Solo nonstop

Kein Hydrogenerator auf "Croix du Sud"

23.11.2015 Jochen Rieker, Fotos: YACHT/N. Günter, YACHT/H. Masekowitz - Henrik Masekowitz hat die ersten ernsthaften Probleme: Spi kaputt, Stromversorgung beeinträchtigt. Was tun: weitersegeln oder reparieren?

Masekowitz Class 40 Frankreich 2015 NGü_8C8A2936
Fotograf: © YACHT/N. Günter

Quell des Ärgers: der kleine Watt & Sea am Heck (rechts neben der Notausstiegsluke, hier hochgeklappt) 

Bruch und technische Defekte gehören dazu. Keine Ozeanpassage, erst recht keine Weltumsegelung verläuft ganz ohne Maleschen. Von daher war es nur eine Frage der Zeit, bis auf Henrik Masekowitz' Class 40 "Croix du Sud" der Fehlerteufel zuschlagen würde. Aber so früh, so hart?!

Donnerstagnachmittag hatte der 49-Jährige noch eine fröhliche Nachricht an die YACHT geschickt: "Kein Bruch, alles okay, Essen schmeckt." Am selben Abend freilich beklagte er den ersten Ausfall, noch ziemlich unbeeindruckt:

"Jetzt ist mein großer Spi hinüber. Der hatte eh nix mehr zu melden. Der neue von Oleu Heiligenhafen (Danke, Bjarne!) ist nicht so groß, aber absolut top im Design auf allen Kursen. Dumm nur, dass ich den alten Lappen jetzt als Ballast mitschleppe. Na mal sehen, wozu der noch gut ist."

Zu diesem Zeitpunkt loggte der Hamburger fleißig Meilen. Mit beständig 8 bis 12 Knoten Fahrt war er nach dem mühsamen Auftakt gut im Soll. Denn um den von ihm angepeilten Rekord zu schaffen, muss er einen Durchschnitt von 8,2 Knoten segeln. 

Am Sonnabend früh stand er kurz vor Madeira. Der Passat hatte ihm eine "schlaflose Nacht" beschert. "Bei 25 kn Wind sehr böig, ständig drehend", twitterte der Soloskipper. "Dazu noch Tanker auf spitzem Kurs, stundenlang Kollisionskurs. Jetzt Kaffee!" 

Durchgebrannt: Laderegler
Fotograf: © YACHT/H. Masekowitz

Durchgebrannt: Laderegler

Business as usual, könnte man meinen. Doch Sonntag gegen 11 Uhr dann die erste echte Hiobsbotschaft von Bord: "Der Laderegler des Watt&Sea-Hydrogenerators ist durchgebrannt. Status: irreparabel, keine Reserve."

Der Generator, der am Heck schwenkbar angebracht ist und wie ein kleiner Elektro-Außenborder aussieht, war ein wichtiger Bestandteil des Energiemanagements auf der Akilaria. Neben Schiffsdiesel und Solarpaneelen sollte er den Strombedarf decken.

Dieser ist recht hoch, weil Masekowitz außer Autopilot, Bordrechner und Instrumenten aus Sicherheitsgründen auch AIS und häufig sein Radargerät mitlaufen lässt, um Kollisionen mit der Berufsschifffahrt zu vermeiden.

So sieht seine Bilanz ohne Hydrogenerator aus: "Solarstrom-Überschuss nur bei praller Sonne ca. 5-7 A bei laufendem Autopilot, leicht bedeckt so gerade eben +/-0 A, bewölkt -8 A." 

Würde er sich alleine auf den Diesel verlassen, so Masekowitz, würde es "sehr knapp, glaube ich. Keine Ahnung, was ich tun soll."

In der Nach zu Montag hat er die Kanaren an Backbord gelassen und hält jetzt Kurs auf die Kapverden, die noch zirka 650 Seemeilen entfernt sind. Knapp drei Tage Bedenkzeit bei der derzeitigen Geschwindigkeit für die alles entscheidende Frage, ob er anhalten und den Rekord aufgeben soll, um ein Ersatzgerät an Bord zu nehmen oder auf Solarstrom und Diesel vertrauen und weitersegeln. 

 

  • Twitter
  • Facebook

Neueste Artikel dieser Rubrik

Henrik Masekowitz mit Crew auf der Rücküberführung: Erstmals mit Crew: Henrik Masekowitz auf der Rücküberführung mit Mitsegler Roland 17.04.2016 — Überführung: Letzte Etappe für Henrik Masekowitz

Azore –Hamburg. Solosegler Masekowitz über die letzten Meilen seiner Rücküberführung – und die ersten, die er nicht allein abspult mehr

Ostern auf dem Atlantik für Solosegler Henrik Masekowitz: Ostern auf dem Atlantik für Henrik Masekowitz 29.03.2016 — Atlantik: Ostern allein auf See – und gegenan

Henrik Masekowitz über ein einsames Fest nach 5000 Seemeilen solo, das Leben mit reichlich Lage – und freie Kojen auf seiner Class 40 mehr

Masekowitz: Masekowitz bei der Vorbereitung seiner Weltumsegelung in Südfrankreich 17.03.2016 — Henrik Masekowitz: Zum zweiten Mal den Äquator passiert

Henrik Masekowitz ist auf dem Weg nach Hause. Kleinere technische Probleme, sonst sehr entspanntes Segeln auf dem Weg in die Doldrums mehr

Gruß an Joe Harris zur Kap-Horn-Rundung: Gruß an Joe Harris zur Kap-Horn-Rundung 10.03.2016 — Solo retour: "Irgendwie ist alles anders"

Henrik Masekowitz zieht erste Zwischenbilanz seiner Rücküberführung – und zollt Ex-Konkurrent Joe Harris, der Kap Hoorn rundete, Respekt mehr

Henrik Masekowitz mit seiner "Croix du Sud": Henrik Masekowitz auf seiner Class 40 "Croix du Sud" 04.03.2016 — Einhand retour: Masekowitz: Scheitern und Neubeginn

Henrik Masekowitz wollte seinen Traum leben – einhand nonstop um die Welt. Im Film spricht er über die Niederlage, und wie es weitergeht mehr

Artikel empfehlen |  Artikel drucken

YACHT im Abonnement

Verpassen Sie keine Ausgabe, sparen Sie bares Geld und lassen Sie sich jede Ausgabe bequem ins Haus bringen. Bestellen Sie jetzt Die Nr. 1 bei Seglern im ABO!

Jahresabo

Freuen Sie sich über ein tolles Begrüßungsgeschenk!

Geschenkabo

Verschenken Sie für ein Jahr YACHT und Sie erhalten ein Geschenk Ihrer Wahl.

Leserwerbung

Wertvolle Prämien für die Vermittlung eines neuen Abonnenten.

Kennenlernabo

6 Hefte nur € 18,00 und ein Begrüßungsgeschenk Ihrer Wahl.