Verbände

Neues Personalgewitter im DSV: Goetz-Ulf Jungmichel geht

Ein Nachfolger ist zwar noch nicht in Sicht, doch DSV-Generalsekretär Goetz-Ulf Jungmichel schmeißt bereits zwei Jahre nach Amtsantritt das Handtuch

Tatjana Pokorny am 16.04.2018
Goetz-Ulf Jungmichel DSV-Generalsekretär
YACHT/M. Strauch

Erneut gibt es im Deutschen Segler-Verband eine einschneidende Personalveränderung – und sie kommt nicht völlig überraschend: Nach nur zwei Jahren verlässt Generalsekretär Goetz-Ulf Jungmichel den Deutschen Segler-Verband (DSV) wieder.

Dies teilte der Dachverband des deutschen Segelsports am Montagnachmittag in einer knappen Stellungnahme mit. Weiter hieß es in der Meldung, der ehemalige Direktor der boot Düsseldorf scheide "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung des Verbandes zwischen ihm und dem Präsidium einvernehmlich aus dem Verband aus". 

Dass die Worte "unterschiedlich" und "einvernehmlich" in einem Satz stehen, lässt tief blicken.

Der neue Job hatte Jungmichel von Beginn an große Herausforderungen beschert. Der ehemals erfolgreiche Messemann kam, als heftiger Streit im Präsidium, ein kostspieliger Rechtsstreit mit dem Sailing Team Germany und dessen Gründern sowie überholte Strukturen den Verband finanziell wie inhaltlich belasteten. Jungmichels Hoffnung, die Streitigkeiten auflösen und die Erstarrung des Verbandsapparates lösen zu können, haben sich in den zurückliegenden Jahren nur teilweise erfüllt. 

Viel Inventur, wenig Fortschritt

Jetzt verabschiedet sich der Rudergänger mit den Worten: "Es waren spannende und herausfordernde zwei Jahre, in denen wir den Grundstein für die Neuausrichtung des Verbandes gelegt haben."

Für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin bleibt, anders ausgedrückt, noch reichlich zu tun – so sich denn jemand findet. Denn vorbereitet war das Präsidium, das bei seiner Klausursitzung am vergangenen Freitag die Kündigung Jungmichels entgegennahm, nicht.

Ein Kandidat ist also noch nicht in Sicht. Gut möglich, dass fürs Erste eine interne Lösung gesucht wird. Denn der Etat ist arg angespannt. Jungmichels vorzeitig aus dem Amt gedrängter Vorgänger, Gerhard Philipp Süß, erhält noch bis Ende des Jahres eine Abfindung. Sollte auch der jetzige Generalsekretär bis Ende Dezember bei vollen Bezügen freigestellt werden, fehlen schlicht die Mittel für eine rasche und adäquate Neubesetzung.

Für die im vorigen November neu gewählte DSV-Präsidentin Mona Küppers und ihr ehrenamtliches Führungsgremium ist es ein Stotterstart. Wegen der knappen Verbandsfinanzen hatte sie kurz nach ihrem Amtsantritt eine Haushaltssperre verkündet; damit waren sämtliche Vorhaben, welche die Grenze von 5000 Euro überstiegen, vom Präsidium zu genehmigen. Auch das mag zur Kündigung Jungmichels beigetragen haben. De facto war er ein  Generalsekretär ohne Befugnisse.

Durch seinen Abgang, der spätestens nach der Kieler Woche zu Ende Juni erfolgen soll, sind Küppers & Co. nun  noch stärker gefordert als ohnehin schon. Gemessen an der Größe und Vielfalt der Aufgaben, die der Verband zu stemmen hat, sind das alles andere als ideale Voraussetzungen. Zumal die Mitarbeiter der Geschäftsstelle seit mehr als einem halben Jahr auf eine neue Strategie und klare Ansagen warten. Bisher, wie aus der Gruendgensstraße zu hören ist, fehlt diese Kursbestimmung jedoch. Statt dessen herrscht dort, seit heute die Nachricht von der Kündigung die Runde machte, eine eigentümliche Mischung aus Verwunderung, Fassungslosigkeit, Erleichterung und Schock.

Tatjana Pokorny am 16.04.2018

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