YACHT-Schwerwettertraining

Ohne Wind über die Biskaya?

Die Saison der Atlantiküberquerer naht, auch die "Marlin" von Weltumsegler Michael Wnuk soll über den Teich. Kein Problem, wäre da nicht die Biskaya im Oktober

Kristina Müller am 10.10.2017
YACHT-Schwerwettertörn
YACHT/ K.Müller

Soll man sich nun freuen oder Frust schieben? Da steht Schwerwettertörn auf dem Programm, und alle sind da: Crew, Skipper, Schiff – nur eines fehlt: das schwere Wetter. Seit zwei Tagen kreuzt die "Marlin" von Weltumsegler Michael Wnuk durch den Ärmelkanal nach Westen, um anschließend über die Biskaya nach La Coruña zu gelangen und von dort dann weiter zu den Kanaren und in die Karibik. An Bord auf der Etappe nach La Coruña, die Wnuk in Kooperation mit der YACHT als Schwerwettertraining anbietet: ein Haufen abenteuerlustiger Segler, die mal kontrolliert eins auf die Mütze bekommen wollen. Auf einem Schiff, das schon Stürme erlebt und überstanden hat. Und mit einem Skipper, der schon zig Stürme er- und überlebt hat.

YACHT-Schwerwettertörn

Kabbelige Stromwelle im Ärmelkanal – aber kein Vergleich zu den Brechern, die sich in der Biskaya bilden

YACHT-Schwerwettertörn

.Wetterbriefing mit Gribfiles

"Das ist mein viertes Schwerwettertraining", erzählt Mitsegler Thomas, "aber bisher hatte ich immer Flaute, egal ob auf der Biskaya, auf der nördlichen Nordsee oder bei einem Versuch auf der Ostsee." Nun aber, Biskaya im Oktober – come on! Das klingt nach DER Garantie für genau das Wetter, die Wellen und die Windstärken, die eigentlich kein Segler je erleben möchte. Und doch: Die momentane Vorhersage sieht milde aus – vielleicht machen die Herbststürme gerade eine Pause zum Luftholen, nachdem "Irma", "Maria", "Xavier" und "Sebastian" west- wie ostseitig des Atlantiks schon allerhand angerichtet haben.

Insgeheim wäre ein Teil der Crew wohl sogar froh, wenn es vielleicht nur ein Offshore-Training vor der europäischen Haustür mit vertrauenerweckenden 29 Tonnen Aluminium unter den Füßen würde. Schließlich hat die Biskaya schon Schiffe verschluckt, die weitaus größer waren als die 18 Meter lange "Marlin". 40.000 Seemeilen hat sie im Kielwasser, mehrfach den Atlantik überquert und einen Skipper, der Kap Hoorn kennt. Und dennoch gilt: You never know, noch sind zudem die Vorhersagen für den Absprung in einigen Tagen nicht exakt genug.  

Vorbereitung auf die eigene Weltumsegelung

YACHT-Schwerwettertörn

.Nachtfahrt im Channel Richtung Westen

Egal wie das Wetter werden wird, ganz besonders über ihren Platz an Bord freut sich Mitseglerin Kerstin. Die ehemalige Postbeamtin hat das Schwerwetter-Training bei der YACHT-Verlosung gewonnen und kann, mittlerweile schon 48 Stunden unterwegs, ihr Glück immer noch kaum fassen. "Das ist eine tolle Vorbereitung für später, wenn ich mal mein eigenes Boot aus dem Mittelmeer nach Deutschland segeln möchte", sagt sie und strahlt. Andere an Bord planen eine eigene Weltumsegelung, liegen in Gedanken schon an den schönsten Ankerplätzen der Welt – und gönnen sich eines der vermeintlich härtesten Stücke der Weltreise von Europa aus vorab als Selbstversuch.

Nun lautet die Devise vorerst "go west", Meilen machen Richtung Ausgang des Ärmelkanals und vielleicht darüber hinaus, um dann zum Sprung über die Biskaya anzusetzen, möglichst weit vom Kontinentalschelf entfernt. Denkbar aber auch die Route über Brest und La Rochelle, wo vor wenigen Tagen die Flotte der Mini-6.50-Segler zum Ritt über die Atlantikbucht aufgebrochen ist.

Schwerwettersegeln in Theorie und – hoffentlich auch – Praxis

Fast alles ist also offen, und während "Marlin" bei moderatem Wind aufkreuzt (stets bei ablaufend Wasser. Strömt die Tide mit gut drei Knoten in den Kanal hinein, wird geankert und gewartet), sollen zumindest kleine Theorieblöcke zu Schwerwetterthemen wie Sturmbesegelung, Rettungsmanöver, Großwetterlage auf das schwere Wetter vorbereiten, das möglicherweise ja doch noch kommen wird.    

Weitere Infos, regelmäßige Berichte des Skippers zu Törn und Schiff sowie Mitsegelmöglichkeiten auf der "Marlin" (Achtung, aktuell sind Kojen für die anstehende Atlantiküberquerung frei geworden!) unter www.marlin-expeditions.com und www.sy-marlin.de.  

Kristina Müller am 10.10.2017

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