Dehlya Refit-Blog, Woche 65

Was Feines für unsere alte Dame

Während der Ausbau in der Mittelmann's Werft weitergeht, waren wir auf einem Roadtrip am Rhein, bevor dort die Jecken einfielen. Mission: Segeltuch studieren

Jochen Rieker am 14.02.2018
Dimension Polyant Produktion 2018 NGü_8C8A7136
YACHT/N. Günter

Nicht bloß irgendein Stoff, eher ein Kunstwerk. Kettfäden auf einer von Dutzenden Webmaschinen für Segeltuch bei Weltmarktführer Dimension-Polyant in Kempen

Fans unseres Langzeit-Projekts und Besucher der letzten Hanseboot werden wissen, dass die Dehlya 25 längst ihr neues Stell bekommen hat. Das hat Jens Nickel von der Segelwerkstatt Stade mit Akribie entwickelt, geplottet und produziert. Nachzulesen in YACHT 3/2018, anzuschauen auf YACHT tv hier.

Das Tuch, respektive Laminat, aus dem die Segel sind, stammt aber nicht von der Elbe, sondern aus Kempen, unweit des Rheins. Dort hat Weltmarktführer Dimension-Polyant seinen Sitz: Eine Hightech-Weberei, die ihresgleichen sucht – gewissermaßen die Beneteau-Gruppe unter den Tuchproduzenten.

Zwei Gründe waren es, die uns hinter die Werkstore des Stammbetriebs blicken ließen, dessen riesige Hallen 22.000 Quadratmeter überspannen. Eigentlich sogar drei.

Nummer eins: Wenn wir schon einen GFK-Klassiker aus heimischer Fertigung aufmöbeln, mit einem heimischen Elektroantrieb ausgestattet, dann sollte auch der Hauptantrieb von hier stammen.

Grund Nummer zwei: Wir wollen's genau wissen, weshalb wir auf YACHT tv in Kürze zeigen, wie moderne Segeltuche bei Dimension-Polyant eigentlich entstehen und warum der Stoff einen so großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit hat.     

Schließlich drittens, und da sind wir nun auch schon wieder beim Thema Ausbau, der gerade fast unsere gesamte Aufmerksamkeit beansprucht: Wir wollen auch unter Deck Segeltuch einsetzen. Allerdings nicht primär in Form von textilen Hängetaschen oder Sichtblenden, wie man das von einigen Sportbooten oder Kleinkreuzern kennt.

Auf der Dehlya 25 soll gewebtes Dacron-Tuch vielmehr als leichte Rumpfverkleidung dienen und Wegerungsplatten oder Ähnliches ersetzen.

Hier die Idee: In die Salonbänke und die Kojenauflagen aus DuFlex-Schaumplatten fräsen die Jungs von der Mittelmann's Werft weit außen eine etwa einen Zentimeter tiefe und schmale Nut. In diese kleben sie eine Kederschiene, die leicht gebogen der Kontur der Bordwand folgt.

Dann müssen nochmal die Segelmacher ran und Tuchbahnen auf Maß schneidern, die genau die richtige Höhe haben, um nach oben unterm Deck verspannt zu werden. Fertig ist die schiere, leichte Verkleidung, hinter der die Rauigkeit des Laminats elegant verschwindet.

Besser noch: Thilo und Paul von Mittelmann wollen LED-Lichtleisten hinter dem Tuch platzieren, die eine sehr effektvolle indirekte Beleuchtung ergeben, weil das Dacron-Gewebe das warmweiße Licht weich streut. Der Gemütlichkeit wegen wird es sehr wahrscheinlich kein weißes Tuch werden, sondern Dimension-Polyant Classic AP Low Aspect in Beige – ein Stoff, den die Kempener Weberei eigens für klassische Yachten entwickelt hat. Mehr dazu in einem der kommenden Beiträge des Refit-Blogs.

Freitag sind wir übrigens wieder in Kappeln, um den Baufortschritt auf der Werft zu begutachten. Weil Paul, der Stift, Skilaufen war und Hein, der Meister, mit Grippe flachlag, war Thilo eine Woche lang solo zu Gange. Endlich mal keiner, der einem dauernd reinredet... ;-) Sicher wird er wieder was ausgeheckt haben, woran Willy Dehler seinerzeit auch seine Freude gehabt hätte!

Jochen Rieker am 14.02.2018

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