Arktis-Törns

Faszination Nordwestpassage

Nie zuvor haben so viele Segelyachten und -boote den legendären Seeweg befahren wie 2017. Warum nur reizt viele Skipper ein Törn in Kälte, Ödnis, Einsamkeit?

Uwe Janßen am 17.10.2017
Nordwestpassage
Freydis-Crew

Eis, so weit das Auge reicht – wo ist die Lücke?

Über Jahrzehnte wagten sich maximal zwei Yachten pro Saison durch die unwirtliche Passage am Rande der Arktis. Dann, Ende der Nuller-Jahre, stieg diese Quote erstmals signifikant an, und 2017 verdoppelte sich in etwa die Zahl der Transite im Vergleich zu den Vorjahren. Sie erreichte mit 23 Booten Rekordniveau.

Dabei waren in diesem Jahr Schiffe, Typen und Crews aller Couleur vertreten – Einhandsegler und Mannschaften aus bezahlten Bootsleuten, Eignerschiffe und Charteryachten mit Gästen, Sportkat und Maxiyacht. Gründe genug also, einmal zu ergründen, worin dieser offenbar universelle Reiz besteht, dieses mythenumrankte Revier zu besegeln. Die YACHT widmet dem Thema deshalb im aktuellen Heft einen Schwerpunkt.

Nordwestpassage

Ankerplatz mit Eisbären – nicht nur das raue Klima bereitet hier Sorgen  

Zunächst berichtet Heide Wilts von ihrem 4000-Meilen-Törn von West nach Ost. Die „Freydis“ hatte in Alaska überwintert und ging das Abenteuer von Nome aus an. Heißt: Erst der lange Seeweg, dann das Eis im zweiten Teil der Reise vor Kanadas Nordküste. Dabei hat sich die „Early-Bird-Strategie“ von „Freydis“-Skipper Erich Wilts als goldrichtig erwiesen. Das Fenster für eine Durchquerung des Eises öffnet sich stets nur für kurze Zeit im Jahr – und manches Mal auch gar nicht. Deshalb war die Überlegung: So früh wie möglich am Rande des Eises sein, um eine Chance sofort zu ergreifen, sobald sie sich ergibt – es könnte womöglich keine zweite mehr geben. Vor zwei Jahren etwa wartete Blauwasser-Pionier Jimmy Cornell vergeblich auf eine Gelegenheit.

Die Suche nach der Lücke im Eis ist anstrengend, und sie verlief nicht immer harmonisch. Wann sollte eine Passage gewagt werden? Wie würde sich die Lage im Lauf der nächsten Stunden und Tage entwickeln? Über solche Fragen gingen die Meinungen an Bord schon gelegentlich auseinander. Wie der Törn schließlich zu einem guten Ende gebracht wurde und welche besondere Rolle dabei die externe Wetter- und Eislagen-Beratung spielte, lesen Sie in der neuen YACHT.

Nordwestpassage

Dem Wahnsinn nah: Yvan Bourgnon segelt mit seinem kleinen offenen Strandspielzeug durchs Eis – über Tausende Meilen  

Und Sie lesen von neuen Verrücktheiten eines alten Bekannten. Yvan Bourgnon, der Schweizer Abenteurer, hat nach seiner spektakulären Weltumsegelung im offenen Sportkatamaran nun auch die Nordwestpassage achteraus gelassen – mit demselben, 6,30 Meter kurzen Vehikel. Genial oder wahnsinnig? Die YACHT hat ihn gleich nach seiner Ankunft in Grönland gesprochen und versucht, auf diese Frage – und auf viele andere – eine Antwort zu bekommen. 

Interessante Erklärungen lieferte auch Jochen Winter. Der Hamburger hat mit seiner „Morning Haze“ in Gegenrichtung zu Wilts und Bourgnon die Passage besegelt. In einem aufschlussreichen Gespräch legt Winter dar, was ihn als gewöhnlichen Fahrtensegler in die extremen hohen Breiten zieht, wie er sich vorbereitete und durchkam, was es dazu braucht – und warum er mit dem Begriff „Mythos“ im Zusammenhang mit der Nordwestpassage wenig anfangen kann.

Nordwestpassage

Jochen Winters „Morning Haze“, vom Eis umschlossen – in diesen Breiten ein ganz normaler Vorgang

Abgerundet wird das Schwerpunktthema mit der Auswertung einer Statistik der University of Cambridge, die den rasanten Anstieg der Transite mit Segelfahrzeugen belegt – alle Zahlen, von Roald Amundsen bis heute.

Das große Spezial, das sehr deutlich macht, warum dieser entbehrungsreiche Törn immer beliebter wird, finden Sie in YACHT 23-2017. Das Heft gibt es jetzt am Kiosk, im DK-Shop – und Sie können direkt hier digital bestellen!

Uwe Janßen am 17.10.2017

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