Henrik Masekowitz

Nikolaus mit roten Sonnenuntergängen

10.12.2015 Lars Bolle, Fotos: Henrik Masekowitz - Masekowitz schleicht in einer Flaute in den Südatlantik hinein. Von 20 Grad Süd schreibt er folgende Zeilen an die YACHT-online-Leser

Henrik Masekowitz:

Henrik Masekowitz
Fotograf: © Henrik Masekowitz

Henrik Masekowitz mit seinem Nikolausstiefel

Nikolaus war lustig, habe tatsächlich etwas in meinen schicken Zhink-Stiefeln gefunden, die ich natürlich tags zuvor vor meinem Niedergang postiert hatte. Habe das sogleich in einem Anruf an meine Familie meinem Sohn Paul erzählt. Paul ist sieben, geht in die 2. Klasse und antwortete mit einem leicht irritierten "Häh?". Nach einer mittellangen Gedankenpause kam dann ein "Wie geht das denn?". Ich hatte ein lustiges Bild vor Augen, wie er sich kopfkratzend überlegt, was Papa da nun wieder erzählt. Ich war jedenfalls froh, diesen Tag mit Dominosteinen und Zimtsternen bereichern zu können.

Eine kleine Aufmunterung tut sowieso immer gut, gerade wenn ich mich eigentlich über meine Strategie der Passage am St.-Helena-Hoch sehr ärgere. Der Wind ist die Tage nach Nikolaus sehr schwach bis nicht nennenswert. Ein Class 40 braucht zum Vorankommen mindestens acht, möglichst zehn Knoten, ansonsten fährt man sich in der Welle fest und ist in der Kurswahl, was den True-Wind-Angle TWA angeht, sehr eingeschränkt. Ich war, immer schön auf Kurs Süd getrimmt, deutlich zu weit nach Osten gekommen. Oder andersrum gesagt: Im Westen war vermutlich deutlich mehr Wind. Es soll mir eine Lehre sein.

Das Ziel liegt im Osten, so ist man doch leicht verleitet, die Dinge zu optimistisch zu beurteilen. Jedenfalls war ich ganz schön sauer auf mich.

Henrik Masekowitz
Fotograf: © Henrik Masekowitz

Ein malerischer Sonnenuntergang an Bord der "Croix du Sud"

Die Zeit ist mir nur selten lang geworden. Bei wenig Wind empfinde ich Segeln als sehr anstrengend. Stets und ständig Trimmen, Winddreher aussegeln, Wenden, Halsen, Segel wechseln, alles rund um die Uhr, ohne wirklich erholsamen Schlaf. Ich fühle ich mich bis heute total geschlaucht und sogar etwas ausgebrannt. Obwohl ich versuche, regelmäßig zu essen und zu trinken, bin ich schlapp und unmotiviert.

Das muss sich jetzt ändern, denn ich habe vor der langen Reise durch die Stürme noch einiges auf der Liste. Man merkt meiner "Croix du Sud" schon an, dass sie ein Boot ist, das durchaus schon einige Meilen auf dem Buckel hat. Die ein oder andere Klemme versagt ihre Haltekräfte, oder ein Mechanismus zum Klappen des Hydrogenerators bricht auseinander. Alles in allem eher unkomplizierte Dinge, aber eben notwendige Reparaturen.

Mittlerweile ist wieder Wetter vorhanden, so nenne ich das. Im Unterschied zu den letzten Wochen sind jetzt wieder Wolkenbilder am Himmel und weniger Squalls, sondern echte Frontensysteme, wie man sie auch in unseren Breiten kennt. Auch sind die Temperaturen deutlich angenehmer, und die Tage werden länger mit einer Sonne, die nicht mehr hinter den Horizont plumpst, sondern ordentlich untergeht. Mit rotem Himmel und so.

Jetzt geht es darum, ein starkes Hoch, welches mir den direkten Weg nach Südost versperren wird, mit einigem Abstand westlich zu umfahren, um danach auf den ICE zu springen.

Wobei mir der Gedanke daran im Moment noch keine Glücksgefühle generiert. So sehe ich da in baldiger Zukunft auch Tiefdrucksysteme mit weit über 30 Knoten Wind. Da ist er dann, der Southern Ocean mit seinen Sagen und Mythen. Na, wir werden sehen.

Morgen ist jedenfalls noch ein Tag bei hoffentlich schönem, einigermaßen ruhigem Wetter, um meine anstehenden Reparaturen zu Ende zu bringen.

Grüße
Henrik
 

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