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  Gegen die Strömung und gegen den Wind
Die Geschichte der Nonstop-Gegenwind-Weltumsegelungen
 
Zweifache Strecke, dreifache Zeit, vierfache Kraft. - Diese simple Daumenregel besagt, wie viel aufwändiger eine Erdumrundung gegen die vorherrschenden Winde und Strömung ist, als mit ihnen.
     Erst im Jahr 1969 war es dem Briten Robin Knox-Johnston gelungen, den Globus nonstop in West-Ost-Richtung, also in der "richtigen" Richtung mit meist achterlichen Winden, zu umsegeln. Gemessen an anderen Pionierleistungen in der Natur, etwa wie die Erstbesteigung des Mount Everest im Jahre 1953 ist diese "Erstbesegelung" des Planeten noch bemerkenswert frisch: Nur wenige Segler folgten bis dato im Kielwasser Knox-Johnstons. Nach dem Absegeln dieses Nonstop-extrem-Törns (Buch: Die magische Route) 1984 gehörte Wilfried Erdmann zu einer Handvoll Segler, die diese Leistung überhaupt erbracht hatten. Durch das Vendée-Globe-Rennen (ab 1989) wurde die Strecke später aber institutionalisiert, und die Zahl der einsamen Nonstop-Helden wuchs alle vier Jahre sprunghaft an. Für Erdmann offensichtlich Grund genug, sich von der schnell größer werdenden Menge der "Gipfelstürmer" erneut abzusetzen. Auf die "magische" folgt nun die fast "unmögliche" Route um die Erde: gegen Wind und Strömungen allein um den Globus.
     Die Geschichte der Nonstop-Gegenwind-Umsegelungen ist viel kürzer und jünger als die der "normalen" Richtung: Im Jahre 1970 wagte der britische Fallschirmjäger Chay Blyth als Erster das Unmögliche: Mit der 61 Fuß Ketch "British Steel" kämpfte er sich 291 Tage am Wind durch die Südozeane von England nach England, als das gerade anstehende erste Whitbread-Rennen mit Crew und in Etappen mit dem Wind um die Erde - als bereits ultimativ extrem angesehen wurde.
    Der Italiener Ambrogio Fogar tat es Chay Blyth 1973 gleich und umrundete die Welt in mehr als einem Jahr allein an Bord der GFK Slup "Surprise". Blyths Rekord blieb jedoch ungebrochen, bis 1994 der britische Profiskipper Mike Golding ein Boot der BT-Challenge-Flotte (ein 67-Fuß-Stahlkutter) einhand gegen den Wind in 161 Tagen um den Globus segelte. Und erst vor wenigen Monaten beendete der französische Extremsegler Philippe Monnet als dritter Mensch das Gegenwindabenteuer und setzte den Rekord auf 151 Tage herab. Sein Boot: eine federleichte Yacht der offenen 60-Fuß- Klasse (Open 60).
    Die Geschichten aller drei Fahrten handeln vor allem von Entbehrungen: Kälte, Stürme, Einsamkeit und ernste Schäden am Boot. Der Franzose Monnet ist zudem mitten im südindischen Ozean von einer Malaria-Attacke flachgelegt worden. Nur sehr wenige Segler also wagen sich an die Gegenwind-Umsegelung heran. Dennoch gibt es bereits eine bemannte Regatta, die mit Etappenstopps die Knüppelstrecke zum Kurs hat: die BT-Challenge (Start 10. September in Southampton). Sie wird gesegelt auf einem Dutzend baugleicher Yachten, die von Profiskippern geführt und mit zahlenden Gästen“ bemannt werden. Initiator dieses härtesten Rennens der Welt“: Sir Chay Blyth selbst, für seine Verdienste längst von der Queen geadelt.
    Die Gegenwindroute hat schon viele scheiternde Yachten gesehen. Im letzten Jahr versuchte sich der französische Einhandsegler Jean Luc Van den Heede an dem Rekord mit seinem Open 60, kollidierte aber mit einem treibenden Gegenstand und gab auf. Und die Engländerin Samantha Brewster probierte, die erste Frau zu werden, die die Welt verkehrt herum“ umsegelt. Aber auch sie musste mit ihrem Boot, das der BT-Challenge-Flotte angehörte, umdrehen. Mit einer 70 Fuß langen Spezialyacht möchte Van den Heede übrigens bald wieder los. Für das neue Schiff setzt er auf Aluminium als Baumaterial.
    Wie Erdmann bei der Kathena nui“. Wilfried Erdmann ist nach wie vor der einzige Deutsche, der je die Erde ohne anzuhalten umsegelt hat. Ein Erfolg auf der Gegenwindroute würde ihn unangefochten zum deutschen Reinhold Messner der See machen.
 

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