Refit-Blog Woche 58–62

Warum der Dehlya-Ausbau erst mal mit Nochmehrausbauen anfing

Von wegen Winterpause! Nach einer kurzen Auszeit über die Festtage kreist jetzt wieder die Säge. Unsere Dehlya 25 wird neu möbliert – aber vorher totalentkernt

Jochen Rieker am 25.01.2018
Ausbau Dehlya 25 Refit – Es geht los!
Mittelmann's Werft/H. Jansch

Was haben wir nicht schon alles aus ihr rausgerissen und -getragen: verschwiemelte Polster, zu Klump korrodierte Instrumente, einen von Speiseresten gesprenkelten Kocher und Holz nahezu jeglicher Couleur. Jede Menge Holz! Es müssen ein paar hundert Kilo gewesen sein. Kollege Bolle hat das mal aufs Gramm genau nachgewogen, aber der läuft gerade Ski. Deshalb sehen Sie uns eine gewisse Unschärfe in der Argumentation bitte nach.

Unsere Dehlya 25 hat jedenfalls jene Frühjahrskur schon hinter sich, die wir noch vor uns haben. Schubsten wir sie in ihrem jetzigen Zustand ins Nass, sie würde locker eine Handbreit überm Wasserpass aufschwimmen, so sehr haben wir sie beim Entkernen geleichtert. 

Folglich dachten wir, dass sie nun bis auf den Kielkasten wirklich leer wäre. Was nur beweist, wie sehr man sich irren kann. Hein und Thilo und Paul sahen das nämlich anders.

Dem Meister, dem Gesellen und dem Stift – äh: Auszubildenden – (sorry, Paul!) war da noch was im Weg. Die drei Dehlya-Beauftragten der Mittelmann's Werft an der Schlei befanden, dass auch die spindeligen Flügelschotten noch rausmüssten. Nebst den Stahlprofilen, durch welche die Püttinge gebolzt waren. Nebst den Spanplattenstücken, die als Unterlage dienten. 

Hein Jansch, der Bootsbaumeister unseres Vertrauens, umschrieb das gesamte Arrangement als "nicht gerade lehrbuchmäßig". Und in der Tat: Die Sperrholzschotten waren zwar seitlich anlaminiert, ausgerechnet unten am Rumpfboden, wo die Riggkräfte eigentlich eingeleitet werden sollten, hatten sie freilich keinerlei Anbindung. Haben zwar gehalten. Aber da seine Truppe nun schon mal beigehe, meinte Hein, könne das vielleicht auch einfach neu.

Gesagt, getan.

Ausbau Dehlya 25 Refit – Leer, leerer, ganz leer. Jetzt stehen nicht mal mehr die Flügelschotten

Leer, leerer, ganz leer. Jetzt stehen nicht mal mehr die Flügelschotten

Per Oszillationssäge musste vergangene Woche also dann auch noch der wirklich allerletzte Rest des einstigen Ausbaus dran glauben. Erst dann ließen es die Ausbauer, deren Arbeit wir uns irgendwie nicht so sprichwörtlich vorgestellt hatten, gut sein. Null! Nada! Nix ist mehr zwischen Rumpf und Deck. "Sieht eigentlich ganz gut aus so", fanden Thilo und Paul, als sich der letzte Staub im Festool-Sauger verabschiedet hatte. 

Jetzt nur keine Bange! Wir sind keine Minimalisten. So soll die Dehlya natürlich nicht bleiben. Denn Thilo und Paul und Hein haben schon einige Ideen. Mehr noch, sie sind längst über das Stadium von Skizzen hinaus. 

Während Werftchef Henning Mittelmann auf der boot in Düsseldorf neue J/Boats, Sunbeams und Corsair-Trimarane verkauft, dem Vernehmen nach im Übrigen sehr erfolgreich, nutzen die Bootsbauer an der Schlei die Ruhe im Betrieb, um eifrig Meter zu machen. Wo auf den Fotos noch Wunden klaffen, laminieren sie bereits die neue Struktur ein, die künftig Püttinge und Mast halten soll.

Keine wilde Werkstoffmischung wie bisher soll es werden, sondern eine saubere, visuell unauffällige und statisch weit bessere Lösung als zuvor. Wir stellen uns ein schlankes GFK-Knie vor, oder einen schier unsichtbaren Rahmenspant. Aber Genaueres werden wir erst in der kommenden Woche berichten können, wenn wir vor Ort waren.

In gewisser Weise heißt das, loszulassen. Denn wir wollen das Knowhow des Mittelmann-Teams nutzen, dem Gespür und der Erfahrung der Bootsbauer vertrauen. Sie sollen im Rahmen des Refit-Projekts nicht nur unsere Pläne umsetzen, sondern auch ihre eigenen Ideen einbringen können. Ein spannender Prozess, bei dem sie nur wenige Vorgaben einhalten müssen.

Die Dehlya soll nämlich nicht als Scheinriese wiedergeboren werden, der sie einst war. Statt vier (zu knappe) Kojen soll sie nur zwei anständige Schlafplätze im Vorschiff bieten. Statt einer festen (winzigen) Pantry wird es nur eine multifunktionale und mobile Kochkiste geben. Und auch eine (beengte) Toilette mit Seewasserspülung ist gestrichen; uns reicht ein Trocken-Porta-potti. Denn wir wollen den 25-Fuß-Rumpf mit den schmalen Enden keinesfalls überfrachten. 

Was im Übrigen auch fürs Gewicht gilt. Leicht ist Trumpf!

Ausbau Dehlya 25 Refit – Platten statt Bretter – Gewichtsparen mit Coosa & Co.

Komposit statt Sperrholz – Gewichtsparen mit Coosa & Co. 

Ausbau Dehlya 25 Refit – Intuition statt Vorgabe, Skizze statt Plan – wird schon!

Intuition statt Vorgabe, Skizze statt Plan – wird schon!

Der komplette Ausbau wird daher aus Kompositplatten entstehen, unter anderem aus Coosa, einem einfach zu bearbeitenden und gegenüber Sperrholz um mindestens 30 Prozent leichteren Material, das uns unsere Lead-Partner M. u. H. von der Linden zur Verfügung gestellt haben, vor allem aber aus DuFlex-Platten.

Thilo und Paul haben damit bereits ein bisschen experimentiert. Durch Einschlitzen lassen sich die Platten in weichen Radien biegen. Das sieht nicht nur toll aus, sondern vermeidet auch harte Kanten. Es wäre reichlich untertrieben zu behaupten, dass wir nur gespannt sind – wir platzen vor Neugier. Am liebsten würden wir den Redaktionssitz zu Mittelmann nach Kappeln verlegen. 

Außer Kojenauflagen und Möbelfundamenten wird dort nämlich in Kürze noch eine weitere Besonderheit verbaut. Die Dehlya bekommt eine komplett neu entwickelte, maßkonfektionierte Kielhydraulik. Die sogenannte "Powerbox", das Herzstück des Systems, entsteht derzeit in Kiel bei der Werner Kluge Engineering GmbH von Michael Kraske, einem nautischen Präzisionstüftler ersten Ranges. So viel können wir schon verraten: Die Box, die über einen Dyneema-Stropp den 300 Kilogramm schweren Hubkiel bewegt, wird völlig unsichtbar sein. Hein Hansch und sein Team laminieren dafür Aluplatten am Rumpfboden ein, mit denen das Gehäuse verschraubt wird. Aber dazu und zu der Konstruktion kommende Woche mehr!  

Jochen Rieker am 25.01.2018

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