"Alinghi" fliegt nach Auckland
600.000-Mark-Transport in der Luft

Nach einer vierstündigen Lkw-Fahrt quer durch die Schweiz - von der Fabrik in Vevey am Genfer See bis nach Zürich - traf die brandneue "Alinghi", SUI-64, des Schweizer America's-Cup-Syndikats gestern Mittag am Flughafen von Zürich ein. Mit hochgeklapptem Bug stand das größte Transportflugzeug der Welt, eine russische Antonov 124-100, bereit, um den 26 Meter langen, perfekt verhüllten Yachtrumpf, einen veritablen Carbon-Keks, zu verschlingen. Zu der rumpfumfassenden Verpackung, die der Geheimhaltung dient, meinte Designchef Rolf Vrolijk lachend: "Man weiß nicht, ob ein Schiff oder eine Rakete drinsteckt!"

    Ein Schiff ist es, eine Rakete sollte es sein: Die Berechnungen, die dem Bau der "Alinghi" zugrunde liegen, machen sie - zumindest theoretisch - zur schnellsten Yacht der International America’s Cup Class der neuesten Generation. Drei bis vier Bootslängen Vorsprung am Ende eines Laufes hat der Computer errechnet - im Vergleich zu den Yachten, die beim letzten America's Cup segelten. Ob das stimmt, wird sich bereits Mitte November in Auckland zeigen. Dann wird die bisherige Trainingsyacht des Schweizer Syndikats, die modifizierte Ex-"Be Happy", in Neuseeland zum Vergleichssegeln bereit sein.

    Wegen Zeitknappheit durfte beim vergangenen America's Cup die glücklos segelnde "Be Happy" ins Kiwiland fliegen, diesmal ist sie per Frachtschiff unterwegs. Sie trifft in den nächsten Tagen in Auckland ein. Bevor die neue "Alinghi" Richtung Neuseeland fliegt, wird sie nordwärts abheben, Ziel Amsterdam. Dort liegt ihr Mast bereit. Dann geht’s weiter nach Schweden, wo die Yacht des schwedischen Syndikats "Victory" zugeladen wird. Schweizer und Schweden teilen die Frachtkosten, Kostenpunkt zirka 600.000 Mark pro Syndikat. Die Arabischen Emirate und Indonesien sind die weiteren Stationen auf der langen Reise nach Auckland. Die Zwischenlandungen sind durch die Reichweite der Antonov bedingt: Bei einem maximalen Fluggewicht von 400 Tonnen schafft sie 3.900 Kilometer. Dank der zwei leichten Schiffsrümpfe (je ca. 4 Tonnen), den deutlich gewichtigeren Kielbomben (je ca. 20 Tonnen) sowie den diversen Klein- und Langteilen wird die Gesamtfracht höchstens 60 Tonnen betragen. 120 Tonnen Nutzlast (in der zivilen Konfiguration, militärisch 150 Tonnen) könnte das fliegende Monster unter den insgesamt 73 Meter langen Flügel tragen. Und das macht durstig: 10 Tonnen Kerosin säuft die Antonov pro Stunde!

    Von diesem Flugzeugtyp wurden seit den achtziger Jahren 65 Stück gebaut - Neuseeland wird noch mehrmals von diesen Giganten der Lüfte Besuch bekommen, denn in 330 Tagen beginnt der Louis Vuitton Cup, der Ausscheidungskampf der Herausforderer für den America's Cup!


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