Auszeichnung

Geliebt und bewahrt – auch ohne Segel

Mit der Anerkennung "Segeln – Lieben – Bewahren" ehrte der Freundeskreis Klassische Yachten auf der Hanseboot erstmals ein Motorboot

Lasse Johannsen am 02.11.2017
Segeln-Lieben-Bewahren 2017
YACHT/L. Johannsen

Eignerin Dörte Meyer war mit Ehemann, Tochter und Enkelin zugegen, um die Auszeichnung im Rahmen der Messe-Party des Freundeskreises entgegenzunehmen.

Fotostrecke: Preisträger "Kuhsiel", Hanseboot 2017

In seiner Laudatio führte Torsten Conradi, Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbandes, aus:

Der Begriff "Autoboot"

Mit dem Thema "Autoboot" begeht der Freundeskreis klassische Yachten auf der Hanseboot Neuland, standen doch bisher stets besegelte Exponate auf seinem Messestand. Zu Unrecht, wie die hier ausgestellten Exemplare beweisen.

Das Interesse an Motorbooten für Vergnügungsfahrten in geschützten oder küstennahen Gewässern entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zeichen wachsenden industriellen Wohlstands.

Kuhsiel

Autoboot "Kuhsiel"

Um 1900 tauchte vereinzelt das Wort "Autoboot" auf. Es unterschied sich von anderen motorisierten Wasserfahrzeugen durch eigene charakteristische Merkmale, vor allem die Aufstellung des Motors unter dem langen Vordeck oft mitsamt eines V-förmigen Wasserabweisers, den geraden Steven, das hohe, teilweise um die Sitzbänke herummodellierte Süll und gerne große Lufthutzen. Lenksäule statt hölzernem Steuerrad und Windschutzscheibe sind in Form und Funktion identisch zu denen zeitgenössischer Automobile. Meist stammte zudem die Maschine aus einem Automobil. Der Gashebel ersetzt den Maschinentelegrafen.

Opel Laubfrosch als Bootsantrieb

Das hier ebenfalls ausgestellte Autoboot "KUHSIEL" entstand in den 20er Jahren auf der in Bremen-Walle ansässig gewesenen Bootsbauerei Driebe. Leider ist sowohl über den kleinen Betrieb nur wenig in Erfahrung zu bringen als auch über den Konstrukteur des Bootes. Die Frage nach Bauplänen oder Einzelheiten wurde von Frau Driebe mit den überlieferten Worten beantwortet: "Hören Sie zu, junger Mann - wir sind 2 x ausgebombt worden und haben nichts mehr".

Nach ihrer Aussage sind damals die Leute mit einem Motor unter dem Arm angekommen, häufig einem DIXI oder Opel Laubfrosch, mit dem Kommentar: "baut mir mal ein Boot darum". Nach dem Krieg hat man bis ca. 1950 noch Boote gebaut, danach ist der Betrieb verschwunden.

Seit 1961 in Familienbesitz

Im Sommer 1961 haben sich die Eltern der heutigen Eignerin in der kleinen Ansiedlung "Kuhsiel" an der Einmündung des Kuhgrabens in die Wümme ein Wochenendhäuschen zugelegt. In dem zu diesem Häuschen gehörenden Bootsschuppen lag das 5,6 m lange Autoboot, das den Namen dieser Freizeitstätte erhalten hat.

Ursprünglich mit einem 10 PS starken Dixi-Motor der Fahrzeugfabrik Eisenach ausgerüstet, ist das Boot zeitweilig mit einem aus einem Opel-Rekord ausgebauten Motor angetrieben worden. Inzwischen dient ein moderner 20 PS Bootsmotor als Antrieb.

Das Boot befindet sich bis heute im Familienbesitz. Es dient nicht nur für den Sonntagsausflug auf Wümme und Weser, sondern hat zahlreiche umfangreiche Ausfahrten erlebt, so z.B. im Hadelner Kanal, auf der Müritz und anhängenden Gewässern, der gesamten Weser, Westfriesland und holländische Kanäle, Berliner Gewässer, die Oder, das Haff und die Peene. Es ist trotz seines hohen Alters von über 90 Jahren kein Schmuckstück für die Vitrine, sondern erfüllt noch immer seine ursprüngliche Bestimmung zur Freude der Eigner und zeigt sich in guter Kondition.

Lasse Johannsen am 02.11.2017

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