Blauwasser

2700 Seemeilen zum Glücklichsein

21.11.2011 Pascal Schürmann, Fotos: WCC/J.Mitchel, YACHT/P.Schuermann - Gestern Mittag ist der Startschuss zur 26. Atlantic Rally for Cruisers gefallen. 217 Yachten auf dem Weg nach St. Lucia. Fotos und Video

ARC 2011 Start
Fotograf: © WCC/J.Mitchel

Und los geht's: Start zur 26. Atlantic Rally for Cruisers von Las Palmas de Gran Canaria nach St. Lucia

Nun ist er da, der Augenblick, dem über 1.000 Segler in den vergangenen Wochen entgegengefiebert haben. Die Segel sind gesetzt, voraus liegt der weite Atlantik. Kein Land in den kommenden zweieinhalb bis drei Wochen.

Am gestrigen Sonntagmittag hatte das Warten für die Crews ein Ende. Vor der Hafeneinfahrt von Las Palmas de Gran Canaria überquerten sie die Startlinie. Dank idealer Bedingungen – es wehte mit 3 bis 4 Beaufort aus Nordost, das Quecksilber erreichte knapp die 25-Grad-Celsius-Marke, und am strahlend blauen Himmel waren nur vereinzelt ein paar Wolkentupfer zu sehen – gab die ARC-Flotte ein eindrucksvolles Bild ab. Dabei gingen nicht einmal wie in früheren Jahren alle gemeinsam über die Linie.

Als Erstes wurden die Katamarane sowie ein Trimaran auf den langen Schlag nach Westen geschickt. Das sind in diesem Jahr mit insgesamt 30 Booten so viele wie nie zuvor in der Geschichte der ARC. Das Multihull-Feld reicht vom 36 Fuß großen Lagoon bis hin zum gut doppelt so großen Privilège 745.

ARC 2011 Start
Fotograf: © YACHT/P.Schuermann

Das Multihull-Becken. Die meisten der sage und schreibe insgesamt 30 Kats lagen in den Tagen vor dem Start in einem eigenen Hafenbecken

Der Trimaran „Rayon Vert““ vom Typ Lerouge Pulsar 50 aus Frankreich mit Skipper Alain Delhumeau ist nicht nur als Favorit der ARC 2011 ins Rennen gegangen. Er gilt auch als aussichtsreicher Kandidat, den bestehenden Rekord für die schnellste Atlantiküberquerung im Rahmen der ARC zu brechen. Den hält mit 11 Tagen, 5 Stunden, 32 Minuten und 30 Sekunden die italienische Maxiyacht „Capricorno“. Skipper Rinaldo Del Bono hat ihn vor mittlerweile fünf Jahren aufgestellt.

Auch in der zweiten Startergruppe, den Rennyachten, gibt es Anwärter für eine schnelle Ozeanpassage. Zwar sind in diesem Jahr keine Volvo-Racer mit von der Partie. Dafür aber unter anderem ein Pogo 40, eine Akilaria 40 (mit Steuermann Andreas Hanakamp) sowie diverse Swans, X-Yachten und Beneteau Firsts.

Hier das offizielle Video zum Start der ARC 2011:

Und selbst in den Cruising-Klassen sind manch ambitinierte Segelteams zu finden. Da ist etwa die Knierim 55 „Nordic Falcon“ oder die Pogo 1050 „Go“, beides Yachten unter deutscher Flagge. Daneben ebenfalls einige Swans und X-Yachten, die nicht für die Racing-Division gemeldet haben, aber wohl dennoch mit einigem Ehrgeiz das Rennen in Angriff nehmen.

Die große Masse allerdings wird die Strecke eher gelassen angehen. Ganz im Sinne der ARC, die von ihren Ursprüngen her eine Rallye für Fahrtensegler ist und eben keine Regatta. Daran hat sich trotz der Racing-Klassen bis heute auch nur wenig geändert.

ARC 2011 Start
Fotograf: © YACHT/P.Schuermann

Flaggenparade. Letzter Abend am Steg in der Sportbootmarina von Las Palmas. Die ARC-Yachten sind über die Toppen geflaggt

Und so dominierten in den Tagen vor dem Start auf den Stegen der kanarischen Hauptstadt-Marina auch die Familien-, Charter-, Freundes- und Pärchencrews. Für sie alle ist der Weg das Ziel. Sie lockt das Abenteuer, die Herausforderung Atlantik. Und die Aussicht, im Ziel angekommen von sich sagen zu können, etwas zwar nicht mehr Einzigartiges, aber dennoch immer noch Seltenes geleistet zu haben: die Überquerung eines Ozeans.

Sich der Herausforderung zu stellen übt offenbar auch nach einem Vierteljahrhundert ARC einen ungebrochen großen Reiz aus. Die Meldeliste ist mit knapp 220 Yachten erneut bis nahezu auf den letzten Platz gefüllt. Die stärkste Fraktion nach Nationen stellen traditionell die Briten. Gleich danach folgen die deutschen Teilnehmer. Am Ende waren es 30 Schiffe mit Crews von Flensburg bis München, die die Reise in die Karibik angetreten haben.

Vorausgegangen waren Tage emsigen Treibens im Hafen von Gran Canaria. Zwar ist die ARC 2011 erst zwei Wochen vor dem Start offiziell eröffnet worden. Erste Teilnehmer-Yachten waren allerdings schon im Oktober auf der Insel eingetroffen (die letzten hingegen machten es spannend und liefen erst vergangenen Freitag ein).

ARC Start 2011
Fotograf: © YACHT/P.Schuermann

Full House. Die Sportbootmarina von Las Palmas war bis auf den letzten Platz belegt. Einige ARC-Teilnehmer waren schon Wochen vor dem Start angereist

Die meisten Crews hatten lange To-do-Listen abzuarbeiten: Ausrüstung vervollständigen, Proviant für drei Wochen kaufen und vor allem stauen, sich in den zahlreichen vom veranstaltenden World Cruising Club vor Ort angebotenen Sicherheits-, Wetter- und Navigationsseminaren den letzten Schliff holen und nicht zuletzt sich gegenseitig auf den zahlreichen Partys und Empfängen kennenlernen.

So nimmt es nicht Wunder, dass diese unvergleichliche Atmosphäre, die auf den Stegen und unter den Seglern in den Tagen vor dem Start herrschte, für viele ein mindestens genauso bedeutender Aspekt der ARC ist wie die Reise über den Atlantik selbst. Und für nicht wenige, die dieses Mal als Crewmitglieder mitfahren, ist genau dies ein Grund, beim nächsten Mal mit eigenem Schiff dabei zu sein.

Der Kurs der einzelnen Yachten lässt sich mithilfe des ARC-Fleet-Viewers verfolgen.
 

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