Der Dänemark-Korrespondent der Yacht, Jürgen Helm, befindet sich auf einer zweimonatigen Rundreise durch die Ostsee. Von seiner Reise durchs Mare Balticum berichtet er fortlaufend für die Leser von YACHT-online.
Auf der Fahrt von Klaipeda zum lettischen Liepaja/Liebau ist es zum ersten Mal sommerlich warm während unseres Baltikum-Törns. Wir genießen die etwas über 50 Seemeilen lange Tour in der lauen Nacht, in der es nie ganz dunkel wird, bei einem leichten südwestlichen Wind. Die Grenzkontrolle in Liepaja ist vom engen Fischereihafen zum östlichen Ende des Handelshafens verlegt worden. Kurz vor der Straßenbrücke befindet sich ein Steg mit Wasser- und Stromanschluss (Schukostecker). Der
Hafen ist ständig bewacht. Bevor jedoch die Grenzbeamten auftauchen,
müssen wir gut eine Stunde warten, obwohl sie bei unserer Anmeldung
beim Hafen über Kanal 11 (Liepaja Traffic) eine Stunde vor dem Einlaufen
informiert worden sind. Die beiden Beamten strömen den diskreten
Duft reichlich genossenen Wodkas aus, was vielleicht auch als Entschuldigung
dafür gelten kann, dass wir nachmittags, als wir nach Pavilosta/Paulshafen
weitersegeln wollen, wiederum gut zwei Stunden warten müssen.
Für eine 10-Meter-Yacht sind in Liepaja 15 US-Dollar Hafengeld zu zahlen. In einem unansehnlichen Gebäude dicht beim Bootssteg sind in frisch gestrichenen Räumen Toilette, Dusche und ein Handwaschbecken installiert worden. Zum Zentrum des kleinen Städtchens sind es nur wenige Minuten. Auf dem Weg dorthin liegt die Kirche, deren Äußeres zur Renovierung drängt. Innen erstrahlt sie jedoch bereits wieder in altem Glanz, und dass es gilt, sich auf neue Zeiten vorzubereiten, zeigt eine EU-Flagge im Kirchenschiff. Gegen ein paar Münzen darf der Kirchturm bestiegen werden, von wo man einen guten Überblick über die Hafenstadt hat. Ventspils
und Liepaja sind wohl die Häfen, die von den meisten Seglern auf
der nordsüdlichen Strecke angelaufen werden. Doch als hervorragende
Alternative bietet sich Pavilosta/Paulshafen an. Mit 144 Grad, geleitet
von einem Richtfeuer, wird der Flusshafen angesteuert. Direkt hinter einer
Linksbiegung liegt der neue Steg mit Wasser- und Stromanschluss (Eurostecker).
In einem neugebauten Haus gibt es eine Dusche samt Toilette und Handwaschbecken.
Vom Hafen zum wunderschönen Strand sind es nur wenige Minuten, dicht
dabei ist ein Kinderspielplatz, ein interessantes lokalhistorisches Museum
und ein moderner Kaufmannsladen in der "Hauptstraße" des kleinen
Ortes mit nur 1.300 Einwohnern.
Direkt beim Hafen
befindet sich die Polizeistation, von wo aus das gesamte Gelände
mit einer Videokamera ständig überwacht wird. Wer will, kann
also von hier aus Riga besuchen oder andere Ausflüge machen, ohne
Sorge um sein Boot haben zu müssen. Die Grenzkontrolle wird vom Dorfpolizisten,
der wie der Hafenmeister gut deutsch spricht, ruck-zuck durchgeführt.
Eine Nacht im Hafen kostet 6 LVL (knapp 20 DM). Auch
für den Hafen bestehen große Ausbaupläne. Ventspils ist
einer der größten Häfen Lettlands. Über Kanal 9 meldet
man sein Kommen bei Ventspils Traffic. Auf dem Weg zum Fischereihafen
passiert man einen grauen Turm mit weißem Schild, das auf die Grenzkontrolle
hinweist. Kleinere Schiffe können dort nicht anlegen.
Am Tag unseres Aufenthaltes wird mit großem Aufwand die Verleihung der blauen EU-Umweltflagge für den unmittelbar hinter dem Hafen liegenden Strand gefeiert. In der Stadt, die einmal zu den am meisten verunreinigten gehörte, wo die Behörden sogar Atemmasken für Kinder austeilten, um sie vor den gesundheitsgefährdenden Abgasen der Fabriken zu schützen, gibt es jetzt wieder einen wunderbaren, kilometerlangen Sandstrand mit Kinderspielplatz und Rettungsstation, der den Umweltkriterien der EU entspricht. Ein Zeichen, das hoffen lässt für die Zukunft der Region.
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