Meinung

Theater in neuer Dimension

Mit dem Rücktritt des TO-Vorstands erreichen die Vereinsquerelen eine andere Qualität – es geht ums Ganze. Ein Kommentar von Uwe Janßen

Uwe Janßen am 09.01.2012
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Das Logo der Hochseesegler-Vereinigung

Inhaltlich und ob seines Niveaus – unwesentlich über der Grasnarbe – war der lange gärende Zwist in der Hochseesegler-Vereinigung Trans-Ocean (TO) bis vor wenigen Tagen keinerlei Erwähnung wert. Ödes Vereinsgemeier, Ränkespielchen hier und Vorwürfe dort, der dilettantische Vorstand, keine Kommunikation, kurz: ganz das Übliche – Disput gewordene Langeweile, ein laues Lüftchen im Wasserglas, nicht interessanter als die erbitterte Auseinandersetzung über Ruhezeiten im Kleingartenverein „Meine liebe Scholle“.

Mit dem teils vollzogenen, teils angekündigten Rücktritt des kompletten Vorstands aber hat das Theater eine neue Dimension erreicht. Jetzt geht es um die Existenz eines der größten deutschen Segelclubs. Der rund 5.000 Mitglieder starke Verein steckt nach einer offenbar bewusst provozierten Eskalation der Ereignisse in einer bedrohlichen Lage.

Das Ganze nahm seinen Urspung im Sommer mit einem Interview in der YACHT. Seit dem im August publizierten Gespräch mit dem damaligen TO-Vorsitzenden Bernd Luetgebrune fühlt sich Zubehör-Hersteller Peter Förthmann bemüßigt, einen Kreuzzug gegen den Langfahrer-Verein zu führen. Im Stile eines islamistischen Hasspredigers hetzt Förthmann im Internet seither gegen die TO-Führung und versuchte sogar, die YACHT zu einer entsprechenden Geschichte zu drängen. Der journalistisch notwendigen Überprüfung hielt allerdings nicht einer der seinerzeit erhobenen Vorwürfe stand – der Mann arbeitete offenbar hemmungslos mit Un- und Halbwahrheiten. Unklar nur, mit welchem Ziel. Eine Funktion im Verein strebt der verbiesterte Agitator nach eigener Aussage nicht an, Verantwortung wollte und will er bei Trans-Ocean nicht übernehmen.

Zumindest zeitweilig im Doppelpass mit TO-Mitglied Uwe Röttgering geiferte Förthmann jedenfalls gleichbleibend stillos weiter und blies in schriller Diktion zur „Jagd“ auf den „Feind in Cuxhaven“ – um schließlich nach dem, was er für einen Erfolg hält, zu frohlocken: „Das Großwild ist erlegt.“ Solches und schlimmeres Vokabular offenbart die Geisteshaltung hinter diesen Online-Pamphleten.  

Schon möglich, dass in der Sache Optimierungsbedarf besteht. Eine Satzungsreform mit einer Neuorientierung oder bessere Kommunikation – die Universal-Wunschfloskel jedes Arbeitnehmers – oder größere Transparenz, gerade was die Finanzen angeht, oder gesteigertes Engagement in der Segelsport-Förderung mögen allemal berechtigte Forderungen sein. Nur: Für die Durchsetzung von noch so legitimen Veränderungen gibt es in jedem Verein verbindliche Regeln und Wege. Wer auf diesen Wegen mit seinen Vorstellungen scheitert, darf es erneut versuchen, sich fügen, sich nach einem anderen Verein umsehen, einen neuen gründen oder oder oder. Wer hingegen glaubt, publizistischer Amoklauf, Dreckschleudern, Internet-Hetzkampagnen und Intrigantentum seien in einem solchen Fall die Mittel der Wahl, disqualifiziert sich selbst. Und richtet dennoch im Zweifel erheblichen Schaden an. 

Genau all das nämlich führte zu mittlerweile tiefen Rissen bei Trans-Ocean, und zwar auf allen Ebenen. Im Mitgliederbereich auf der Homepage werden sogar bereits Szenarien zur Auflösung des Clubs diskutiert. Kann der Klüngel die Liquidierung insgeheim gewollt haben? Kleingeistiger Vereinskram – nicht mehr steckte bis zu diesem Zeitpunkt dahinter – ist das nun nicht mehr. Die Vorgänge haben eine neue Qualität.

U. Janßen

Uwe Janßen, stellvertretender Chefredakteur der YACHT

Im Idealfall geht Trans-Ocean aus den Wirren am Ende gestärkt hervor, mit neuer Kraft, frischem Mut und attraktiven Ideen – Krise heißt bekanntlich immer auch Chance. Ganz unrealistisch aber scheint das Ende nach den jüngsten Entwicklungen keineswegs. Der Vorsitz ist ein Ehrenamt, wer mag sich die Herausforderung in dieser Konstellation schon aus freien Stücken und unentgeltlich antun? Wenn sich um der guten Sache willen eine neue Führungsspitze formieren sollte, dann steht sie jedenfalls vor einer sehr großen Aufgabe. Die hat mit den Sachfragen zunächst einmal gar nichts zu tun.

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Uwe Janßen am 09.01.2012

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