Solo Nonstop

Vorletzter Tag auf See für Masekowitz

20.12.2015 Jochen Rieker, Fotos: YACHT/H. Masekowitz - Nach einer Ferndiagnose durch SeaDoc hat sich der Skipper einen Bruch am rechten Fuß zugezogen – Ende der Fahrt alternativlos

Ein Albatros begleitet Henrik Masekowitz auf den letzten Meilen
Fotograf: © YACHT/H. Masekowitz

Stummer Begleiter. Ein Albatros begleitet Henrik Masekowitz auf den letzten Meilen

Die schlimmsten Vermutungen haben sich bestätigt. Offenbar hat sich Henrik Masekowitz in der Nacht zu Donnerstag den rechten Fuß gebrochen. Das ergab eine Konsultation per Satelliten-Telefon mit Dr. Steffens von SeaDoc, der den Skipper medizinisch beriet. 

Auftreten ist weiterhin unmöglich, weshalb sich der Solo-Skipper unter Deck hüpfend bewegt und den Gang an Deck meidet, wie er in seiner jüngsten E-Mail für YACHT online beschreibt (s.u.). Masekowitz ist hart im Nehmen; im Sommer segelte er eine Regatta mit angebrochener Hand zu Ende. Doch die Fußverletzung ist zu schwerwiegend und schmerzhaft, um an ein Weitersegeln zu denken. 

Deshalb hat seine Frau von zu Hause aus einen Notfallplan für die Ankunft im Hafen vorbereitet. Unterstützt von Trans-Ocean, dem Langfahrtverein, der ihrem Mann erst vor wenigen Wochen einen Preis in Abwesenheit verliehen hatte, organisiert sie Hilfe für die letzten Manöver vor dem Festmachen und den Transport in die Klinik. Zwei mögliche Häfen stehen zur Wahl, beide lagen am Sonntagmittag noch ca 350 Seemeilen entfernt von der Position der "Croix du Sud": Kapstadt oder das weiter nördlich gelegene Saldanha.

Henrik Masekowitz wird seine Wahl für eine der beiden Marinas erst kurzfristig und in Abhängigkeit vom Wetter treffen. An beiden Orten wurde ihm bereits Unterstützung zugesichert. Diese wird er brauchen, denn Segelbergen und Anlegen auf nur einem Bein sind bei Wind und Welle keine leichte Aufgabe.

Hier sein aktueller Blogbeitrag über das Gefühl, vorzeitig am Ende dieser großen Fahrt zu stehen:

»Ein wirklich schöner Segeltag ist heute. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, mit kleinen weißen Tupfern gespickt, herab. Das tiefe Blau des Südatlantiks ist ebenso gespickt mit kleinen weißen Schaumkronen. Darin hin und wieder ein Pärchen meiner treuen Begleiter.

Geschmeidig fliegend folgen sie stundenlang dem Boot. Fast ohne Flügelschlag ziehen sie Kreise um "Croix du Sud". Die Flugkünste sind wirklich beeindruckend und erheitern mich etwas, bringen Ablenkung von meinem angeschlagenen Fuß. Der wiederum ist gar nicht schön, verändert langsam seine Farbe - auch in Blau!

Zusammen mit Pink Floyd aus den Lautsprechern eine ziehmlich gemeine Mixtur der Gefühle. Jeden Morgen denke ich: 'Oh Mann - der Schmerz ist weg!' Dann versuche ich einen Schritt und das war's. Fehlanzeige!

Gut dass ich auch innen im Boot Lifelines habe, die durchgehend vom Niedergang bis ins Vorschiff reichen. An ihnen hangele ich mich derzeit auf einem Bein hüpfend zwischen Kocher, Koje und Niedergang hin und her. Raus krieche ich nicht mehr, oder nur extrem selten, wenn es wirklich nötig ist.

Ich habe tatsächlich Angst. Angst, vor Schmerz den Halt zu verlieren. Deshalb bleibt auch Segel Segel und Reff Reff. Immerhin schaffe ich es, das Boot mit 10 Knoten in Fahrtrichtung Kaphorn zu führen. Keine einfache Aufgabe unter diesen Bedingungen.

Aber wie gesagt, ein schöner Segeltag ist heute. Wenn ich es schaffe, mal für eine Minute allen Shit auszublenden, könnte man meinen, besser geht es nicht. Es ist wunderbares Segeln. Allein, hier unten, wo wirklich niemand ist. Das Gefühl von Freiheit und all dem, was man sucht auf so einem Abenteuer, ist plötzlich da. Vergessen alle Alltagssorgen, Inneres kehrt sich nach außen und Gedanken sind frei.

Momente des Glücks, könnte man meinen. Wenn nicht auch die Tiefschläge wären. Solch eine Reise durchzustehen, ist mental eine Reise ins Unbekannte. Aber so oder so scheint für mich nach einem Monat und zehn Tagen die Fahrt zu Ende. Das ist schade und ich bin sehr sehr traurig darüber. Hatte ich doch so große Ambitionen, meinen Traum zu verwirklichen.    

Herr Erdmann, Sie sind und bleiben mein Held.

Viele Grüße

Henrik«

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