Henk de Velde
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Bericht vom 11. August 2001

Begegnungen und Kollisionen
Henk de Velde stößt weit ins Nordpolarmeer vor und geht nun auf Kurs Süd - Richtung Antarktis

Dieses Mal nur ein kurzer Bericht, weil es sehr neblig ist und man mit Eis rechnen muss. Ich bin auf dem Rückweg nach Longyearbyen, um Nordost-Land herum. Das wird wahrscheinlich zum ersten Mal in der Geschichte von einer Segelyacht versucht, jedenfalls solo.

    Ich habe gerade eine Woche mit wundervollen Eis-Bedingungen bei 81,22 Grad nördlicher Breite an der Grenze zum Polareis hinter mir. Das Eis ist in diesem Jahr sehr weit zurückgegangen, trotzdem war es ein beeindruckender Anblick. Die Sonne war rund um die Uhr zu sehen, vier Finger hoch in der Nacht und sechs am Tag. Das Farbenspiel war einfach phänomenal. Von weiß über blau nach grün, am Abend dann violett und rot. Die Farben des Wassers wechselten zwischen blau, schwarz und durchsichtig.

    Ich war überrascht von der im Eis herrschenden Stille und den im Gegensatz dazu donnernden Geräuschen am Ufer, die entstehen, wenn der Seegang die Eismassen bewegt. Aber ich schaffte es bis in die geheimnisvolle Welt des Polarmeeres. 81,22 Grad nördlich und 26,3 Grad östlich: Von diesem Punkt aus steuerte ich einen südöstlichen Kurs Richtung Storoya-Insel an, die normalerweise komplett von Eis bedeckt ist. Momentan ist jedoch nur eine Eiskappe auf den Bergen sichtbar, die Landschaft an der Küste ist kahl und steinig. Es gibt dort viele Walrosse, die um mein ankerndes Schiff herum geschwommen und getaucht sind.
Der Boden um diese Insel ist besonders moderig, sodass ich meinen Anker innerhalb von 24 Stunden fünfmal umsetzen musste. Vom Berg herab wehte der Wind mit 35 Knoten. Im Arctic Pilot (Norske Los Nr. 7) habe ich gelesen, dass ein großer Teil dieses Gebiets noch nicht vermessen ist. Das habe ich am eigenen Leib zu spüren bekommen, denn mehrere Male bin ich auf Grund gelaufen. Trotzdem war es ein großartiger Tag, mit Walrossen rund um mein Schiff und Eisbären am steinigen Strand.

    Einige Stunden nach meiner Abfahrt war ich von dichtem Nebel umgeben. Das Radargerät funktionierte nicht, und ich befand mich in einer kartografisch noch nicht verzeichneten Gegend. Also kam, was kommen musste: Ich rammte das nächste (nicht verzeichnete) Riff, hatte allerdings Glück, es ist nichts passiert. Wie gut, wenn man mit einer Stahlyacht unterwegs ist. Jetzt befinde ich mich wieder auf dem Rückweg, durch die Hinlopen Straße.

    Ein Vers ging mir heute nicht aus dem Kopf:

"Bang the drum slowly, play the pipe lowly
To dust we returning, from dust we begin
Bang the drum slowly, I speak of things holy above and below me,
World without end"
(Emmylou Harris)

(sinngemäße Übersetzung:
Schlag die Trommel langsam, spiel die Pfeife leise
Zum Staub kehren wir zurück, aus dem Staub kommen wir
Schlag die Trommel langsam, ich rede von heiligen Dingen über und unter mir,
von einer Welt ohne Ende.)

    Die Welt ist großartig und wundervoll, und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich auf meine Weise ein Teil von ihr sein kann.

Henk

 
 
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