möchte einfach nur so lange er kann auf See bleiben. Beim Betrachten seiner Kurslinie erkennt man, dass hinter seinen Wegpunkten eine ungewöhnliche Taktik steckt: Er segelt bestimmte Koordinaten ab, um Bilder in den Ozean zu malen. Westlich von Südamerika zeichnete er beispielsweise einen Wal, im Südatlantik ein seiner Freundin gewidmetes Herz. Den letzten Monat kreiste er vor der Westküste Afrikas. Morgen wird er 1.000 Tage auf See sein. Doch noch immer hat er keinen Kurs auf die Heimat gesetzt.
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