Reportage

800 Meilen ohne Motor nach Hause

In Norwegen fällt die Maschine aus, die Reise scheint zu Ende. Doch eine Seglerin setzt ihre Reise dennoch fort – und erlebt das Segeln neu

Johannes Erdmann am 03.12.2013
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Weidemanns "Sieben" an einer Schäre

"Wie haben Sie denn hier überhaupt angelegt?", fragt mich die Nachbarcrew verdutzt, als sie erfährt, dass ich nicht nur einhand, sondern auch noch ohne Maschine unterwegs bin. Ich liege an der Nordwest­küste Schwedens, in Vettnet auf den Koster-­Inseln. Der Bug weist zum Steg und ist mit einer Vorleine befestigt. Achtern hält ein Heckanker das Schiff parallel zu den Nachbarbooten, wie es in Schweden üblich ist.

"Ganz normal", antworte ich und beschreibe mein Manöver: "Ich segele den Steg am Wind an. Ein paar Bootslängen vor dem Steg – je nach Wassertiefe – fällt dann der sorgfältig vorbereitete Heckanker. Mit der Restfahrt erreiche ich den Steg, belege die Vorleine und erst dann achtern die Heck­ankerleine." Bei der Beschreibung versuche ich, möglichst nicht überheblich zu wirken, denn ein klein bisschen bin ich schon stolz darauf, dass das Anlegen nun so problemlos klappt. Mittlerweile seit 14 Tagen sind die Segel für mich an Bord der acht Meter langen Albin Accent der einzige Antrieb.

Als der alte Motor in Egersund in Norwegen den Geist aufgegeben hatte, war mein Sabbatical unter Segeln für mich gedanklich gescheitert. "Maschinenschaden", sagten die Motorenexperten, "und bei dem alten Ding lohnt die Reparatur nicht mehr." Doch ir­gend­wie muss ich das Boot ja noch nach Hause überführen. Keine leichte Aufgabe, denn der Kurs führt quer durch die Schärenwelt, in der sich manch einer selbst mit Maschine unsicher fühlt. Ein eilig gebraucht gekaufter Außenborder springt ebenfalls nicht an. Für einen weiteren reicht das Geld nicht. Ich muss eine harte Entscheidung treffen: Törnende in Egersund oder ohne Maschine weiter. Ich entscheide mich für Letzteres.

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Genaue Planung ist ohne Motor noch wichtiger

Nicht selten sind auf dem weiteren Törn "Nerven stark wie Dyneema" gefragt, wenn sich Susanne Weidemann in die Schärenreviere begibt, "die manchen Leuten selbst mit Maschine Kopfschmerzen bereiten". Doch die Reise gelingt. Die 38-Jährige aus Bochum legt von Egersund bis nach Travemünde 824 Seemeilen motorlos zurück, läuft 28 Häfen, sechs Buchten und fünf Schären an. Ein beeindruckender Törn – lesen Sie die ganze Geschichte in YACHT 25/26-2013 – ab sofort am Kiosk erhältlich.

Johannes Erdmann am 03.12.2013

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