Kielverlust

Oyster räumt Fertigungsfehler ein

09.12.2015 Jochen Rieker, Fotos: YACHT Russia/A. Grokhovsky, Oyster Yachts - Im Fall der nach einem Kielverlust gesunkenen Oyster 825 meldet sich jetzt erstmals die Werft zu Wort – doch noch bleiben Fragen offen

Kielverlust Oyster 825 2015 YACHTrussia
Fotograf: © YACHT Russia/A. Grokhovsky

Markierung für eine Laminatprobe an der havarierten Oyster 825, die vor Spanien sank

In einer ersten substanziellen Stellungnahme seit Veröffentlichung der schockierenden Wrackfotos durch YACHT online bestätigt Oyster Marine Fertigungsfehler innerhalb der 825er-Baureihe.

Kielverlust Oyster 825 2015 YACHTrussia
Fotograf: © YACHT Russia/A. Grokhovsky

Bloße Bodengruppe, kein Rumpflaminat

Untersuchungen bei Schwesterschiffen, die unmittelbar nach dem Verlust des russischen Bootes vor der spanischen Küste durchgeführt wurden, hätten "eine mögliche Schwäche bei dem Verfahren aufgezeigt, mit dem die Bodengruppe dieser Schiffe gebaut wurde", teilte die Werft am Dienstagabend mit.

Zwar lasse sich aufgrund von Bergungsspuren am Havaristen selbst noch nicht mit letzter Gewissheit sagen, "ob diese mögliche Schwäche im Zusammenhang mit dem Verlust des Schiffes steht", so Oyster weiter. Doch spricht vieles dafür – nicht zuletzt die Tatsache, dass die Werft bereits jetzt, vor Veröffentlichung der Sachverständigen-Gutachten, von sich aus über die Baumängel informiert. 

Den Äußerungen zufolge lag offenbar kein Konstruktionsfehler vor – ein Hinweis, der viele Spekulationen zunichte machen dürfte, wonach die auf Eignerwunsch verlängerte Heckpartie und Ausgleichsgewichte im Bug mit dem Kielabriss in Verbindung stehen könne. Auch scheiden, wenn man der Stellungnahme folgt, Fehler in der Dimensionierung der Rumpf-/Kiel-Verbinung sowie mangelnde Laminatstärken als Havarieursache aus.

Vielmehr bestätigt die Werft Aussagen von Faserverbund-Experten, die gegenüber der YACHT nach Vorlage der Wrack-Bilder  ein Problem der Verbindung zwischen Bodengruppe und Rumpf als potenzielles Problem genannt hatten.

YACHT online dokumentiert den Bericht von Oyster im Wortlaut – sowohl im englischen Original als auch in einer deutschen Übersetzung – auf der Folgeseite.

Dass die Werft sich bereits jetzt zu dem Fall geäußert hat, ist bemerkenswert. Offenbar wurde der Druck der Öffentlichkeit und hier insbesondere bestehender Eigner so groß, dass Oyster die ursprüngliche "No-comment"-Linie verlassen musste. Zu unfassbar die Bilder, zu zahlreich die Fragezeichen, die sie aufwarfen. 

Die Stellungnahme bleibt in vielen Punkten gleichwohl noch unvollständig. So fehlen Angaben über die genaue Ursache der Fehler, die beim Bau der Bodengruppe entstanden sein sollen, ebenso wie Informationen über das angewendete Verfahren.

Auch ging Oyster nicht auf die Vorgeschichte der havarierten Yacht ein, die bereits wenige Wochen nach der Übergabe – noch im Sommer 2014 – erneut in die Werft kam. Ursprünglich sollte nur ein Defekt am ausfahrbaren Bugstrahlruder repariert werden, das im Seegang am Rumpf scheuerte. Dabei kam jedoch auch ein Spalt an der Achterkante des Kiels zum Vorschein. War dies ein erstes Indiz für die Schwäche in der Bodengruppe, das nicht ernst genug genommen wurde? Diese und andere Fragen bleiben einstweilen unbeantwortet.

In einem Punkt aber legt sich Oyster einmal mehr fest: Alle Yachten, auch die nachträglich verstärkten Boote der 825er-Serie, seien sicher. Wie überhaupt Sicherheit "die grundlegende Priorität" der Werft sei. 

Update von Oyster Marine zum Kielverlust der Oyster 825 "Polina Star III"

Southampton, 8. Dezember 2015 – Seit dem tragischen Verlust der "Polina Star III" Anfang Juli hat Oyster mit einem Team von unabhängigen Experten zusammengearbeitet, um die Konzeption und den Bau der Oyster 825 zu überprüfen. Seit der Bergung von "Polina Star III" haben wir auch mit verschiedenen Vertretern der Versicherung des Eigners und anderer Beteiligter kooperiert. Ziel dieser Arbeit war es, zweifelsfrei festzustellen, wie und warum dieser Verlust eingetreten ist – der erste seiner Art in Oysters langer Firmengeschichte.

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