Klassiker

Rettung in letzter Sekunde

Auf der Yacht- & Bootswerft Stapelfeldt an der Schlei wird der yachthistorisch wertvolle 5.5er "Jane" vor der Kettensäge gerettet

Lasse Johannsen am 16.01.2018
5.5er "Jane"
Rüdiger Wiesner

5.5er "Jane"

Es hat nicht viel gefehlt, und von "Jane" wäre nichts mehr übrig geblieben. "Als wir das Schiff besichtigten, lag die Kettensäge schon einsatzbereit daneben", sagt Jo Vierbaum, Betriebsleiter der Yacht- & Bootswerft Stapelfeldt, gegenüber YACHT online.

Kurzentschlossen machte die Werft-Crew das, was von dem einstigen Regattaboot übrig geblieben war, transportfertig. In Grauhöft an der Schlei wird das Boot nun im Rahmen eines Lehrlings-Projekts restauriert. Zu sehen ist es während der boot Düsseldorf im Classic Forum in Halle 14, wo Altmeister Willy Stapelfeldt mit "seinen Jungs" daran arbeiten wird.

Olympia-Vergangenheit

Die Geschichte des Int. 5.5ers "Jane" ist nur noch lückenhaft zu rekonstruieren. Das Boot lief 1952 mit der Baunummer 16 bei der Walsted Bådewærft in Svendborg vom Stapel. Auftraggeber war der dänische Regattasegler E. J. V. Hansen in Kopenhagen, der den Plan hatte, sich mit dem Design des renommierten norwegischen Konstrukteurs J. H. Linge (Soling) für die olympischen Sommerspiele in Helsinki zu qualifizieren.

Es waren die ersten Spiele, auf denen der 5.5er die bis dahin olympischen Sechser ersetzte. Ende der 1940er-Jahre hatte der britische Konstrukteur und Werftbesitzer Charles E. Nicholson diese moderne Konstruktionsklasse in Anlehnung an die Meterformel entwickelt. Das Ergebnis waren erheblich billiger zu bauende Boote, die den Konstrukteuren außerdem mehr Spielraum ließen.

Im Sturm stark beschädigt

"Jane" wurde in den Neunzigern während eines Sturms stark beschädigt. Unter anderem wurde das Heck zerstört und zahlreiche Spanten und Planken brachen. Die Reparatur in der Bootswerft Praesto zog sich hin, der Eigner wurde alt, und dann schloss die Werft ihre Tore. Ein entfernter Bekannter des Eigners übernahm das Boot 2003 und brachte es in seine Halle in Stubbekøbing. Hier stand "Jane" die letzten 14 Jahre und wartete vergeblich auf ihre Restaurierung.

Fotostrecke: 5.5er "Jane"

Bald wieder nahezu im Originalzustand

Die erfolgt nun an der Schlei, in der Hoffnung, dass sich ein Liebhaber für das formschöne Boot finden wird, der es wieder segelt. Ein Hingucker ist ihm sicher. "Jane" wird optisch originalgetreu wieder aufgebaut. Bis auf einige formverleimte Rahmenspanten werden Eschenspanten eingedämpft. Moderne Kleber und Lacke sollen den 5.5er wieder zu einem langlebigen, robusten und vielseitig einsetzbarem Schmuckstück machen. Die Außenhaut wird mit dem Mahagoni-Holz, welches bereits Ende der Neunziger zur Reparatur bei Praesto angeschafft wurde, neu aufgeplankt.

"Jane", so Jo Vierbaum, bringe viel Nostalgie mit. Sämtliche Original-Beschläge und sogar die originalen Segel von 1952 seien noch vorhanden. "Sie wird ein herausragender klassischer 5.5er werden", ist sich der Bootsbauer sicher.

TV-Beitrag von Arne Schröder

Lasse Johannsen am 16.01.2018

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