Dock Control

Bavaria zeigt neue Manövrierhilfen

12.12.2011 Jochen Rieker, Fotos: YACHT, YACHT-Archiv - Nach Beneteau, Jeanneau und Hanse bietet in Kürze auch Bavaria ein Docking-System an, das Maschine, Bug- und Heckstrahler integriert

Bavaria Cruiser 50 mit Dock Control
Fotograf: © YACHT

Bavaria Cruiser 50: Hafenballett mit Hilfe von Dock Control

Um Stress beim Hafenmanöver abzubauen, hat Bavaria zusammen mit dem schwedischen Anbieter von Strahlrudern RMC ein Jahr lang an einer eigenen Lösung entwickelt. Sie kombiniert die jeweils ausklappbaren Bug- und Heckstrahler, den Autopiloten sowie den Schiffsdiesel von Volvo Penta in einer einzigen Bedieneinheit, dem Dock-Control-Joystick. 

Er arbeitet in zwei Betriebsarten:

  • Im Cruising-Modus dient er als elektronischer Fahrhebel und regelt Motordrehzahl sowie Getriebe (vorwärts, Leerlauf, achteraus). Drückt der Skipper ihn ganz nach vorn, kuppelt das System den Vorwärtsgang ein und gibt Vollgas. Diese Stellung wird beibehalten, auch wenn derJoystick anschließend wieder in die Mittellage zurückgeht. Der Steuermann muss ihn erst wieder bedienen, wenn er die Drehzahl reduzieren oder den Rückwärtsgang einlegen möchte.  
  • Im Docking-Modus, wenn die Querstrahler abgesenkt sind und das System in Bereitschaft versetzt ist, reagiert der Joystick anders. Hier funktioniert er ohne Memory-Effekt. Will man also durch den Vorhafen motoren, muss man den Hebel währenddessen permanent in Fahrt-Voraus-Stellung halten. Lässt man ihn los, schaltet der Motor automatisch in den Leerlauf, das Schiff läuft aus und bleibt schließlich stehen.

Hintergrund für diese Lösung, die zunächst gewöhnungsbedürftig erscheint: Bavaria spart sich so den eigentlichen Ganghebel und macht den Skipper schneller vertraut mit der Bedienung durch den Joystick.

Ist Dock Control aktiv und alle Systeme einsatzklar, lässt sich die Yacht fast nach Belieben steuern: außer vor- und rückärts auch seitwärts, schräg voraus oder schräg achteraus und auf der Stelle drehend. Sie macht exakt, was der kleine Knüppel im Cockpit vorgibt – analog zu dessen Bewegung. Einfacher geht es nicht.

"Wir haben das System ausgiebig getestet", sagte Produktmanager Daniel Kohl gegenüber YACHT online. Fünf Prototypen waren im Einsatz, darunter auch das Flaggschiff, die fast 17 Meter lange Cruiser 55. Insgesamt 60 Probanden sollten zeigen, ob die Lösung intuitiv genug ist. "Ein Viertel von ihnen", so Kohl, "hatte zuvor keinerlei Erfahrung im Umgang mit Booten. Aber alle kamen auf Anhieb gut zurecht." 

Bavaria Dock Control
Fotograf: © YACHT-Archiv

Stark: RMC Swing Thruster

Bavaria legte bei der Entwicklung besonders großes Gewicht auf einen möglichst störungsfreien Betrieb. Denn in der Tat sind Ausfälle mitten im Manöver das Letzte, was Kunden wollen, die sich auf ein solches Assistenzsystem verlassen. Zumal es bei Mehrkosten von über 20.000 Euro zu den teuersten Extras überhaupt zählt. Deshalb verbaut die Werft RMC Swing Thruster mit vergleichsweise hoher Leistung. Bei einem 40-Fuß-Schiff kommen am Heck 6-Kilowatt-Motoren zum Einsatz, im Bug leisten sie 5 Kilowatt. Sie müssen für gleichen Schub nicht so lange laufen wie kleinere Antriebe und neigen daher weniger zur Überhitzung. Ein unabhängiger Test steht aber noch aus. Die YACHT wird nach der Präsentation der neuen Vision-Serie erstmals Gelegenheit haben, die Technik zu erproben. 

Mehr über integrierte Manövrierhilfen, über Praxiserfahrungen und wie man die Systeme sinnvoll einsetzt, lesen Sie in einer großen Marktübersicht in YACHT 1-2012 (ab 19. Dezember am Kiosk).

Auto Tack ermöglicht Wenden, ohne die Schoten von Hand bedienen zu müssen 

Das Assistenzsystem fürs An- und Ablegen ist nicht die einzige Weltpremiere, die die größte deutsche Sportbootwerft Ende Januar auf der boot Düsseldorf feiert. 

Daneben zeigen die Franken auch ein Konzept, mit dem Wenden auf Knopfdruck möglich sind – eine Funktion der neuen Revo-Backwind-Winschen von Lewmar, die Bavaria zunächst exklusiv anbietet.

Lewmar Revo Backwind
Fotograf: © YACHT-Archiv

Holt und fiert: Lewmar Revo

Die E-Winden können fieren und holen. Und sie tun dies über eine spezielle Steuerung auch synchron. Mit anderen Worten: In der Wende muss niemand mehr Hand an die Genuaschoten legen. Mit dem Drücken von nur einem Knopf fiert die Trommel in Luv, während die Winsch in Lee die neue Schot dichtzieht – eine erhebliche Vereinfachung der Manöverabläufe. Auch hier fehlen bislang Testerfahrungen. Zumindest die Präsentation auf der Ausrüstungsmesse Mets in Amsterdam gestaltete sich aber vielversprechend. YACHT tv stellt das System, das unter dem Namen "Auto Tack" läuft, in Kürze exemplarisch vor.

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