ARC 2010

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„Shaka" schleppt sich nach Rodney Bay. YACHT-Autor Matthias Beilken berichtet von Bord

Pascal Schürmann am 13.12.2010

Die Swan 46 "Shaka"

Offiziell wird es wohl "Schaden an der Ruderanlage" heißen: Ein bestimmter Bolzen ist gefährdet, den wir nicht über alle Maße belasten dürfen. Ansonsten steht der Ankunft morgen bis auf ein paar garstige Passatschauer wohl nichts mehr im Weg.

Der Bolzenwechsel verursachte jedes Mal einen Riesenalarm. Im Prinzip eine Minimini-Notsituation, und die trat meistens nachts ein. Dann hieß es, alle an Deck, Notpinne aufsetzen, das Groß bergen und Skipperin Mareike mit Ersatzbolzen und Kopflampe ab ins "Loch", die zentrale Backskiste hinterm Ruder.

Dachten wir anfangs noch, die besten Bolzen, die jemals auf Gottes Erde fabriziert worden sind, in die Ruderwelle geschoben zu haben (vier Stück konnten mittlerweile zeigen, was sie hielten), wünschen wir
jetzt, dass es die räudigsten Teile überhaupt waren. Denn: Sie sind alle gebrochen, zwei nach einer "Lebensdauer" von weniger als 24 Stunden.

Skipperin Mareike Guhr

Rekord-Wellenhalter ist nun unerwarteter Weise ein müdes, flugrostiges Stück Schrott. Der Rest eines Bolzens, der offensichtlich jahrelang deplatziert Dienst in einem Spinakerbergeschlauch (als Abstandhalter Fallschäkel-Spikopf) getan hat und der erst neulich auf der Überführung zur ARC nach Bruch quasi vom Himmel fiel. Und von dem wir nicht viel mehr wissen, als dass "Made in Taiwan" draufsteht.

Aber wie es aussieht, wird er wohl bis Saint Lucia durchhalten - noch 180 Meilen.

Längst befindet sich Land in Lee. Was sich zunächst noch als sehr weit ab, als höchst theoretisch und als Brasilien dargestellt hatte, hört nun auf
den Gebietsnamen Antillenbogen.

YACHT-Autor Matthias Beilken

An Deck werden bereits die Fender für die Ankunft aufgepustet. Ansonsten nehmen wir während der finalen Meilen den Passat noch einmal voll auf Lunge: Nach der elenden Rollerei der vergangenen Tage sehen wir jetzt extrem starke Schauertätigkeit. Vor allem nachts neigt die Wetterküche dazu, überzukochen: sternklare Nächte wechseln dann rapide zu düster und bewölktem Himmel.

Mit der ersten Bö hört eine Nachtwache dann im Prinzip auf, romantisch zu sein, und es regnet in Strömen. Das Regenchaos wiederholt sich etwa dreimal pro Wache, wobei niemand sagen kann, mit wieviel Wind man es zu tun bekommt. Rekord bisher: 30 Knoten.

Dann heißt es reffen. Denn spätestens wegen des Ruderbolzens segeln wir sehr defensiv

Zwischen den Schauern ist es flau, flau, flau. Nervig.

Lese-Tipp:
YACHT-Redakteure waren schon 1986 bei der allerersten ARC dabei. Damals wurden die bereits über 200 Teilnehmercrews von einem außerordentlich heftigen Passat gebeutelt. Und navigiert wurde noch auf vielen Schiffen mit dem Sextanten. Wir haben die packende Reportage über das Rennen kostenlos als Download bereitgestellt — eine lohnende Lektüre!

Außerdem: Dramen, Tragödien, spektakuläre Rettungsaktionen auf hoher See und Glücksmomente bei der Ankunft in der Karibik aus 25 Jahren ARC in der vorigen Ausgabe der YACHT (Heft 24/2010, nachbestellen unter Tel. 0521 / 55 99 11).

Pascal Schürmann am 13.12.2010

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