Solo nonstop

Henrik Masekowitz vor der Aufgabe?

18.12.2015 Jochen Rieker, Fotos: YACHT/N. Günter - Nach einer Verletzung läuft der Einhandsegler, der bis auf kleine Probleme bisher so gut unterwegs und auf Rekordkurs war, jetzt Kapstadt an

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Fotograf: © YACHT/N. Günter

Vom Großbaum ins Cockpit geschleudert: Henrik Masekowitz verletzte sich in der Nacht am rechten Fuß

Es muss eine ungeheuer schmerzhafte Entscheidung gewesen sein, die Henrik Masekowitz in der Nacht von Donnerstag auf Freitag getroffen hat: weitersegeln oder aufgeben? Der 49-jährige Hamburger entschloss sich für den Abbruch und änderte seinen Kurs von Südost auf Nordost, Kurs Kapstadt. 

Seine Class 40 "Croix du Sud" steht derzeit knapp 800 Meilen westsüdwestlich der südafrikanischen Metropole, etwa vier Tage sind es noch bis dahin. Grund für die Aufgabe ist eine Verletzung, die zwar nicht gravierend erscheint, aber Masekowitz doch aus der Bahn geworfen hat. In einer ersten Nachricht schrieb er, ausnahmsweise in Großbuchstaben, was wohl die Tragweite und die Endgültigkeit seines Entschlusses verdeutlichen sollte:

"ENDE DER REISE IN CAPE TOWN! BAENDERRISS ODER SOWAS. ANSONSTEN ALLES OK! VERSUCHE IN 3-4 TAGEN CT ZU ERREICHEN. I AM DISSAPOINTED, SORRYALL"

Der Abbruch ist bitter, weil Masekowitz bisher eine erstaunlich reibungslose Fahrt hatte. Kein schweres Sturmtief, eine recht zügige Passage der Kalmen und einen direkten, vom St.-Helena-Hoch nur unwesentlich beeinflussten Kurs im Südatlantik, der ihm viel Vorsprung auf den fast zeitgleich gestarteten Amerikaner Joe Harris brachte, der ebenfalls auf einer Class 40 solo nonstop um die Welt will. 

Selbst die Aussichten für die kommenden Tage waren gut. Frischer, aber nicht stürmischer West- bis Nordwestwind hätte Masekowitz rasch vorangebracht. Anfang kommender Woche hätte er sein erstes großes Kap an Backbord liegen lassen, das Kap der Guten Hoffnung, das er nun wohl nicht mehr erreicht. Entsprechend zuversichtlich klang der Hamburger zuletzt. Gerade mal zwölf Stunden vor seiner Aufgabe hatte er gut gelaunt den Nullmeridian überquert: "Nur noch 360 Grad, dann bin ich fast wieder zuhause. na denn...", twitterte er gestern Mittag.

Auch den Verlust zweier Gennaker, die bereits geplatzt waren, steckte er einigermaßen rasch weg. Die großen Raumwindsegel wären wichtig gewesen für den Rekordversuch, den er beim World Sailing Speed Record Council angemeldet und der ihn zusätzlich motiviert hatte. Doch offenbar konnte er er den Tiefschlag zügig verarbeiten und sich mit seinem Code 5, einer Art Universal-Code-Zero, behelfen. Dienstag schrieb er dazu von Bord: "So, jetzt wieder SO. Neben mir ein Frachter nach Singapur. Mal sehen, wer schneller ist heute Nacht. Code 5 laeuft auch ganz gut Tiefe. Gruß H"

Zu der Verletzung war es bei einem Manöver an Deck gekommen. Gegenüber YACHT online erklärte Henrik Masekowitz heute früh:

"Mein rechter Fuß ist im Eimer. Kann nicht mehr auftreten. und zwar gar nicht! Bin gestern bei Arbeiten am geborgenen Großsegel vom Baum ins Cockpit geschleudert worden. Dabei ist der Lazyjack gerissen und ich bin im freien Fall auf meinem rechten Fuß gelandet. Nun ist irgendetwas da drin so hinüber, dass es schon bei der leisesten Bewegung höllisch wehtut, wirklich höllisch. Geschweige denn bei Belastung. Ich hüpfe auf links oder krabbele auf dem Boden herum.

Schöner Mist. Alles lief so gut. Hatte 1300 sm auf Joe und war endlich guter Laune. Gerade gestern habe ich das Gefühl bekommen: Ja, wir schaffen das! Und dann das. Irgendetwas will, dass ich es sein lasse. Erst im Sommer das Handgelenk und jetzt der Fuß."

Auf die Frage, ob seine Entscheidung endgültig sei, ließ Masekowitz noch ein kleines Türchen offen:

"Na ja, es sind 3-4 Tage bis Kapstadt. Wenn der Fuß nicht besser ist, höre ich dort auf. Im Moment sieht es aber danach aus."

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