In Fahrt

Weihnachten allüberall

Die einen sitzen unterm Tannenbaum, die anderen genießen den Rum Punch unter Palmen, und wieder andere kämpfen sich um Kap Hoorn: Wo Segler Weihnachten feiern

Pascal Schürmann am 23.12.2017
Weihnachten Lichterkette Heimkehr VII Oberndorf JEr_DSC_3498
YACHT/J. Erdmann

Hierzulande stehen die meisten Schiffe längst an Land, und die Eigner packen am 24. mit ihren Lieben daheim Geschenke aus. Anderswo hingegen wird Weihnachten an Bord gefeiert. Ob im Hafen, in der Ankerbucht oder auf See – nachfolgend eine Reise rund um die Welt zu Seglern und Schiffen, die jetzt noch irgendwo unterwegs sind:

Kerstan ARC 2017

Das Urgestein der Atlantic Rally for Cruisers, der Berliner Manfred Kerstan mit seiner Crew nach der Ankunft auf Saint Lucia

In der Karibik sind in den vergangenen Wochen Hunderte Atlantiküberquerer eingetroffen. Die meisten Crews haben den langen Schlag über den Großen Teich im Rahmen der alljährlichen Atlantic Rally for Cruisers bewältigt. Andere nahmen an der Atlantic Anniversary Regatta teil.

Ankunft Haspa Hamburg in Port Louis Marina_AAR_Arthur Daniel

Ankunft der "Haspa Hamburg" in der Port Louis Marina auf Grenada, dem Zielhafen der Atlantic Anniversary Regatta

Während einige Segler bereits wieder – per Flieger – die Heimreise angetreten haben, müssen andere das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel unter karibischer Sonne statt im Schnee verbringen. Ihnen wünschen wir, dass der Schoko-Weihnachtsmann nicht zu schnell schmilzt und Lametta auch an Palmen hängenbleibt. 

Präsentkorb unterm Weihnachtsbaum

Präsentkorb unterm Weihnachtsbaum für die Teilnehmer der Atlantic Anniversary Regatta

Nach dem Jahreswechsel gehen viele der Fahrtencrews auf ausgedehnte Karibiktörns, einige nehmen gar Kurs auf Panama und starten zur Reise um die Welt. Für die meisten Teilnehmer der AAR geht es dagegen bereits am 16. Januar mit der nächsten Regatta weiter; dann steht als erste der karibischen Regatten das Mount Gay Round Barbados Race auf dem Programm.

Angekommen in der Karibik, wenn auch auf ungleich dramatischere Art und Weise, ist dieser Tage auch der Italiener Dario Noseda. Mit einem Starboot hat er es von den Kanaren über die Kapverden über den Atlantik geschafft. Schon die Fahrt selbst war überaus beschwerlich. Noseda geriet in für das offene Boot viel zu schweres Wetter, seine Elektronik fiel frühzeitig aus, und am Ende litt er beinahe Hunger und Durst.

Und dann verfehlte Noseda zum Schluss auch noch sein Ziel: Statt Martinique zu erreichen, strandete er überaus unsanft auf Saint Lucia. Er selbst kam mit dem Schrecken davon, sein Starboot indes wird gegenwärtig aber wohl an der Felsküste von den Wellen zerschlagen. Zwei Tage nach seiner Ankunft flog der Italiener zurück in die Heimat, wo schon der Panettone, der traditionelle italienische Weihnachtskuchen, auf ihn wartet. Er hat ihn sich verdient.

Noseda Starboot gestrandet

Spielball der Brandung: Das Starboot von Dario Noseda, gestrandet an der Küste Saint Lucias, wird Weihnachten wohl kaum überstehen

Andere Segler hat es in diesem Jahr in deutlich kühlere Gefilde verschlagen. Neben einer Handvoll deutscher und internationaler Crews absolvierten der Hamburger Jochen Winter, die Einhand-Seglerin Susanne Huber-Curphey und auch Heide und Erich Wilts die legendäre Nordwestpassage. Während Winter mit seiner "Morning Haze" nun Ziele im Pazifik ansteuert, ist Huber-Curphey mit ihrer "Nehaj" an die Ostküste Amerikas gesegelt. Die "Freydis" der Wilts überwintert an der Westküste Grönlands, während das Eignerpaar schon vor Weihnachten hierzulande auf Vortragstour ging. Eine nächste gute Gelegenheit, von ihrem Abenteuer zu hören, ist die boot Mitte Januar in Düsseldorf, wo sie am YACHT-Stand vom Abenteuer Arktis berichten werden.

Freydis auf der Sisak-Werft in Aasiaat

Die "Freydis" überwintert in Grönland auf der Sisak-Werft in Aasiaat, ihre Eigner Heide und Erich Wilts verbringen Weihnachten in Deutschland

Zu erzählen haben wird hoffentlich auch Christoph Opielok. Er startet an Weihnachten mit seiner TP 52 "Rockall" als Einziger unter deutscher Flagge beim diesjährigen Sydney Hobart Race. Ein weiterer deutscher Skipper ist dennoch mit dabei: Chris Kubusch skippert eine der Clipper-Race-Yachten, die ebenfalls am legendären Rennen nach Tasmanien teilnehmen. Wir drücken die Daumen.

Quasi in Gegenrichtung, nämlich aus Südwesten kommend mit Kurs auf Melbourne, legen die Volvo Ocean Racer gerade den Schlussspurt dieser zweiten großen Offshore-Etappe hin. Die führenden Boote trennen nur noch rund 800 Seemeilen vom Ziel. Die Crews, die es bis zu den Feiertagen nach Australien schaffen, werden diese vermutlich verschlafen. Die enorme Erschöpfung, die der langen Etappe durchs Südmeer geschuldet ist, hatte sich in den Gesichtern der Regattasegler schon in den Bordvideos der vergangenen Tagen mehr als deutlich abgezeichnet. Wir wünschen gute und vor allem schnelle Erholung, erfolgt der Start zur nächsten Etappe nach Hongkong doch schon ein Tag nach Neujahr.

Starten wollte am vorigen Wochenende eigentlich auch der US-Amerikaner Matthew Kent. Eigentlich. Denn seine Reise über den Atlantik in einem nur 1,06 Meter langen Microboot, einer Art segelndem Stahlfass, wurde in letzter Minute von den Behörden der Kanaren verboten – sie erteilten ihm kurzerhand ein Auslaufverbot. Kent brach daraufhin sein Projekt ab und nahm den Flieger zurück in die USA.

Kent undauntet

Da war er noch frohen Mutes: Matthew Kent in seinem Microboot, mit dem er Weihnachten über den Atlantik wollte

Vermutlich haben ihm die kanarischen Beamten, die wohl allmählich die Nase voll haben von den diversen Extremseglern, ein zumindest deutlich gemütlicheres Weihnachtsfest beschert, als er es auf seiner "Undaunted" gehabt hätte. In dem Boot gibt es nicht einmal genügend Platz für Kent, um sich ganz auszustrecken.

Genügend Komfort, dafür aber gleichfalls wenig Glück hat Kents Landmann Randall Reeves. Er steht wenige Tage vor Kap Hoorn. Doch statt von dort nonstop weiterzusegeln – Reeves wollte einhand eine Acht um ganz Amerika, die Arktis und die Antarktis schreiben –, nimmt er nun Kurs auf Ushuaia in Feuerland. Sowohl sein Autopilot als auch seine Windfahnensteuerung haben den Dienst quittiert.

Reeves vor Kap Hoorn

Randall Reeves an Bord seiner Yacht mit Kurs Kap Hoorn

Trotz des Zwischenstopps will Reeves sein Projekt aber fortsetzen; vorausgesetzt, er bekommt – quasi als verspätetes Weihnachtsgeschenk – am Südzipfel Südamerikas die passenden Ersatzteile. Sein Unterstützer-Team an Land hat dem Weihnachtsmann wohl schon einen entsprechenden Wunschzettel geschrieben.

Besser unterwegs ist Szymon Kuczinski. Der Pole segelt derzeit einhand und nonstop um die Welt, und zwar in einer nur 22 Fuß großen Maxus. Über die Hälfte der Strecke hat er bereits geschafft, momentan befindet er sich mit seiner "Atlantic Puffin" im Südmeer ziemlich genau zwischen den Südzipfeln Tasmaniens und Neuseelands. Ihm und allen anderen, die da gegenwärtig irgendwo auf den Weltmeeren unterwegs sind, wünschen wir weiterhin viel Glück auf ihren Törns.

Kuszinski passiert Kap Leuwin

Der Pole Szymon Kuszinski passiert auf seiner kleinen Maxus das Kap Leeuwin

Frohe Weihnachten!

Pascal Schürmann am 23.12.2017

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