Solo retour

"Irgendwie ist alles anders"

10.03.2016 Jochen Rieker, Fotos: YACHT/H. Masekowitz, Joe Harris - Henrik Masekowitz zieht erste Zwischenbilanz seiner Rücküberführung – und zollt Ex-Konkurrent Joe Harris, der Kap Hoorn rundete, Respekt

Gruß an Joe Harris zur Kap-Horn-Rundung
Fotograf: © YACHT/H. Masekowitz

Gruß an Joe Harris zur Kap-Hoorn-Rundung

"Mir fällt es schwer, das zu geniessen, was ich hier tue: etwas zu schreiben oder einfach nur hier zu sein. Es liegt wohl daran, dass ich in diesem Moment eigentlich auf der anderen Seite des Südatlantiks unterwegs sein wollte. Stattdessen passiere ich heute die kleine, aber bedeutsame Insel Sankt Helena an ihrer Westseite. Leider außer Sichtweite, was mich ein wenig ärgert, schließlich kommt man hier nicht allzu oft vorbei.

Joe Harris: Endlich am Kap
Fotograf: © Joe Harris

Joe Harris: gleiches Bild, andere Welt

Ein wenig ärgern wird sich vielleicht auch Joe, dass er heute am Kap Hoorn nichts weiter sieht als Gischt und hohe Wellenberge, die ihm um die Ohren fliegen. Ja, es ist heute der Tag, an dem wir beide ein riskantes und waghalsiges Vorhaben auf den Höhepunkt hätten bringen können. Beide hatten wir Pech, unsere Nonstop-Fahrten in Kapstadt unterbrechen zu müssen, beide hatten wir bis dahin die gleichen Probleme, die gleichen Hochs und Tiefs und vielleicht auch die gleichen Gedanken. Für uns beide ist der Rekord durch etwas Pech und technisches Versagen geplatzt.

Ich musste meine Fahrt in Kapstadt beenden, Joe ist weiter und heute dabei, seinen Traum, unseren Traum, zu verwirklichen und seiner Einhand-Weltumsegelung, südlich aller Kaps, die Krone des Kap Horniers aufzusetzen. Ich wünsche Joe meinem ganz ehrlichen Glückwunsch dazu und zolle ihm allergrößten Respekt für seinen Mut, seine Energie und sein Durchhaltevermögen! (Hier ein Link zu Harris' Bericht von seiner Kap-Rundung.)

Seit zehn Tagen befinde ich mich nun auf dem Rückweg. Dabei bin ich bei weitem nicht so motiviert und gut gelaunt wie vor drei Monaten in der Gegenrichtung. Versuche mir einzureden, dass es wohl auch eine Leistung ist, rund 7500 Seemeilen, solo und nonstop, in die eine wie auch in die andere Richtung zu segeln. Eine Atlantik-Schleife wider Willen. Ehrlich gesagt bin ich auch stolz darauf. Aber irgendwie fehlt halt etwas. 

In diesem Moment geht es darum, das Segeln an sich zu empfinden. Die Einsamkeit, die Farbe des Meeres, der Sternenhimmel, alles ist hier und ist wunderschön. Ich habe die Ehre, mit einem so wunderbaren Boot wie der "Croix du Sud" bei besten Bedingungen richtig schnell zu segeln, selten unter 10 Knoten. Und das Wichtigste ist: Meine Familie lässt mich das tun. "Also bitte, Henrik, jetzt mal zusammenreißen, den Kopf in kaltes Wasser stecken und tu, was du tun wolltest: Segel – aber bitte mit Freude!", sagt Tina am Telefon.

Recht hat sie!

Und schön ist es ja auch. Die Nächte waren bisher allerdings echt kurz und immer wieder unterbrochen von unstetem Wetter, mit Böen sprunghaft aus dem Nichts, mal eben von 20 Knoten auf über 30 hoch. Man sieht dem Wetter kaum an, wie sich der Wind entwickeln wird. Besonders nachts sind Böen häufig und eben noch schlechter zu erkennen. Aber so ist ist das hier unten, wenn man zwischen zwei massiven Hoch- und Tiefdruckwirbeln unterwegs ist. Es sollte nördlich von St. Helena aber etwas konstanter werden. Ich bin jetzt schon seit gestern mit dem gleichen Segeltrimm unterwegs.

Mein Kurs führt auf die Azoren. So gern würde ich dem kleinen Inselchen Ascension einen Besuch abstatten. Aber leider werde ich die Zeit für einen Stopp nicht haben. Ich bin in Kapstadt schon zwei Tage verspätet losgekommen und eigentlich dringend mit meinem Sohn Paul verabredet, um in seinen Oster-Frühjahrsferien zusammen mit meiner Familie Wale und Delfine zu beobachten. Also wieder mal alles Unmögliche versuchen! Wäre auch komisch, wenn's bei uns anders wäre.

Übrigens: Ich würde gern den Rest des Törns von den Azoren weiter nach Brest, Cherbourg bzw. Hamburg mit erfahrenen Mitseglern teilen. Wer sich berufen fühlt und ein paar Atlantikmeilen in Renn-Atmosphäre erleben möchte, sollte sich kurzfristig melden. Die Kojen werden meistbietend, zum Beispiel gegen neue Segel, vergeben. Abfahrt auf den Azoren etwa am zweiten Aprilwochenende." 

Wer ernsthaft Interesse hat, schickt ein Schreiben mit kurzer Segel-Vita und Kontaktdaten an mail@yacht.de, Betreff "Henrik Masekowitz". Wir leiten die Korrespondenz gern an die "Croix du Sud" weiter

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