Der Dänemark-Korrespondent der Yacht, Jürgen Helm, befindet sich auf einer zweimonatigen Rundreise durch die Ostsee. Von seiner Reise durchs Mare Balticum berichtet er fortlaufend für die Leser von YACHT-online.


Folge 5: Lettland

Aennchen
Anleger Liepaja
© J. Helm

Auf der Fahrt von Klaipeda zum lettischen Liepaja/Liebau ist es zum ersten Mal sommerlich warm während unseres Baltikum-Törns. Wir genießen die etwas über 50 Seemeilen lange Tour in der lauen Nacht, in der es nie ganz dunkel wird, bei einem leichten südwestlichen Wind. Die Grenzkontrolle in Liepaja ist vom engen Fischereihafen zum östlichen Ende des Handelshafens verlegt worden. Kurz vor der Straßenbrücke befindet sich ein Steg mit Wasser- und Stromanschluss (Schukostecker).

    Der Hafen ist ständig bewacht. Bevor jedoch die Grenzbeamten auftauchen, müssen wir gut eine Stunde warten, obwohl sie bei unserer Anmeldung beim Hafen über Kanal 11 (Liepaja Traffic) eine Stunde vor dem Einlaufen informiert worden sind. Die beiden Beamten strömen den diskreten Duft reichlich genossenen Wodkas aus, was vielleicht auch als Entschuldigung dafür gelten kann, dass wir nachmittags, als wir nach Pavilosta/Paulshafen weitersegeln wollen, wiederum gut zwei Stunden warten müssen.
Die eigentliche Kontrolle geht innerhalb weniger Minuten über die Bühne. Für Lettland gilt, dass in jedem Hafen ein- und ausklariert werden muss. Eine Menge Papierkram also, deshalb sollten bereits vor der Reise reichlich Mannschaftslisten mit Namen, Geburtsort und -datum, Reisepassnummer und Anschrift erstellt werden. Außerdem müssen zur Yacht Angaben wie Name, Heimathafen, Werft, Typ und Registrier- bzw. Segelnummer aufgeführt sein.

Aennchen
Fischerboote in Ventspils
© J. Helm

    Für eine 10-Meter-Yacht sind in Liepaja 15 US-Dollar Hafengeld zu zahlen. In einem unansehnlichen Gebäude dicht beim Bootssteg sind in frisch gestrichenen Räumen Toilette, Dusche und ein Handwaschbecken installiert worden. Zum Zentrum des kleinen Städtchens sind es nur wenige Minuten. Auf dem Weg dorthin liegt die Kirche, deren Äußeres zur Renovierung drängt. Innen erstrahlt sie jedoch bereits wieder in altem Glanz, und dass es gilt, sich auf neue Zeiten vorzubereiten, zeigt eine EU-Flagge im Kirchenschiff. Gegen ein paar Münzen darf der Kirchturm bestiegen werden, von wo man einen guten Überblick über die Hafenstadt hat.

    Ventspils und Liepaja sind wohl die Häfen, die von den meisten Seglern auf der nordsüdlichen Strecke angelaufen werden. Doch als hervorragende Alternative bietet sich Pavilosta/Paulshafen an. Mit 144 Grad, geleitet von einem Richtfeuer, wird der Flusshafen angesteuert. Direkt hinter einer Linksbiegung liegt der neue Steg mit Wasser- und Stromanschluss (Eurostecker). In einem neugebauten Haus gibt es eine Dusche samt Toilette und Handwaschbecken. Vom Hafen zum wunderschönen Strand sind es nur wenige Minuten, dicht dabei ist ein Kinderspielplatz, ein interessantes lokalhistorisches Museum und ein moderner Kaufmannsladen in der "Hauptstraße" des kleinen Ortes mit nur 1.300 Einwohnern.

Aennchen
Ventspils
© J. Helm

Direkt beim Hafen befindet sich die Polizeistation, von wo aus das gesamte Gelände mit einer Videokamera ständig überwacht wird. Wer will, kann also von hier aus Riga besuchen oder andere Ausflüge machen, ohne Sorge um sein Boot haben zu müssen. Die Grenzkontrolle wird vom Dorfpolizisten, der wie der Hafenmeister gut deutsch spricht, ruck-zuck durchgeführt. Eine Nacht im Hafen kostet 6 LVL (knapp 20 DM).
Ein Spaziergang durch den Ort erinnert an eine Filmkulisse aus den 20er oder 30er Jahren. Die meisten Wohnhäuser sind aus Holz erbaut, und ohne Zweifel wird Pavilosta einmal zu den attraktivsten Erholungsstätten Lettlands gehören, wenn die Instandsetzungs- und Aufräumarbeiten durchgreifenden Erfolg zeigen.

    Auch für den Hafen bestehen große Ausbaupläne. Ventspils ist einer der größten Häfen Lettlands. Über Kanal 9 meldet man sein Kommen bei Ventspils Traffic. Auf dem Weg zum Fischereihafen passiert man einen grauen Turm mit weißem Schild, das auf die Grenzkontrolle hinweist. Kleinere Schiffe können dort nicht anlegen.
Bei unserem Eintreffen steht dort auch nur ein Uniformierter, der uns freundlich grüßt und weiter in die neugebaute Marina winkt. Hier werden wir am Steg mit Heckankerbojen vom Hafenmeister empfangen, der uns mit auf sein Büro nimmt, wo die notwendigen Papiere ausgefüllt werden. Es ist die Marina mit dem höchsten qualitativen Standard, die wir bisher angelaufen haben. Alle notwendigen Einrichtungen und Installationen sind vorhanden. Auch eine Bar, die das hervorragende lettische Bier ausschenkt. Das Hafengeld für ein Zahn-Meter-Boot beträgt 6,6 LVL plus 0,5 LVL pro Person (20 DM plus 2 DM).

Aennchen
Yachtklub Ventspils
© J. Helm

    Am Tag unseres Aufenthaltes wird mit großem Aufwand die Verleihung der blauen EU-Umweltflagge für den unmittelbar hinter dem Hafen liegenden Strand gefeiert. In der Stadt, die einmal zu den am meisten verunreinigten gehörte, wo die Behörden sogar Atemmasken für Kinder austeilten, um sie vor den gesundheitsgefährdenden Abgasen der Fabriken zu schützen, gibt es jetzt wieder einen wunderbaren, kilometerlangen Sandstrand mit Kinderspielplatz und Rettungsstation, der den Umweltkriterien der EU entspricht. Ein Zeichen, das hoffen lässt für die Zukunft der Region.


Karte

  

 

[nach oben] | [zur Hauptseite]


Copyright © 2001 YACHT online - Delius Klasing Verlag

Nida Klaipeda Königsberg Pillau