Blauwasser

Piraterie im Südosten der Karibik

Im Abstand von nur wenigen Tagen sind zwei Segelyachten auf offener See zwischen Trinidad und Grenada überfallen und ausgeraubt worden

Pascal Schürmann am 05.01.2016
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Als Erste traf es die "White Dumbo". Das 25 Meter lange Schiff, das unter der Flagge Gibraltars segelt, sollte kurz vor Weihnachten von einem italienischen Skipper sowie zwei Mann Crew von Trinidad nach Grenada gebracht werden. Um die Mittagszeit des 20. Dezember, als man etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatte, habe sich aus südlicher Richtung ein etwa 18 Fuß großes, offenes und von einem PS-starken Außenborder angetriebenes Boot, das mit fünf mutmaßlich venezolanischen Männern besetzt gewesen sei, genähert.

Diese hätten kurz darauf mit vorgehaltenem Gewehr das Segelschiff geentert und nach Wertsachen wie Computer und Kameras sowie nach Bargeld, Ausweisdokumenten und Kreditkarten durchsucht. Der Überfall, so der Bericht des Skippers, habe rund 20 Minuten gedauert, dann hätten die Piraten das Schiff wieder verlassen. Die Crew blieb glücklicherweise unversehrt und konnte danach ihren Weg nach Grenada fortsetzen.

Exakt eine Woche später, am 27. Dezember, schlugen die Piraten erneut zu. Diesmal enterten sie, wiederum unter Androhung von Waffengewalt, die 32 Fuß lange Segelyacht "Maritima". Deren Skipper war mit seinen beiden Söhnen gleichfalls von Trinidad nach Grenada aufgebrochen, und wieder fand der Überfall am helllichten Tage auf etwa halber Strecke statt. Auch die Crew der "Maritima" musste den Verlust einiger Wertsachen hinnehmen, kam ansonsten aber mit dem Schrecken davon.

Karte Trinidad Grenada

Gefährliches Revier: der Seeweg zwischen Trinidad und Grenada

Der britische Ocean Crusing Club, eine Vereinigung von Langfahrtseglern, wie auch der Yachtverband von Trinidad und Tobago, nehmen die Vorfälle überaus ernst. Für Crews, die in der Region auf Törn gehen wollen, insbesondere nach Grenada, haben sie eine Liste mit Verhaltensempfehlungen herausgegeben. Darin raten sie unter anderem, möglichst nachts zu segeln, da die Piraten vermutlich nicht über Radar verfügen würden. Auch solle man gegebenenfalls ohne Positionslichter segeln und einen Konvoi bilden sowie die Behörden vor Ort wie auch die Küstenwache über die geplante Törnroute informieren.

Auch aus einer anderen Region der Erde, von den Philippinen, kommt eine aktuelle Warnung für Langfahrtsegler: Im Forum des deutschen Langfahrtseglervereins Trans Ocean wird von der bei Seglern beliebten Tagbita Bay im südlichen Palawan dringend abgeraten. Dort solle Gerüchten zufolge die Terrorgruppe Abu Sayyaf ein Ausbildungscamp eingerichtet haben. Angeblich würden die Terroristen den Fischern vor Ort Prämien für das Ausspähen von Seglern zahlen. Demzufolge bestehe in der Region eine erhöhte Entführungsgefahr. 

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Pascal Schürmann am 05.01.2016

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