Seenotfall

84-jähriger Einhandsegler gerettet

05.01.2012 Johannes Erdmann, Fotos: J. Erdmann - Beim sechsten Versuch, Kap Hoorn zu erreichen, brach der Mast des 32-Fuß-Bootes. Ein japanischer Frachter barg den amerikanischen Skipper ab

Mit einer Westsail 32 in schwerem Wetter
Fotograf: © J. Erdmann
Mit einer Westsail 32 in schwerem Wetter

Viele Male hatte er es versucht, doch immer wieder kam irgendetwas dazwischen. Der amerikanische Jurist und Marinabetreiber Tom Corogan, 84, ist beim sechsten Versuch, Kap Hoorn mit der 32 Fuß langen "TLC" zu erreichen, erneut gescheitert. Etwa 500 Seemeilen südlich der Osterinseln brach der Mast der 36 Jahre alten Westsail 32. Corogan löste die Epirb aus und wartete. Die Seenotleitstelle AMVER dirigierte sofort einen japanischen Frachter in das Seegebiet, aus dem sie den Notruf empfangen hatte. Corogan konnte in fünf Meter hohen Wellen von seinem Schiff abgeborgen werden. Inzwischen befindet er sich an Bord einer chilenischen Fregatte auf dem Weg nach Valparaiso.

Der rüstige Rentner stammt gebürtig aus Ohio und leitet dort seit 35 Jahren einen Marinabetrieb mit 150 Liegeplätzen. Immer wieder war er in den vergangenen Jahrzehnten auf Langfahrt gewesen. Im Jahr 1987 segelte er mit seiner Brewer 44 nach Europa und zurück, zehn Jahre später ein zweites Mal mit seiner Westsail 32. Das große Ziel, die Umrundung Südamerikas mitsamt des Kap Hoorn, verfolgt er seit vielen Jahren, musste aber immer wieder aufgeben. Ein Versuch scheiterte bereits in der Chesapeake Bay, wegen eines Maschinenschadens. Der letzte Versuch führte ihn 2010 immerhin bis südlich der Galapagos-Inseln. Dort bekam er jedoch Probleme mit seinem Knie, die ihn zur Rückkehr zwangen. Er segelte zurück nach Florida und setzte das Schiff auf einen Transporter. Viele Monate stand es zum Verkauf, doch dann führte er eine Generalüberholund durch und ließ es nach Kalifornien transportieren. Am 9. Oktober 2011 startete er von San Diego aus seinen sechsten Versuch, der nun am Dienstag mit dem Mastbruch endete.

Überhaupt ist es erstaunlich, dass sich der 84-Jährige in seinem fortgeschrittenen Alter immer wieder ganz allein auf solche lange Reisen begibt. Von San Diego bis zum Kap Hoorn lagen immerhin 7.500 Seemeilen vor ihm, dazu der Rückweg durch den Atlantik. Auf die Frage nach dem Geheimnis, wie er sich seine Lebhaftigkeit und Gesundheit erhält, sagte er dem amerikanischen Segelmagazin "Latitude 38" im vergangenen Oktober: "Ganz einfach, ich esse viel Löwenzahn, trinke viel Wasser und schlafe nachts mit dem Kopf nach Norden. Im Internet gibt es viele Rezepte für Löwenzahn." Seinen Humor hat er anscheinend trotz der vielen Pleiten noch längst nicht verloren.

Das ganze Interview finden Sie unter diesem Link.

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