Extremsegeln

Starbootsegler in der Karibik gestrandet

Dario Noseda hat in einem Starboot den Atlantik überquert. Das Finale allerdings fiel alles andere als triumphal aus: In der Nacht strandete er auf St. Lucia

Pascal Schürmann am 19.12.2017
Noseda auf seinem Starboot
D. Noseda/Star in Oceano

Eigentlich hatte der Italiener gestern Nacht in Le Marin auf Martinique ankommen sollen. Dort wartete bereits seit Tagen ein Empfangskomitee auf ihn. Stattdessen meldete sich Noseda jedoch wenige Stunden vor dem geplanten Zieleinlauf per Satellitentelefon bei seinen Leuten und bat um dringende Hilfe: Er sei viel zu nah an die Küste Saint Lucias geraten – die Insel liegt zirka 30 Seemeilen südlich von Martinique – und schaffe es nicht mehr, sich aus der Legerwall-Situation freizusegeln.

Sein Team verständigte daraufhin umgehend die Küstenwache Saint Lucias, die mit Hubschrauber und Schiff dem Havaristen zu Hilfe eilte. Was sich danach genau abspielte, ist noch nicht bekannt. Auf Nosedas Facebook-Seite heißt es lediglich, der Segler habe sich zwei Stunden später erneut gemeldet. Er sei mit dem Starboot an der Küste gestrandet, das Boot sei stark beschädigt, ihm selbst indes gehe es gut. Er habe sich auf dem Landweg zur Rodney Bay auf der gegenüberliegenden Seite der Insel aufgemacht, um dort die Hafenbehörden über seine Ankunft und die Havarie zu informieren. 

Reise stand unter keinem guten Stern

Die Extremfahrt des Italieners hatte von Beginn an unter keinem guten Stern gestanden. Ursprünglich hatte der Einhandsegler eine Nonstop-Fahrt von den Kanaren quer über den Atlantik nach Nassau auf den Bahamas geplant. Dort wollte er pünktlich zur Star Sailors League eintreffen, die jedoch schon vorvergangene Woche zu Ende gegangen war (YACHT online hatte berichtet).

Noseda beim Start

Noseda beim Start

Doch schon kurz nach seiner Abfahrt von den Kanaren hatte Noseda mit vielen technischen Problemen an Bord seines für die Extremfahrt modifizierten Starbootes zu kämpfen gehabt, sodass er auf den Kapverden einen Reparaturstopp einlegen musste. Als er von dort schließlich zur Atlantiküberquerung aufbrach, dauerte es wieder nicht lange, bis er erneut Probleme meldete. Vor allem die Stromversorgung bereitete ihm Schwierigkeiten, da offenbar immer wieder Wasser ins Schiff eindrang und dabei die Batterien in Mitleidenschaft zog. 

Infolgedessen brach nicht nur seine Kommunikation zusammen, sondern wohl auch der Wassermacher. So ging Noseda gegen Ende der Fahrt das Wasser aus, ebenso die Lebensmittel. Zwischendurch habe er Regenwasser auffangen müssen, um seinen Wasserbedarf zu stillen, heißt es in den kurzen Meldungen, die sein Team von ihm via Satellitentelefon empfing.

Bedingungen auf dem Atlantik offenbar falsch eingeschätzt

Noseda hatte während der Reise offenbar mit deutlich schwierigeren Wetterbedingungen zu kämpfen, als er es erwartet hatte. Vor allem die fortwährende Nässe an Bord bereitete ihm augenscheinlich große Probleme, und einmal, so heißt es in einem der Berichte, sei er gar über Bord gegangen und habe sich mit letzter Not am Heck festklammern und von dort wieder zurück auf Schiff ziehen können. Der Vorfall habe sich just in einem Moment ereignet, da er gerade vorgehabt habe, sich anzuleinen, es aber noch nicht war. 

Nosedas modifiziertes Starboot

Nosedas modifiziertes Starboot

So hoch die Leistung Dario Nosedas einzuschätzen ist, so fragwürdig ist das gesamte Projekt doch gewiss auch. Am Ende war viel Glück im Spiel, dass er die Atlantiküberquerung überhaupt überlebt hat. Selbst gestern Nacht noch, am Ende der Reise, hätte die Strandung weit weniger glimpflich ausgehen können. 

Weiterer Extremsegler in letzter Minute gestoppt

Die Behörden der Kanaren haben Nosedas Projekt offenbar ebenfalls kritisch verfolgt. Einem weiteren Extremsegler, dem US-Amerikaner Matthew Kent, der am Wochenende mit einem gerade mal 1,06 Meter kurzen Microboot gleichfalls über den Atlantik segeln wollte, verboten sie wenige Stunden vor dessen Start das Auslaufen aus dem Hafen von La Gomera. Schon im Frühjahr war Kent von dort das erste Mal gestartet, musste aber schon nach einem Tag auf See infolge technischer Probleme umkehren.

Matthew Kent in seinem Microboot

Matthew Kent in seinem Microboot, mit dem er über den Atlantik wollte. Er kann darin nicht mal ausgestreckt stehen, geschweige denn liegen

Kent zeigte sich nun tief enttäuscht über die strikte behördliche Anordnung. Er berichtete, nicht einmal mehr Testfahrten mit seinem Boot, das einer Art besegelter Metallkiste gleicht, unternehmen zu dürfen. Nach Bekanntwerden des Auslaufverbots brach er sein Projekt offiziell ab. Kent will nun überlegen, wie er seine beim Bau des Bootes gewonnenen Erkenntnisse anderweitig sinnvoll nutzen kann.

Pascal Schürmann am 19.12.2017

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